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Enerige & Management > ITea - Konkurrenz um das 450-MHz-Funknetz
Bild: itestroorig / Fotolia
ITEA:
Konkurrenz um das 450-MHz-Funknetz
Ob die Energiewirtschaft eine Lizenz für das 450-MHz-Funknetz tatsächlich bekommt, steht noch nicht fest. Sie hat die Zuteilung jedoch fest im Visier.
 
Die 450-MHz-Frequenz ist heiß begehrt. Die Energiewirtschaft sieht darin die ideale Grundlage für die Kommunikation im Smart Grid und eine schwarzfallfähige Funklösung in Krisensituationen. Doch auch die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), zu denen beispielsweise die Bundespolizei und die Geheimdienste gehören, sowie die Bundeswehr haben offiziell Bedarf angemeldet. Nun steht eine politische Entscheidung über die weitere Nutzung des 450-MHz-Bandes an.

Zwar ist die Bundesnetzagentur die zivile nationale Behörde für die Verwaltung von Funkfrequenzen − aber eben nur die zivile. „Erst wenn entschieden ist, dass das 450-Megahertz-Frequenzband auch zivil genutzt werden soll, haben wir etwas zuzuteilen und zu verwalten“, sagte ein Sprecher der Bonner Behörde im Gespräch mit E&M. Es könnte allerdings auch statt einer exklusiven Nutzung zu einer gleichberechtigten Zuweisung an mehrere Bedarfsträger kommen.

Wann die Lizenz, die bisher bis zum 31. Dezember 2020 befristet ist, neu vergeben wird, steht noch nicht fest. Es sei jedoch nicht sinnvoll, ein Vergabeverfahren nur auf Verdacht zu konzipieren. Wenn aber einmal die Entscheidung gefallen sei, werde die Behörde „zügig“ aktiv werden. Die Details der Vergabe regelt das Telekommunikationsgesetz. Dieses sieht beispielsweise die Möglichkeit einer Versteigerung vor, sollte die Zahl der Bewerber die Zahl der Lizenzen übersteigen.

„Es gibt aber auch die Option eines Beauty Contests“, so der Behördensprecher.
Alleiniger Lizenznutzer ist derzeit noch „450connect“, eine Tochtergesellschaft des niederländischen Strom- und Telekommunikationsnetzbetreibers Alliander. Daneben hat sich unter Federführung der Bonn-Netz GmbH die Versorger-Allianz 450 als Verein konstituiert, der nach eigenen Angaben mehr als 120 Energie- und Wasserversorgungsunternehmen aus ganz Deutschland repräsentiert − Unternehmen verschiedener Größe, die zum Teil selbst Telekommunikationstöchter haben. Daraus soll ein Joint Venture hervorgehen, das sich um eine 450-MHz-Lizenz bewirbt.
 
Versorger-Allianz hat sich als Verein konstituiert
 
Bisher habe die Bundesnetzagentur in Ausschreibungen neben Sachkenntnis und einem tragfähigen Nutzungskonzept immer gefordert, der Lizenznehmer müsse eine stabile gesellschaftsrechtliche Verfassung haben, sagt Wolfgang Schmitz. „Wir können deshalb mit der Gründung des Unternehmens nicht warten, bis das Zuteilungsverfahren beginnt“, so der Geschäftsführer der K.Group, die die Kommunalen auf ihrem Weg zur Lizenz beratend begleitet. Dementsprechend soll noch in diesem Jahr die Versorger-Allianz 450 GmbH offiziell starten. Deren Partner und Anteilseigner werden dann auch die Investitionen für das 450-MHz-Netz tragen. Als Gesamtsumme stehen 250 bis 350 Mio. Euro für die Jahre 2020 bis 2023 im Raum.

Für den Aufbau und Betrieb des Netzes wird sich die Gesellschaft einen Partner mit ganz spezifischem Know-how über den 450-MHz-Mobilfunk ins Boot holen, während der Verein dann die Rolle eines Beirats übernimmt, der beispielsweise die Vorstellungen seiner Mitglieder bei der Entwicklung von Kommunikations- und Dienstleistungsprodukten einbringt.

„Denn wir wollen Lizenzinhaber werden und Produkte und Dienstleistungen anbieten, die auch für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben relevant sind“, sagt Theo Waerder. Notfallkommunikation oder Mobilfunkkommunikation im Schwarzfall − das seien sowohl für die Energiewirtschaft als auch für Sicherheitsorgane wichtige Themen. „Wir können uns sehr gut eine entsprechende Kundenbeziehung vorstellen“, so der Initiator der Versorger-Allianz und Geschäftsführer der Bonner Netzgesellschaft.

