• Erdgas setzt steile Aufwärtsbewegung fort
  • Strom, CO2 und Gas überwiegend fester
  • Widerstreitende Reaktionen aufs neue Klimaschutzgesetz
  • Kabinett beschließt Gesetzesnovelle mit Klimaneutralität bis 2045
  • Südlink jetzt komplett in der Planfeststellung
  • RWE Q1: Ergebnis geschrumpft, Prognose bekräftigt
  • MVV steigert Ergebnis
  • Verbund: Quartalsgewinn sinkt um 7,6 %
  • Engie verliert Steuervorteil
  • Enapter entwickelt AEM-Elektrolyseur der Megawattklasse
Enerige & Management > Bilanz - MVV Energie bleibt auf "Zukunfts-Kurs"
Bild: MVV
BILANZ:
MVV Energie bleibt auf "Zukunfts-Kurs"
Mit einem neuen Investitionsprogramm in Höhe von 3 Mrd. Euro wollen die Kurpfälzer ihre  Kernaktivitäten KWK, erneuerbare Energien und Energieeffizienz konsequent ausbauen.
 
Georg Müller wird sich über einen gut gefüllten Gabentisch freuen können. Bei der traditionell in der Adventszeit terminierten Vorstellung der Bilanzzahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr konnte der Vorstandschef von MVV Energie ein mit 175 Mio. Euro leicht gestiegenes operatives Ergebnis bei einem Umsatz von 3,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,7 Mrd. Euro) präsentieren. Für das bei den Kurpfälzern bereits angelaufene neue Geschäftsjahr stellte Müller, dem eine Jury die von Energie & Management initiierte Auszeichnung „Energiemanager des Jahres“ für das Jahr 2015 zuerkannt hat, eine Steigerung des operativen Gewinns zwischen 10 und 15 % in Aussicht. Wäre es in den zurückliegenden Monaten nicht zu Verzögerungen bei den beiden britischen Projekten gekommen, einer Müllverbrennungsanlage in Plymouth sowie dem Biomassekraftwerk Ridham Dock südöstlich von London, wären beim bundesweit einzig börsennotierten Stadtwerk die Zahlen noch besser ausgefallen.

Gleichzeitig kündigte Müller ein neues, 3 Mrd. Euro umfassendes
Investitionsprogramm für die kommenden zehn Jahre an, das „weitgehend aus eigenen Mitteln finanziert werden soll.“ Bereits vor der von der Berliner Politik nach dem Fukushima-Gau im Frühjahr 2011 offiziell ausgerufenen Energiewende hatte MVV Energie im Jahr 2009 ein erstes Drei-Milliarden-Investprogramm auf den Weg gebracht. „Neue Energie“ hieß dieses Programm, mit dem die eigenen Aktivitäten vor allem bei den erneuerbaren Energien und der Kraft-Wärme-Kopplung gestärkt werden sollten. 2,5 Mrd. Euro hat der Vorstand von MVV Energie bis heute bereits investiert oder fest verplant, im zurückliegenden Geschäftsjahr 2014/2015 allein die Rekordsumme von 470 Mio. Euro. Im Jahr davor waren es etwa 310 Mio. Euro gewesen. 

Mit dem neuen Programm investiert MVV Energie - im Durchschnitt über die kommenden zehn Jahre gesehen – also keine exorbitanten Summen, sondern setzt den eingeschlagenen Umbau- und Wachstumskurs fort. Was auch die eigentliche Botschaft ist: „Wenn wir könnten, würde wir gerne mehr investieren“, betonte Müller, „wir haben mehr Ideen als Geld.“ Auch für die nächste, bereits angelaufene Investitionsphase schloss Müller eine Beteiligung an einem Offshore-Windpark aus: „Die mit der Technologie verbundenen Risiken sind an unserer Auffassung nach wie vor zu hoch.“

Ausschreibungsvolumen für Onshorewind von mehr als 4 000 MW gefordert

Die 2009 eingeschlagene interne Wende trägt erste Früchte beim dem Zukunftsversorger (so der neue Brand), was sich leicht an den Bilanzzahlen ablesen lässt. „Rund ein Drittel unseres operativen Gewinns haben bereits die erneuerbaren Energien beigesteuert“, zeigte sich der Vorstandschef erkennbar zufrieden. Diese Quote dürfte im kommenden Jahr um einiges höher liegen. Im vergangenen Jahr hatte MVV Energie bekanntlich den insolventen Projektentwickler Windwärts Energie übernommen und sich mehrheitlich an der finanziell angeschlagenen juwi-Gruppe beteiligt. In den Sommermonaten hatten die Kurpfälzer diesen Anteil auf 63 % aufgestockt. „Für die kommenden Jahre erwarten wir, dass juwi einen zweistelligen Millionenbetrag zu unserem Ergebnis beisteuert“, prognostizierte Müller, „damit ist das Potenzial von juwi längst noch nicht ausgeschöpft.“

