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Enerige & Management > Wasserstoff - Nationaler Wasserstoffrat formuliert Ziele für EU-Ebene
Grafik Greenstat
WASSERSTOFF:
Nationaler Wasserstoffrat formuliert Ziele für EU-Ebene
Der Nationale Wasserstoffrat hat in einem Positionspapier die Ziele präzisiert, die die Bundesregierung in der Zeit ihrer EU-Ratspräsidentschaft anstoßen und forcieren sollte. 
 
In seinem „Positionspapier für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft“ definiert das Expertengremium sieben gleichwertig zu verfolgende Ziele für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft auf Europa-Ebene. Als Zeitraum sieht der Nationale Wasserstoffrat bis zum Jahr 2030 als entscheidend an. 

Die Ziele im Einzelnen:
  • Gesamteuropäischer Ansatz: Laut dem Gremium sei die deutsche und die europäische Wasserstoffstrategie ein „Bekenntnis zur Schlüsselrolle von Wasserstoff“ in der globalen Klimawende. Daher solle es das Ziel der deutschen EU-Präsidentschaft sein, möglichst viele Mitgliedstaaten beim Thema Wasserstoff zu vereinen. Ein breiter Konsens sei für eine konsequente Umsetzung auf europäischer Ebene wichtig.
  • Europäischer Binnenmarkt und einheitliche Klassifizierung: Um Investitionen privater Unternehmen in Wasserstofftechnologien anzureizen, sei die Schaffung klarer Rahmenbedingungen eine Grundvoraussetzung, heißt es in dem Positionspapier. Die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Wasserstoff müsse an vorderster Stelle stehen. Klassifizierung sowie technische Regeln und Standards müssten klar definiert werden.
  • Aufbau von Infrastruktur: Die Anpassung der Infrastrukturen sei notwendig, um großskalige Wasserstoffanwendungen auf den Weg zu bringen, heißt es weiter. Die deutsche Ratspräsidentschaft solle sich daher einsetzen für den raschen Auf- und Ausbau eine Wasserstoffinfrastruktur über Grenzen hinweg. Der Rat fordert, rasch die Bestandsinfrastruktur zu ertüchtigen und neue Wasserstoffinfrastrukturen aufzubauen. Wasserstoff müsse, wie Erdgas, als Energieträger anerkannt werden und ein diskriminierungsfreier Zugang für Dritte gewährleistet sein.
  • Nachfragehochlauf initiieren: Um kurz- und mittelfristig Skaleneffekte zu erreichen, erachtet der Wasserstoffrat das Anfachen der Nachfrage als wichtig an, etwa durch gesetzliche Vorgaben. Insbesondere in der Luftfahrt, dem Schwerlast- und Seeverkehr sieht er dabei als Nachfragemärkte als vielversprechend an. Dazu zählt er auch Branchen wie die Stahl- oder Chemieindustrie, in denen der Einsatz von Wasserstoff und seinen Folgeprodukten (E-Fuels) an wenigen Standorten zu großen Nachfragemengen führt und wo Wasserstoff für die umfassende CO2-Reduzierung alternativlos ist.
  • Energiepartnerschaften aufbauen: Der Nationale Wasserstoffrat sieht die globale Komponente des Wasserstoffs in der europäischen Wasserstoffstrategie zu wenig berücksichtigt. Daher solle die Bundesregierung internationale Projekte und Energiepartnerschaften während der Ratspräsidentschaft stärker fokussieren.
  • Finanzierungsinstrumente entwickeln: Für eine erfolgreiche Umsetzung der in der europäischen Wasserstoffstrategie definierten Ziele erachtet der Rat die Entwicklung von Finanzierungsinstrumenten als wichtig. Er nennt das Instrument der „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI), um eine wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Bei IPCEI handelt es sich um ein transnationales, wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse, das mithilfe staatlicher Förderung einen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Wirtschaft leisten soll. 
  • Schlüsseltechnologien in Forschungsprojekten fördern: Für die Etablierung von marktfähigen Produkten in Europa sei die Forschung und Entwicklung von Technologien nötig, betont das Gremium. Auf der Erzeugungsseite sollten Schlüsseltechnologien der Wasserstoffwirtschaft im Fokus stehen, die große CO2-Minderungspotenziale haben. Auf der Anwendungsseite sollte die Entwicklung und Erprobung von Technologien stehen, die die Aufnahme von Wasserstoff in den Sektoren Industrie, Wärme, Strom und Verkehr in höheren Konzentrationen vorantreiben.
Der Nationale WasserstoffratMit der Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie hat die Bundesregierung am 10. Juni den Nationalen Wasserstoffrat ins Leben gerufen. Dieser besteht aus 25 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die nicht Teil der öffentlichen Verwaltung sind. Die Mitglieder verfügen über Expertise in den Bereichen Erzeugung, Forschung und Innovation, Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Gebäude/Wärme, Infrastruktur, internationale Partnerschaften sowie Klima und Nachhaltigkeit. Mitglieder aus der Energiebranche sind unter anderem Jörg Bergmann (Open Grid Europe), Andreas Schierenbeck (Uniper) und Susanna Zapreva (Enercity).

Der Nationale Wasserstoffrat wird geleitet von Katherina Reiche, Chefin der Eon-Tochter Westenergie. Aufgabe des Rates ist es, den Staatssekretärsausschuss für Wasserstoff durch Vorschläge und Handlungsempfehlungen bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Wasserstoffstrategie zu beraten und zu unterstützen.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 06.11.2020, 14:21 Uhr

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