In einem Gespräch mit E&M im vergangenen Herbst hatte Waerder noch kategorisch ausgeschlossen, die 450-MHz-Lizenz weiter zu vermarkten. Ein Kommunikationsnetz von der Energiewirtschaft für die Energiewirtschaft war der Ansatz. Im Grunde sei das auch jetzt noch so. Als Telekommunikationsanbieter für Haushalte und Gewerbe werde man garantiert nicht auftreten, betont der Vorsitzende der Versorger-Allianz. Bei den Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sei das etwas anderes. Denn genau wie diese verstünden sich die Energieunternehmen als Träger der öffentlichen Ordnung. Und außerdem seien einige von ihnen schon eng mit den kommunalen Unternehmen verbunden wie etwa die Berufsfeuerwehr Bonn, die als eigenes städtisches Amt beim Eigentümer der Stadtwerke angesiedelt ist.

Die Versorger-Allianz ist angetreten, um zu zeigen, dass das 450-MHz-Netz die ideale Lösung zur Anbindung intelligenter Messsysteme im Smart Grid ist und dass es für die Betreiber kritischer Infrastrukturen keine wirkliche Alternative zu dieser schwarzfallfähigen, vom öffentlichen Mobilfunknetz entkoppelten Kommunikationstechnologie gibt. Mittlerweile herrscht in der Energiewirtschaft ein breiter Konsens, dass die Branche die Frequenz benötigt. Deshalb will die Versorger-Allianz auch allen Stadtwerken, nicht nur den Mitgliedern des eigenen Vereins, deren Nutzung ermöglichen.
 
Frederik Giessing: „Wir haben ein gemeinsames Ziel“
 
Wie das Modell genau aussieht, wo die Chancen und Risiken liegen und welcher Zeitplan für die Gründung der Netzgesellschaft vorgesehen ist, ist den Unterlagen zu entnehmen, die auf der Internetseite des Stadtwerkevereins zur Verfügung stehen.

Frederik Giessing kennt natürlich die Initiative der Bonner Netzgesellschaft. „Wir haben ja ein gemeinsames Ziel“, sagt der Geschäftsführer von 450 Connect. Von unüberbrückbaren Gegensätzen oder erbitterter Konkurrenz könne nicht die Rede sein. Der Bedarf der Branche stehe im Vordergrund und sie müsse sich die Lizenz sichern. Das habe auch das Positionspapier von BDEW und VKU vom April noch einmal unterstrichen, bei dessen Erstellung es eine Zusammenarbeit mit der Versorger-Allianz gegeben habe.

Die Internetseite der deutschen Tochtergesellschaft des niederländischen Strom- und Telekommunikationsnetzanbieters Alliander weist derzeit neun Verteilnetzbetreiber als Kunden aus, mit denen das Unternehmen jeweils ein regionales 450-MHz-Netz aufbaut. Mehr als 20 % der Fläche Deutschlands decke die Kooperation mittlerweile ab, heißt es dort. „Es sind keine Piloten mehr“, stellt Giessing klar. Die Netze seien im Wirkbetrieb, entweder vollständig wie in Düsseldorf oder als Teilnetze wie etwa bei EWE in Oldenburg. Das Know-how und die Erfahrungen aus diesen Projekten sieht er als wichtiges Pfund, mit dem 450 Connect bei der Bewerbung um eine erneute Zuteilung der Lizenz wuchern kann.

Bei den neun regionalen Netzen soll es nicht bleiben. Die Planung sei auf ein nationales Netz ausgerichtet, auch wenn jetzt erst einmal der Ausbau mit „Ankerkunden“, die einen hohen Bedarf angezeigt hätten, begonnen habe, sagt Giessing. Auch er und seine Kollegen wollen das Netz nicht nur für die Energiewirtschaft errichten, sondern Unternehmen und Organisationen mit kritischen Kommunikationsanforderungen ebenfalls Zugang gewähren.
Somit gibt es doch eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit der Versorger-Allianz. Nach Giessings Überzeugung gehe es in erster Linie ohnehin nicht darum, auf Gegensätzen herumzureiten, sondern sich als Energiewirtschaft gemeinsam um die Lizenz zu bemühen. 

 
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Donnerstag, 04.07.2019, 08:24 Uhr