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Bild: Fotoliacom, Stefan Rajewski
IT:
Krisenfest zu jeder Zeit
Der BDEW hat eine digitale Agenda veröffentlicht, in welcher der Verband ein exklusives Kommunikationsnetz für die Energiewirtschaft fordert.
 
Handlungsfelder, Instrumente und Handlungsempfehlungen – das sind die wesentlichen Kapitel eines Dokumentes mit dem Titel „Die digitale Energiewirtschaft - Agenda für Unternehmen und Politik“, das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kürzlich veröffentlicht hat. Im Vorwort nennt Stefan Kapferer, der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, als Ziel: „Handlungsempfehlungen und konkrete Ansätze für Unternehmen und Politik zu benennen, wie die beschriebenen Herausforderungen und Potenziale angegangen werden können.“

Es geht um das wachsende Datenvolumen, das Unternehmen in der Energiewirtschaft erheben und verarbeiten müssen, um die zunehmende Vernetzung von Anbietern und Nachfragern über digitale Kommunikationskanäle, aber auch um die Vernetzung im Smart Home. Die Autoren werfen unter anderem einen Blick auf den Wandel der verschiedenen Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft, auf denen nun virtuelle Kraftwerke, Direktvermarkter, Speicherbetreiber oder auch Kunden als so genannte Prosumer auftreten.

Die politischen Botschaften am Ende des 45-seitigen Dokumentes sind eher allgemein formuliert; so solle beispielsweise ein enger Informationsaustausch zwischen dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und den Betreibern kritischer Infrastrukturen gewährleisten, dass Bedrohungslagen schnell erkannt werden können. Auch Anmerkungen zur Sammlung und Speicherung von Daten oder zu den Marktrollen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für neue Geschäftsmodelle bleiben eher an der Oberfläche.

Energiewirtschaft soll Mobilfunknetz selbst betreiben
 
Konkret wird es allerdings, wenn es um die Kommunikation im intelligenten Netz geht. „Die sehr spezifischen Anforderungen zum Beispiel an Verfügbarkeit oder IT-Sicherheit können in den Mobilfunknetzen der großen öffentlichen Mobilfunkprovider nicht umgesetzt werden", schreiben die Autoren der digitalen Agenda. Deshalb spricht sich der Verband für die Nutzung des 450-MHz-Bandes aus, „denn am Markt sind aktuell keine Telekommunikationsdienstleistungen verfügbar, die den Anforderungen der Branche im Hinblick auf Verfügbarkeit, Stabilität, Sicherheit und Funktionalität hinreichend genügen“, so ein BDEW-Sprecher gegenüber E&M.

Eine Lizenz für dieses Mobilfunknetz, das auch als LTE 450 bezeichnet wird, besitzt die Deutsche Telekom. Über zwei weitere verfügt die Firma Inquam. Das Unternehmen mit Sitz in Köln rührt auf seiner Internetseite bereits seit einiger Zeit kräftig die Werbetrommel für die Nutzung der Technologie in der Energiewirtschaft.

„LTE 450 ist eine mögliche Technologie, um ein Smart Grid in der Fläche und sogar um ein separates Funknetz für die gesamte Energiewirtschaft über alle Infrastrukturen hinweg aufzubauen“, erklärte Peter Berger, Business Development Manager Energie bei der Digital Division der T-Systems International. Er betonte allerdings, dass dies allein für die Anbindung von intelligenten Messsystemen nicht unbedingt notwendig wäre. Deshalb schlussfolgerte er: „Treiber für LTE 450 können nur die Smart-Grid-Anwendungen insgesamt sein und der Wunsch der Energiebranche, ein separiertes, sicheres Kommunikationsnetz für kritische Infrastrukturen zu haben.“
 