Was damit zusammenhängt, dass sich die Aufräumarbeiten in Wörrstadt langsam bezahlt haben. Hatte juwi sich zuletzt mit zahlreichen Aktivitäten unter anderem im Biomasse- und Wärmegeschäft oder beim Stromvertrieb verzettelt, gibt es mittlerweile eine klare Fokussierung: Im Ausland konzentriert sich der MVV-Ableger vor allem auf große solare Freiflächenanlagen, hierzulande auf Windparks an Land. „In diesem Jahr entfällt erstmals mehr als 50 Prozent unseres Umsatzes auf das Auslandsgeschäft“, hatte juwi-Gründer und –Vorstand Fred Jung vor kurzem gegenüber der Regionalpresse durchblicken lassen. Was MVV Energie-Chef Müller positiv bewertet: „Der Ausbau erneuerbaren Energien ist nicht nur bei uns, sondern auch jenseits unserer Grenzen ein Mega-Thema. Davon werden wir dank juwi profitieren.“ Deshalb kann er auch die Anlaufverluste von juwi verschmerzen: „Die ersten neun Geschäftsmonate von juwi schlagen in unserer Bilanz mit einem Minusbetrag in zweistelliger Millionenhöhe durch.“

Die Bilanzpressekonferenz nutzte Müller wie gewohnt nicht nur, um das Zahlenwerk runterzuspulen, sondern auch für klare politische Aussagen. Ausdrücklich lobte der MVV Energie-Manager das neue KWK-Gesetz: „Ohne eine Wärmewende wird die Energiewende nicht gelingen.“ Dagegen sieht er noch reichlich Nachbesserungsbedarf an dem vorliegenden Eckpunktepapier für die künftige Ausschreibung von erneuerbaren Energien-Projekten. Das vom Bundeswirtschaftsministerium vorgeschlagene jährliche Ausschreibungsvolumen von 2 900 MW brutto für die Windkraft an Land bewertete er schlicht als zu niedrig: „Bleibt es dabei, befürchten wir, dass es zum Bruch bei der zuletzt zu beobachtenden Ausbaudynamik kommt.“ Stattdessen hält MVV Energie ein jährliches Ausbauvolumen von mindestens 4 000 MW für unverzichtbar. Mit den Kurpfälzern hat damit (endlich) einer der bundesweit größten Energieversorger den künftigen Windausbauplänen aus Berlin widersprochen. 

Damit bleibt MVV Energie der eigenen Linie treu, im Gegensatz zu manch anderen Energieunternehmen hatte das Großstadtwerk aus Mannheim stets hinter dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und seinen Zielen gestanden.

Nicht nur das niedrig angesetzte Ausbauvolumen für die Onshore-Windkraft ist Müller ein Dorn im Auge: „Damit es weiterhin flächendeckend zum Bau neuer Windturbinen kommt, muss das Regionen-Modell bei den Ausschreibungen verankert werden.“ Anfang Juni hatten sich erstmals mehrere süd- und mitteldeutsche Landesenergieminister dafür stark gemacht, dass 40 % des Ausschreibungsvolumens auf ihre Regionen entfallen muss. Angesichts der windhöffigeren Standorte in den Küsterländern seien die Windmüller in ihren Bundesländern bei den Ausschreibungen, bei denen nur der Gebotspreis zählt, ansonsten von vorneherein benachteiligt.

Der Forderung nach dieser regionaler Quote, die nicht nur das Bundeswirtschaftsministerium, sondern auch der Bundesverband Windenergie ablehnt, schloss sich MVV Energie wiederum als erster großer Energiekonzern an. „Es macht weder volkswirtschaftlich noch für die künftige Wohlstandsverteilung Sinn, wenn sich der Windkraftausbau künftig nur auf Norddeutschland konzentriert“, betonte Müller.

MVV Energie ist im Übrigens eines der Beispiele, dass auch in Energiewende-Zeiten Energieunternehmen die Zahl ihrer Mitarbeiter nicht ab-, sondern ausbauen. 5 308 Mitarbeiter standen im vergangenen Geschäftsjahr auf der Lohnliste von MVV Energie, damit rund 150 mehr als im Jahr zuvor.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 10.12.2015, 16:14 Uhr