• Notierungen im Steigen
  • Energiemärkte zeigen sich weiter fest
  • Stufenweiser Smart Meter Rollout geht weiter
  • Neue Allianz fordert 500 Euro Energiewende-Prämie
  • Kabinett beschließt Etat 2022 und Klimaschutzgesetz mit Lücken
  • EnBW verkauft Start-up Twist Mobility
  • Stadtwerke Bochum erfüllen Unternehmensziele
  • EnBW will bis 2025 rund 180 Mio. Euro einsparen
  • Die Marktmacht von RWE wächst
  • Sieben Empfehlungen zum Gelingen der Energiewende
Enerige & Management > Smart Meter - Kritische Masse erforderlich
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
Kritische Masse erforderlich
Deutschlands Energieversorger müssen davon ausgehen, dass sie schon bald zum Roll Out von Smart-Metern verpflichtet werden. Die Unternehmen sollten sich dieser Herausforderung nicht alleine stellen. Sie sollten sich Partner suchen - und zwar am besten jetzt, meinen Björn Broda und Frank Siegmund*.
 
Laut Koalitionsvertrag will die Bundesregierung noch dieses Jahr einen verlässlichen Rahmen für den Einsatz von intelligenten Zählern und Messsystemen schaffen. Die Kosten-Nutzen-Analyse von Ernst & Young im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) entwirft ein Szenario, bei dem die Wirtschaftlichkeit des Roll Out gewährleistet sein soll. Die Marktakteure sind sich jedoch einig, dass die Erlöse die Kosten nicht decken werden. Unumstritten ist: Die erforderlichen Investitionen sind immens. Für jedes EVU stellt sich daher die Frage: Wie kann der Roll Out möglichst effizient gestaltet werden?

Effiziente Kostenstruktur erst bei einer Million Messsystemen

Die zwei wesentlichen Kostenpositionen für den Roll Out sind die Anschaffung der Zähler-Hardware und die Abwicklung des gesicherten Datenverkehrs über das so genannte Gateway. In beiden Fällen spielen Skaleneffekte eine bedeutsame Rolle: Mit zunehmender Organisationsgröße lassen sich zusätzliche Einkaufsvorteile realisieren und eine stärkere Degression der Fixkosten herbeiführen. Die Beschaffung von Zähler-Hardware kann vergleichsweise einfach durch Einkaufsnetzwerke umgesetzt werden. Komplexer ist die Situation beim Gateway-Administrator. Dieser nimmt eine zentrale Rolle ein. Als vertrauenswürdige Instanz konfiguriert, überwacht und steuert er das Messsystem. Für diese neue Marktrolle ist der jeweilige Messstellenbetreiber verantwortlich. Aufgrund der hohen Fixkosten kann eine effiziente Kostenstruktur, die eine Mindestrendite erlaubt, aber erst bei ungefähr einer Million intelligenten Messsystemen erreicht werden. Dies ist Ergebnis eines Projektes, das im Rahmen der Thüga-Gruppe durchgeführt wurde. Zugrunde liegen konkrete Kostenbewertungen auf Einzelpositionsebene. Bei am Markt noch nicht bekannten Preisen für Faktoren/Leistungen basieren sie auf bestmöglichen Schätzungen, während die Erlöse auf den Annahmen der Kosten/Nutzen-Analyse des BMWi beruhen. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesnetzagentur (BNetzA) eine solche effiziente Kostenstruktur zugrunde legt und den Messstellenbetreibern nur einen entsprechend niedrigen Kostenbetrag erstatten wird.
Die wenigsten Versorger verfügen jedoch über die erforderliche Anzahl an Messpunkten, um eine solche Kostenstruktur zu erreichen. Unter diesen Rahmenbedingungen an einer Einzellösung zu arbeiten, birgt daher hohe Risiken. Es drohen Fehlinvestitionen und die unnötige Bindung von Personal- und IT-Kapazitäten.

