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Enerige & Management > Klimaschutz - Klimaziele stellen Stahlindustrie vor große Probleme
Bild: kav777, Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Klimaziele stellen Stahlindustrie vor große Probleme
Wahrscheinlich mehr als 100 Mrd. Euro wird die europäische Stahlindustrie benötigen, um bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. So sieht es eine Studie von Roland Berger.
 
Das stahlproduzierende Gewerbe ist nach Angaben der Unternehmensberatung mit einem Anteil von 22 % der größte industrielle CO2-Emittent in Europa. Mit den heute angewandten Methoden zur Herstellung von Roheisen und Stahl ließen sich die Ziele des Pariser Klimaabkommens, bis 2050 klimaneutral zu werden, nicht erreichen. Eine komplette Umstellung der Produktion sei erforderlich.

Zusätzliches Problem: Die Zeit drängt. Laut Roland Berger bleiben nur noch fünf bis zehn Jahre, um die Neuausrichtung einzuleiten, wenn sie in 30 Jahren vollendet sein soll. Die Studie "The future of steelmaking – How the European steel industry can achieve carbon neutrality" bewertet mögliche Technologien und zeigt auf, wie eine Transformation gelingen kann.

„Wir rechnen mit rund 100 Milliarden Euro, um allein die europäische Rohstahlproduktion aus Eisenerz auf Klimaneutralität umzustellen“, erklärt Akio Ito, Partner von Roland Berger, in einer Mitteilung der Beratungsgesellschaft. Allerdings könnte selbst diese Summe zu niedrig angesetzt sein, da die weltweite Produktion wächst. Müssten die Unternehmen die Investitionen alleine tragen, wären sie nicht mehr konkurrenzfähig – sofern sie die Transformation überhaupt finanzieren könnten, warnt Akio Ito.

Wettbewerbsfähigkeit der Produkte steht auf dem Spiel

Die Frage nach der richtigen technologischen Lösung für eine umfassende CO2-Reduktion sieht man beim Consultant noch nicht abschließend beantwortet. So könnte der Ausstoß des Treibhausgases durch eine Kombination von CO2-Speicherung und teilweisem Einsatz von Biomasse im Hochofen zwar reduziert, allerdings nicht auf null gesenkt werden. Andere Optionen wie die Plasma-Direktstahlerzeugung oder elektrolytische Reduktionsverfahren befänden sich in einem sehr frühen Entwicklungsstand.

„Wir haben verschiedene Verfahren auf ihre technologische Verfügbarkeit, Realisierbarkeit in Großanlagen sowie die wirtschaftliche Tragfähigkeit hin untersucht“, sagt Bernhard Langefeld, Partner bei Roland Berger. Wasserstoffbasierte Direktreduktion sei wohl am weitesten entwickelt und für das Klima am sinnvollsten. Allerdings benötige sie sehr viel Energie. „Der Gesamtenergiebedarf für eine klimaneutrale Stahlproduktion beläuft sich auf circa 120 Terawattstunden pro Jahr", erläutert Langefeld. Zum Vergleich: Momentan ist die weltweit größte Anlage zur Wasserstoff-Elektrolyse in Hamburg geplant. Sie erzeugt bei optimalem Betrieb nicht einmal ein Hundertstel des Jahresbedarfs.

Den Aufbau dieser Kapazitäten an Wasserstoffelektrolyse aus erneuerbaren Energien sowie entsprechender Direktreduktionsöfen kann die Stahlindustrie nach Ansicht von Roland Berger nicht umsetzen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Endprodukte zu riskieren. Deshalb sei politische Unterstützung nötig, damit es nicht zur Produktionsverlagerung in Länder mit billiger Energie und weniger Regulierung komme. Das würde schließlich bedeuten, dass die Stahlproduktion weltweit klimaschädlich bleibt. Die EU sollte, so folgern die Studienautoren, sicherstellen, dass importierter Stahl und Stahlprodukte in Zukunft die gleichen regulatorischen Anforderungen erfüllen wie inländische Produkte oder entsprechend besteuert werden.

Weiter sollte es Steuererleichterungen, Subventionen und Finanzierungen geben, die den Stahlproduzenten den Umstieg ermöglichen. Da die finanziellen Folgen von Covid-19 die Stahlunternehmen auf Jahre belasten könnten, hält Akio Ito auch Konjunkturpakete für Grünen Stahl für sinnvoll.

Die Studie The future of steelmaking – How the European steel industry can achieve carbon neutrality   kann auf der Internetseite von Roland Berger heruntergeladen werden.

 
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Mittwoch, 29.04.2020, 14:07 Uhr