Keine Kosten in Milliardenhöhe
 
Diesen Wunsch hat der BDEW nun noch einmal deutlich formuliert. Die Energiewirtschaft soll nach den Vorstellungen des Verbandes das Mobilfunknetz jedoch selbst betreiben. Ein entsprechendes Modell hat er bereits der Bundesnetzagentur vorgestellt. Demnach könnte diese einem noch zu gründenden „Forum Smart Grid Kommunikation“ eine Lizenz zuteilen. Dieses Forum, das keine Gewinnerzielungsabsicht hätte, wäre offen für Unternehmen aus der Energiewirtschaft. „Das Modell stellt sicher, dass alle Akteure in der Energiewirtschaft diskriminierungsfrei Zugang zu dem Mobilfunknetz haben“, so der BDEW-Sprecher. Weiter heißt es in dem Papier: „Das Forum ermittelt im Rahmen einer wettbewerblichen Ausschreibung einen Network Service Provider. Dieser hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen beauftragt er einen Radio Network Operator, welcher die Planung und den Aufbau sowie den späteren Betrieb des Netzes übernimmt. Zum anderen vermarktet der Network Service Provider die durch den Radio Network Operator bereitgestellten Mobilfunkkapazitäten an verschiedene spezialisierte Service Provider. Die einzelnen Service Provider bieten den Kunden der Energiewirtschaft dann konkrete anwendungsspezifische Kommunikationslösungen, beispielsweise den Messstellenbetrieb, an.“

Eine Versteigerung der Lizenzen, bei der die Preise wie bei anderen Frequenzen in die Milliarden gehen, würde es nicht geben, sondern eine kostenlose Zuteilung an die Energiewirtschaft, ähnlich wie bei der Frequenzzuteilung an Feuerwehr und Polizei. Über die letztlich anfallenden Kosten insgesamt kann der Verband noch keine Aussage treffen. Aber auch wenn es Hardware und IT-Sicherheit nicht zum Nulltarif geben wird, dürften sie zumindest so überschaubar ausfallen, dass sie noch in den regulatorischen Rahmen hineinpassen.

Seit Oktober 2015 liegt das Positionspapier des BDEW zum Betreibermodell auf dem Tisch. Darin eingeflossen sind auch Erkenntnisse und Erfahrungen der Energiewirtschaft in Österreich und in den Niederlanden. Dort nutzt bereits der Verteilnetzbetreiber Alliander das 450-MHz-Band, weitere sollen folgen. Den Auftrag für den Aufbau und den Betrieb des Netzes hat das Unternehmen an den niederländischen Telekommunikationskonzern KPN erteilt. In Österreich sind die Lizenzen bis Ende 2029 an Kapsch CarrierCom und argoNET vergeben.

Der BDEW hat sein Betreibermodell gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen entwickelt. Auch der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik hat ein Positionspapier zum Thema Kommunikationsnetz für das Smart Grid erstellt, in dem die Eigenschaften von LTE 450 beschrieben werden. Vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der ebenfalls große Teile der Energiewirtschaft repräsentiert, war jedoch keine Stellungnahme zum Vorstoß der Kollegen zu bekommen. Auf Anfrage von E&M hieß es, eine VKU-Positionierung dazu gebe es nicht.

Inzwischen sind schon Tests des 450-MHz-Bandes hierzulande in Vorbereitung. Im Rahmen des Forschungsvorhabens Designetz unter der Leitung von RWE werden die Deutschen Telekom und Voltaris im Saarland vermutlich gegen Ende dieses Jahres ein entsprechendes Demonstrationsprojekt starten. Ziel des BDEW ist letztlich jedoch ein flächendeckendes 450-MHz-Netz für die Energiewirtschaft, zu der zahlreiche Betreiber kritischer Infrastrukturen gehören. „Die Anforderungen an ein Kommunikationsnetz für Smart-Grid- und Smart-Meter-Anwendungen, wie zum Beispiel im Messwesen, in der Netzsteuerung und bei der Integration dezentraler Netzelemente wie EEG-Anlagen, müssen in ganz Deutschland erfüllt sein und nicht nur in ländlichen Gebieten, in denen heute immer noch teilweise eine unzureichende Mobilfunkabdeckung besteht“, erklärt der Sprecher. „Einen punktuellen Ausbau halten wir nicht zielführend. Aber aus praktischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird der Ausbau nicht auf einen Schlag flächendeckend möglich sein, sondern wird gestaffelt erfolgen müssen. Oberstes Ziel ist eine sichere und krisenfeste Kommunikationsinfrastruktur.“

 
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Freitag, 17.06.2016, 10:20 Uhr