 
Von der Kosten/Nutzen-Analyse des BMWi abweichendes Kostenmodell der Thüga. Der Preisansatz für die Abrechnung pro Messystem entspricht der Kalkulation der Nutzen/Kosten-Analyse für die Form einer Papierrechnung im Zeitraum 2011 (14,25 Euro) bis 2032 (7,12 Euro)
Grafik: Thüga



Trotz Kosten/Nutzen-Analyse und Koalitionsvertrag besteht weiterhin Unsicherheit über die endgültigen rechtlichen Rahmenbedingungen. Entsprechend zurückhaltend zeigt sich die breite Masse der Versorger, wenn es darum geht, die Funktion eines Gateway-Administrators zu übernehmen oder aktiv Kooperationsmodelle zu entwickeln. Diese abwartende Haltung scheint bislang nicht die schlechteste Wahl gewesen zu sein. Lässt sich doch die Frage, welche Partner hinreichend groß sind, um im Markt zukünftig effizient anbieten zu können, aktuell nur schwer beantworten.
Zehn Unternehmen sieht die Kosten/Nutzen Analyse das BMWi in der Rolle des Gateway-Administrators im empfohlenen Szenario. Für 15,8 Mio. intelligente Messsysteme würden diese im Jahr 2032 den Datenverkehr abwickeln. Das diese Kalkulation noch nicht in Stein gemeißelt ist, lassen indessen die jüngsten Ankündigungen von Sigmar Gabriel erahnen. Der neue Wirtschaftsminister hat deutlich gemacht, dass er der Frage nach der Bezahlbarkeit der Energiewende künftig stärkere Beachtung schenken will.
Auch vor diesem Hintergrund hat der VKU dem BMWi Empfehlungen zum geplanten Rollout vorgelegt. Unter anderem wird darin ein Verzicht auf intelligente Messsysteme bei Messpunkten mit einem Jahresverbrauch unter 6 000 kWh empfohlen. Damit würden die meisten Neubauten und Renovierungen von der Einbaupflicht ausgenommen. Hätte der Vorstoß Erfolg, würden zukünftig über 40 Prozent weniger Zählpunkte die Dienste eines Gateway-Administrators benötigen. Hinter den Kulissen wird sogar schon über eine 10 000 kWh-Grenze diskutiert. Dies würde die Gesamtinvestitionen in Smart Meter senken, jedoch das Erreichen der für den effizienten Gateway-Betrieb erforderliche Masse weiter erschweren.

Jetzt mit der Partnerauswahl beginnen

Will man den vom Markt für 2016 erwarteten Start gewährleisten, muss die Frage nach dem Gateway-Administrator zeitnah beantwortet werden. Alleine die Konzeptionsphase, die Prozess- und die IT-Implementierung werden je nach Versorger deutlich über ein Jahr in Anspruch nehmen. Dazu kommen umfangreiche Tests und Feldversuche. Beachtet werde sollte, dass es sich um eine langfristige Entscheidung mit hoher Kostenrelevanz handelt. Spätere Wechsel wären wegen der dann notwendig werdenden Anpassung zahlreicher Prozesse aufwendig.
Wichtiges Entscheidungskriterium ist die Kosteneffizienz. Kann der Partner ausreichend Messpunkte in dem erst entstehenden Markt auf sich vereinen? Wird es ihm leichter fallen, die von der BNetzA kalkulierten Kostenansätze zu erreichen? Hat der Partner die nötige Finanzkraft, um die Umsetzung zu realisieren und dauerhaft am Markt zu bestehen? Ebenso ist technische Kompetenz notwendig, um die komplexen Anforderungen umzusetzen. Der Verlust von wenigen IT-Spezialisten kann bei kleinen Anbietern zu ernsten Problemen führen.
Für einige EVU kann es wertvoll sein, eine gleichberechtigte Partnerschaft einzugehen. Diese erhöht die Mitbestimmung, steigert aber gleichzeitig den Abstimmungsaufwand und erhöht die gegenseitige Abhängigkeit. Nicht zuletzt ist das Unternehmensverständnis ein Schlüssel zum Erfolg. Große Versorger wie Eon und EnBW arbeiten bereits an eigenen Lösungen, die speziell auf ihr Geschäftsmodell fokussiert sind. Anforderungen von kleineren und mittleren Standwerken können sich davon unterscheiden. Ebenso ist das Branchenverständnis wichtig. Anbieter aus dem Telekommunikationssektor legen möglicherweise andere Schwerpunkte. Schließlich spielt die Risikoverteilung eine entscheidende Rolle. Kann der Partner vertraglich zusichern, dass die Kosten langfristig durch regulierte Preise gedeckt werden? Andernfalls droht dem EVU das Risiko eines permanenten Defizits.
Die Vielzahl an Kriterien zeigt klar: Eine zeitnahe detaillierte Prüfung ist unabdingbar. Die EVU sollten deshalb jetzt aufeinander zugehen und Kooperationsmöglichkeiten ausloten.
 
* Björn Broda, Leiter der Stabsstelle Unternehmensstrategie, M&A Projekte und Nachhaltigkeit; Frank Siegmund, Leitung strategischer Projekte, Mainova AG, Frankfurt

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 20.03.2014, 15:22 Uhr