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GASMARKT:
Neue Speicher braucht das Land
Der Bau von Gasspeichern in Deutschland boomt weiter. Fachleute halten für die nächsten Jahre eine Erweiterung der Kapazitäten um mehr als 25 % für möglich.
 

Seit mit der Liberalisierung des Energiemarktes immer mehr Versorger Speicher als Flexibilitätspuffer für ihre strukturierte Gasbeschaffung brauchen, hat ein regelrechter Run auf die Kapazitäten eingesetzt. Da die bestehenden Speicheranlagen in der Hand von nur zwei Dutzend Unternehmen sind - allein Ruhrgas und Wingas verfügen zusammen über etwa die Hälfte der gesamten Kapazitäten - und ein freier Speicherzugang noch nicht gesetzlich verankert ist, brummt auch der Neubau.

Nach Angaben des BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft will die Gaswirtschaft 2008 etwa 130 Mio. Euro, 2009 rund 120 Mio. Euro in Speicher investieren. Dies bedeutet erhebliche Mehrausgaben gegenüber den Jahren 2004 bis 2007, in denen die Branche lediglich zwischen 74 und 100 Mio. Euro in Speicher investiert hatte.

Im Jahr 2007 ist im westfälischen Epe mit Nuon eine neue Speichergesellschaft auf den Plan getreten, mit Rüdersdorf bei Berlin (53 Mio. m3) kam auch ein neuer Speicherstandort dazu. Insgesamt wuchsen die Lagerkapazitäten in den unterirdischen deutschen Gasspeichern um knapp 800 Mio. m3. Damit können im Moment mehr als 19,9 Mrd. m3 jederzeit nutzbares Gas, im Fachjargon als Arbeitsgas bezeichnet, gebunkert werden; das sind etwa 20 % des aktuellen Jahresverbrauchs, der 2007 bei etwa 98 Mrd. m3 lag.

In diesem Jahr dürfte die 20-Milliarden-Grenze überschritten werden. Mehrere Versorger arbeiten an Erweiterungen oder Neubauten. Der Ausbau soll auch in den nächsten Jahren weitergehen. In den meisten Fällen werden Kavernespeicher gebaut: Diese nutzen Hohlräume in Salzstöcken als Speicherraum und ermöglichen ein schnelleres Ein- und Ausspeichern und damit einen flexibleren Einsatz als sogenannte Porenspeicher, denen das poröse Gestein ehemaliger Öl- und Gaslagerstätten als Speicherraum dient. Bei Realisierung aller derzeit konkret geplanten Vorhaben hält Robert Sedlacek vom niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der genau Buch führt und jedes Jahr einen ausführlichen Bericht über Untertage-Gasspeicherung in Deutschland erstellt, ein maximales Arbeitsgasvolumen von 25,6 Mrd. m3 für erreichbar.

An mehreren Speicherstandorten wird bereits munter gebaut. Vor allem die Salzstöcke in Epe, an der deutsch-niederländischen Grenze nahe Enschede, und in Etzel bei Wilhelmshaven bieten noch erhebliche Ausbaumöglichkeiten. Weitere Kapazitäten können an neuen Speicherstandorten erschlossen werden.

In Epe, dem größten Kavernenspeicher der Welt, seien derzeit sechs Unternehmen aktiv, berichtet Sedlacek. Eon Ruhrgas und RWE betreiben dort seit langem große Speicher. Das Stadtwerkebündnis Trianel will Ende des Jahres drei Kavernen mit etwa 130 Mio. m3 in Betrieb nehmen. Essent unterhält bereits fünf Kavernen mit 300 Mio. m3, Nuon vier Kavernen mit 216 Mio. m3, die 2007 in Betrieb gingen. Nuon plant zudem drei weitere Kavernen. Als dritter niederländischer Versorger will die Eneco einen Speicher in Epe bauen. Der grenznahe Standort ist nicht nur an das deutsche, sondern auch an das niederländische Netz angebunden.

Außerdem plant Gelsenwasser, im Verbund mit mehreren Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet Speichermöglichkeiten in Epe zu schaffen. Die Kölner Rheinenergie hat sich dort in Kooperation mit Essent Kapazitäten gesichert.

