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Enerige & Management > Smart Meter - "Man kann noch nicht von marktnahen Produkten sprechen"
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
"Man kann noch nicht von marktnahen Produkten sprechen"
Für Netz- und Messstellenbetreiber wird 2016 das Jahr der Vorbereitung auf den Smart Meter Rollout. Es hakt jedoch noch an einigen Stellen, wie Uwe Heuert und André Lange* erläutern.
 
E&M: Herr Lange, Sie betreiben mit der Hochschule Merseburg ein Prüflabor für Smart Meter. Ist das für einen Netzbetreiber nicht ungewöhnlich?

Lange: Keineswegs. Als Verteilnetz- und Messstellenbetreiber haben wir die Aufgabe, Smart Meter Gateways und moderne Messeinrichtungen im Netz zu verbauen und die Rolle des Smart Meter Gateway Administrators zu erfüllen. Wir müssen in der Lage sein, einwandfrei funktionierende Messsysteme bei unseren Kunden zu installieren. Zudem sollen die Geräte einen wichtigen Beitrag zum Smart Grid leisten.

E&M: Aber zunächst sollen doch intelligente Messsysteme bei größeren Verbrauchern und bei Erzeugern ausgerollt werden.

Lange: Technisch gesehen, ist es unerheblich, wie groß der Verbrauch des Kunden ist. Für uns ist zunächst das Gateway entscheidend. Es geht um Datentransfer und Datensicherheit und um Interoperabilität. Können wir Zähler verschiedener Hersteller an ein Gateway anschließen und können wir Gateways verschiedener Hersteller an unser Gateway-Administrationssystem anschließen? Diese Fragen stehen für uns im Mittelpunkt.
 
Prof. Uwe Heuert: „Wenn man jenseits der Hochglanzbroschüren auf die technischen Details schaut, dann erweisen sich die Bedenken als gerechtfertigt“
Bild: Hochschule Merseburg


E&M: Haben Sie ernsthafte Bedenken, die Technologie könnte nicht funktionieren?

Heuert: Wenn man jenseits der Hochglanzbroschüren auf die technischen Details schaut, dann erweisen sich die Bedenken als gerechtfertigt. Ein Rollout erscheint da noch weit entfernt. Als Prüfer mussten wir feststellen, dass der Optimismus, den die Community bisher in Sachen Smart Meter Rollout an den Tag gelegt hat, tatsächlich unangebracht ist. Der 1. Januar 2017 als Rollout-Termin ist extrem sportlich.

E&M: Wo hakt es noch?

Heuert: An den eigentlichen Zählern nicht. Die Hersteller sind auf einem guten Weg. Wir können davon ausgehen, dass 2016 marktreife Geräte angeboten werden, die problemlos mit einem Smart Meter Gateway kommunizieren können. Das liegt vor allem an der guten Arbeit der in der Standardisierung tätigen Verbände. Das FNN (Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE; Anm. d. Red.) hat eine entsprechende Spezifikation erarbeitet. Beim Gateway ist dagegen hinsichtlich der Spezifikation noch einiges zu klären. Daher kann man hier noch nicht von marktnahen Produkten sprechen. Derzeit befinden sich neun Gateway-Hersteller im Zertifizierungsprozess beim BSI. Das klingt zunächst einmal nicht schlecht. Aber das heißt noch lange nicht, dass die Implementierung der Gateways auch reibungslos verlaufen wird.

E&M: Können Sie die Gateways dann überhaupt prüfen?

Heuert: Ja, wir können das. Aber noch nicht alle vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; Anm. d. Red.) zugelassenen Zertifizierer können das, weil sie zum Teil noch nicht die notwendigen Prüfmittel haben…

E&M: …, die Sie ihnen zur Verfügung stellen könnten?

Heuert: Ja. Wir stehen in engem Kontakt mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt als zuständiger Behörde und beispielsweise dem TÜV IT als vom BSI beauftragten Zertifizierer. Vertreter von beiden waren schon hier und haben sich angesehen, was wir machen.

E&M: Immer wieder ist zu hören, Defizite in der Marktkommunikation seien ein ganz drängendes Problem. Können Sie vor diesem Hintergrund vernünftige Tests durchführen?

Lange: Wir haben mit dem Smart Meter Gateway-Administrator eine neue Rolle im Markt – wobei man sich streiten kann, ob es eine Funktion beim Messstellenbetreiber oder eine eigene Rolle im Markt ist. Die Prozesse, über die der Administrator in den Markt eingebunden ist und die implizit aus den Vorgaben des BSI hervorgehen, sind im Detail noch nicht spezifiziert. Aber wir können heute mit dem Prüflabor die Welt zwischen Zähler und Gateway und zwischen Gateway und Gateway-Administrator oder Gateway und Lieferant sowie weiteren externen Marktteilnehmern untersuchen. Was sich zwischen Gateway-Administrator und Lieferant oder Netzbetreiber abspielt, noch nicht. Beispielsweise ist noch nicht spezifiziert, wie ein Lieferant seinen neuen, hochflexiblen Tarif beim Administrator hinterlegen kann.
 
