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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Mit göttlichem Segen
Bild: Fotolia.com, DeVIce
WINDKRAFT ONSHORE:
Mit göttlichem Segen
Wie und warum sich das Kirchliche Energiewerk, an dem der Regionalversorger Wemag beteiligt ist, für den Ausbau und die Akzeptanz der Windenergie in Mecklenburg-Vorpommern engagiert.
 
Wind gibt es im Einzugsgebiet der Evangelisch-Lutherischen Nordkirche, das sich über die drei Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern erstreckt, reichlich. Kein Wunder, dass dort auch einige Tausend Windenergieanlagen in Betrieb sind. Nicht wenige davon stehen auf Kirchenland.

Von den rund 1 000 Kirchengemeinden, so Thomas Schaack vom Landeskirchenamt in Kiel, verfügen mehr als 800 über eigene Flächen: zusammengerechnet etwa 78 000 Hektar. Der kleinere Teil befindet sich mit rund 13 000 Hektar in Schleswig-Holstein, dann folgt der Pommersche Evangelische Kirchenkreis (20 000 Hektar) und der größte Teil liegt im Kirchenkreis Mecklenburg (45 000 Hektar).

Und genau dort, im westlichen Teil des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, ist die Kirchliches Energiewerk GmbH mit Sitz in Schwerin im Jahr 2014 gegründet worden, um Grundstücke von Kirchengemeinden zu pachten und sie für eigene Windenergieprojekte bereitzuhalten.

„Es läuft gut“, sagt Gottfried Timm. Der studierte Theologe und ehemalige Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns war von der Gründung bis zum letzten Jahr Geschäftsführer des Kirchlichen Energiewerks, an dem auch der Schweriner Energieversorger Wemag mit 49 % beteiligt ist. „Zwei Windparks stehen in Kooperation mit Projektierungsgesellschaften kurz vor Baubeginn“, verrät Timm, „es fehlt jetzt nur noch die Baugenehmigung von den zuständigen Raumordnungsbehörden.“

„Einige vielversprechende Projekte sind 2018 weiterentwickelt worden“, bestätigt auch Wemag-Unternehmenssprecherin Diana Kuhrau. Dass der Regionalversorger am Kirchlichen Energiewerk beteiligt ist, erklärt sie so: „Wir als ökologisch ausgerichteter Energieversorger stehen dem zur Nordkirche gehörenden Kirchenkreis Mecklenburg partnerschaftlich zur Seite und beraten die Kirchengemeinden zu Fragen rund um Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität und Energieversorgung.“
 
Das Panorma passt: Kirche und Windkraft in Neubukow (Landkreis Rostock)
Bild: Andreas Birresborn

Das Energiewerk ist nicht die einzige kirchliche Institution im Nordosten, die im Windsektor engagiert ist. „Während sich das Energiewerk um die Bereitstellung der Flächen und um die Projektierung kümmert, stellt die vor einigen Jahren gebildete Kirchliche Stiftung für Klimaschutz im Kirchenkreis Mecklenburg Geld für Windturbinen zur Verfügung“, erklärt Timm. Die mit den Windenergieanlagen erzielten Gewinne werden, so der frühere Geschäftsführer weiter, für die Stiftungszwecke verwendet. Dazu zählen unter anderem die Förderung von kirchlichen, gemeinnützigen Klimaschutzprojekten und auch die Unterstützung von Partnerkirchen im afrikanischen Tansania.

Damit nehmen die Mecklenburger ein eigenes Klimaschutzgesetz, das sich die gesamte Nordkirche im Jahr 2015 auferlegt hat, selbstbewusst in die Hand. Dank der Windkrafteinnahmen sind im Westen Mecklenburgs die ersten Kirchengemeinden und zentrale Orte mit Ladesäulen ausgerüstet worden, um die Infrastruktur für eine grün-bewegte Mobilität anzubieten.

Auf die Akzeptanzsteigerung für die Windkraft kommt es an
 
Die Kirche ist damit ein wichtiger Akteur, um die Akzeptanz für Windkraft in der Bevölkerung zu stärken. Das gilt auch für den Kirchenkreis Vorpommern, in dessen Gebiet viel Unmut gegenüber der Windenergie herrscht. Wovon Manfred Hanse, Sachbearbeiter für Grundstücksangelegenheiten im Kirchenkreis mit Hauptsitz in Demmin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte), ein Lied singen kann: „Die Vorbehalte gegenüber der Windenergie haben in den vergangenen Jahren zugenommen.“

Der größte Teil des unveräußerlichen Kirchenlandes wird nach seinen Worten direkt von den Kirchengemeinden verpachtet. „Sie wählen die Pächter nach bestem Wissen und Gewissen aus. Dabei lassen sich die Gemeinden vom Gedanken der Schöpfungsbewahrung ebenso leiten wie von der Frage, ob der zukünftige Pächter auch in der Lage sein wird, die Pacht zu zahlen“, lässt Hanse durchblicken.

Was für die erneuerbare Energien spricht ebenso wie der Gedanke der Schöpfungsbewahrung. Deshalb verwundert es nicht, dass im Pommerschen Kirchenkreis mehr als zwei Dutzend Windenergieanlagen auf Grundstücken mehrerer Kirchengemeinden errichtet wurden, vier davon werden von der Kirchengemeinde Demmin selbst betrieben. Die Demminer Gemeinde erzeugt in Eigenverantwortung schon seit 1997 Windstrom und erwirtschaftet so zusätzliche Einnahmen für die Gemeindearbeit.

Neben der Windenergie kommt in der Kirchengemeinde Greifswald/Wieck auch die Photovoltaik zum Zug: Auf dem Dach der Bugenhagenkirche betreibt sie selbst zwei Solaranlagen und hat obendrein eine Fläche an den Betreiber einer Freilandanlage verpachtet. „Für solare Freilandanlagen gibt es aber bei uns den Grundsatz, dass sie nicht auf bewirtschaftetem Acker- oder Grünland, sondern nur auf Umland- oder Gewerbeflächen gebaut werden sollen“, bemerkt Sebastian Kühl, Pressesprecher des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises.

Die Kirche sei sich ihrer klimapolitischen Verantwortung schon bewusst, unterstreicht denn auch Thomas Schaack vom Kirchenamt in Kiel. Wie seine Mecklenburger Kollegen begrüßt er einen Umstieg auf erneuerbare Energien − um die Schöpfung zu bewahren. In vielen Gemeinden wird über Solarenergie oder andere Optionen erneuerbarer Energien diskutiert.

„Was künftig auf die kirchengemeindlichen Flächen zukommt, ist schwer zu prognostizieren, weil dies letztlich von den jeweiligen Beschlüssen der Kirchengemeinderäte abhängt“, will sich Pressesprecher Kühl aber nicht auf genaue Ausbauziele festlegen. Ganz abgesehen davon bestünden oftmals langjährige Pachtverträge mit Landwirten, an die die Kirche gebunden ist. „Außerdem setzen wir als Kirche“, so Kühl weiter, „auf eine gerechtere Verteilung von Gewinnen aus erneuerbarer Energieerzeugung, um damit auch die Akzeptanz für Windenergieanlagen in der Bevölkerung zu erhöhen.“

 
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Dienstag, 09.04.2019, 08:27 Uhr