Eine Großbaustelle ist aber auch der Salzstock in Etzel, dem Sedlacek „eine weiter zunehmende und dominante Bedeutung für das nationale Speichergeschäft und den Energiemarkt" bescheinigt. Die dort bereits vermieteten 40 Kavernen werden zum Großteil als Mineralöllager genutzt, neun Kavernen (560 Mio. m3 Arbeitsgas) dienten bislang Eon Ruhrgas und der norwegischen Statoil als Gasspeicher.

Der Eigentümer des Salzstocks, die IVG Immobilen AG, will in großem Stil weitere Kapazitäten schaffen. „Die IVG sieht am Standort Etzel ein geologisches Potenzial von 90 weiteren Kavernen, das auch nach Ansicht des LBEG geologisch realisierbar wäre", bewertet Sedlacek das Vorhaben. Bis spätestens 2020 sollen etwa 80 Erdgas- und 5-10 Rohölkavernen geschaffen werden. Bei rund 75 Mio. m3 Arbeitsgasvolumen je Kaverne wären dann in ungefähr zehn Jahren theoretisch weitere 6 Mrd. m3 Arbeitsgasvolumen verfügbar, so der LBEG-Spezialist.

Laut IVG sind bereits 26 der neuen Kavernen vermietet und zum großen Teil in Bau. Für 64 gebe es Mietoptionen oder Baurechte. „Von einem regen Interesse an Speicherkapazitäten", berichtet ein IVG-Sprecher. So hat zum Beispiel die Eon Ruhrgas AG Ende 2007 einen langfristigen Mietvertrag über 15 Kavernen geschlossen, der britische Energiekonzern BP hat sechs Kavernen gemietet.

Der Standort Etzel biete aufgrund seiner geografischen Lage entscheidende Wettbewerbsvorteile, meint Sedlacek. Der Speicher liegt ganz nahe an Fernleitungen, die Importgas aus Norwegen, das im nahen Dornumersiel durch zwei Nordsee-Pipelines an Land kommt, in Richtung Süden weitertransportieren. Durch den Bau einer Leitung von Etzel zum Knotenpunkt Bunde soll die Anbindung an das europäische Netz weiter verbessert werden. Ein zusätzlicher Pluspunkt von Etzel ist die Nähe zum Tiefseehafen Wilhelmshaven, wo ein LNG-Terminal geplant ist.

Doch auch wenn die Kavernenvermietung ein „sehr lukratives Geschäft" ist, wie der IVG-Sprecher bestätigt, „die Investoren tun sich damit schwer". Darunter leidet die Aktie der IVG, die überwiegend im Immobiliengeschäft tätig ist. Deshalb ist wohl so gut wie beschlossen, dass die IVG das Kavernengeschäft im Laufe dieses Jahres ganz oder teilweise verkauft. „Sofern wir den gewünschten Preis erzielen, läuft es auf Verkauf hinaus", bestätigte der Sprecher. Für Anfang Juni erwartet die IVG erste Angebote.

Trotz einer Reihe von Aus- und Neubauten wird sich an der Struktur des Speichergeschäfts wenig ändern: Die Großen werden noch größer. Nicht nur die Eon Ruhrgas baut ihre Kapazitäten erheblich aus, auch die Wingas, die im niedersächsischen Rehden den größten Porenspeicher Westeuropas (4,2 Mrd. m3 Arbeitsgas) betreibt und auch von Deutschland aus nutzbaren Speicher im österreichischen Haidach (1,2 Mrd. m3) beteiligt ist, plant im niedersächsischen Jemgum eine zusätzliche Anlage. Im selben Salzstock will auch die Oldenburger EWE AG, die in Neuhuntorf, Huntorf und Nüttermoor in Niedersachsen sowie im brandenburgischen Rüdersdorf bereits mehrere Speicher betreibt, Kavernen anlegen. Zudem planen die Oldenburger einen Speicher in Moeckow in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Pläne in Jemgum und Moeckow hängen eng zusammen mit dem Bau der Ostseepipeline Nord-Stream. Zum Zwischenlagern des durch diese Pipeline voraussichtlich ab 2011 in Deutschland ankommenden Gases wird nach Ansicht der Importeure zusätzliche Speicherkapazität gebraucht. Deshalb hat auch Gazprom Germania ein eigenes Speicherprojekt aufgelegt und erkundet dafür in Hinrichshagen in Mecklenburg-Vorpommern sowie im brandenburgischen Schweinrich den Untergrund auf Eignung für einen neuen Speicher.


 
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Montag, 19.05.2008, 09:25 Uhr