André Lange: „Es ist noch nicht spezifiziert, wie ein Lieferant seinen neuen, hochflexiblen Tarif beim Administrator hinterlegen kann“
Bild: Mitnetz Strom


Heuert: Eine ganze Reihe „echter“ Prozesse der EVU lässt sich noch nicht abbilden. Man kann proprietäre Lösungen für eine Übergangszeit schaffen. Aber für einen flächendeckenden Regelbetrieb muss definiert sein, welche Daten die Marktpartner austauschen können und wie sie das machen.

E&M: Ist das eine Frage der Protokolle?

Lange: Bei der Kommunikation zwischen Gateway und Gateway-Administrator sowie externen Marktteilnehmern hat das BSI nur die aktuell sichersten Algorithmen zugelassen, die nun bei den Gateways und Gateway-Administratorsystemen implementiert werden müssen. Das ist aber gar nicht so einfach, da die geforderten Algorithmen bis vor kurzem in Standard-Kryptografie-Bibliotheken noch gar nicht verfügbar waren. In der Marktkommunikation hingegen werden heute Nachrichten im EDIFACT-Standard übertragen, meist in Form signierter und verschlüsselter E-Mails. Diese landen in einer Mailbox. Momentan ist das vielleicht noch in Ordnung, wenn eine solche Mail erst ein paar Stunden später verarbeitet wird. In Zukunft ist teilweise eine sofortige Rückmeldung des Gateway-Administrators notwendig. Viele Prozesse mit dem Gateway-Administrator müssen deshalb hochautomatisiert und zeitnah ablaufen. Die Datensicherheit der Kommunikation zwischen den Marktpartnern muss dasselbe Niveau wie die Datensicherheit der Kommunikation der Gateways zum Gateway-Administrator haben.

E&M: Seit wann ist das Prüflabor operativ?

Heuert: Wir arbeiten seit etwa vier Monaten sehr intensiv an der Prüfung von Zählern und Gateways. Bei den Gateways bereitet allerdings auch die Kommunikationsanbindung noch Probleme. Denn sie werden nach wie vor in den Zählerschrank eingebaut, wo normalerweise kein DSL-Endpunkt liegt und Mobilfunk nicht optimal erreichbar ist.

E&M: Es gibt Überlegungen, ein 450-MHz-Netz zu nutzen …

Heuert: Egal welche Frequenz man nutzt, grundsätzlich ist es immer problematisch, wenn man auf Empfang im Keller angewiesen ist. Aber auf jeden Fall sind langwellige Funktechniken für die letzte Meile wesentlich besser, weil sie tiefer in das Erdreich und den Keller eindringen können, als die vom Datendurchsatz höheren, aber stärker störanfälligen LTE-Frequenzen.

*Prof. Dr. Uwe Heuert, Professor für Rechnernetze und Virtuelle Instrumentierung, Hochschule Merseburg in Sachsen-Anhalt
André Lange, Abteilung Zählerwesen, Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (MITNETZ STROM), Halle (Saale)



Baustelle Marktkommunikation
Standardisierte Datenformate und Abläufe sind wesentliche Voraussetzungen für eine effiziente automatisierte Abwicklung von Geschäftsprozessen im Energiemarkt. Mehrere Verbände haben an der Erarbeitung und Weiterentwicklung solcher Standards mitgewirkt, die durch Festlegungen der Bundesnetzagentur – beim Gas durch die Regelungen zur sogenannten Kooperationsvereinbarung – für die Marktteilnehmer verbindlich wurden. Es geht dabei beispielsweise um Geschäftsprozesse zur Belieferung von Kunden, Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung oder Wechselprozesse im Messwesen. Für einen reibungslosen Rollout und effizienten Einsatz von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen ist es notwendig, die Daten- und Prozessstandards, die die Marktkommunikation definieren, anzupassen.
Für die Zähler, die zu den Kunden ausgerollt werden sollen, hat das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Verband Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) eine Reihe von technischen Spezifikationen erarbeitet und Lastenhefte vorgelegt. So sind z.B. funktionale Merkmale definiert, etwa wie netzbetriebsrelevante Daten erfasst werden können, oder bauliche Merkmale, die eine sichere und effiziente Installation gewährleisten sollen.

 
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Freitag, 08.01.2016, 09:37 Uhr