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Enerige & Management > Wirtschaft - Plädoyer für Gas
Bild: Fotolia.com, caruso13
WIRTSCHAFT:
Plädoyer für Gas
Auf der Welt-Gas-Konferenz in Paris ging es Anfang Juni nicht nur um das Tagesgeschäft, es wurde auch über die politischen Weichenstellungen diskutiert.
 
Die Manager der großen, europäischen Energiekonzerne haben in Paris versucht, den Widerspruch zwischen einer wachsenden Erdgas-Förderung und mehr Klimaschutz zu überwinden. BP, Shell, ENI, Statoil, Total und die BG Group haben einen Brief an Weltklima-Generalsekretärin Christiana Figueres und den französischen Außenminister Laurent Fabius geschrieben. Dort verlangen sie, dass der Ausstoß von Treibhausgas weltweit nur noch gegen Bezahlung möglich sein soll. Die Konzerne „glauben fest daran, dass ein allgemeiner Kohlenstoffpreis höhere CO2-Emissionen verhindert, Unsicherheiten beseitigt, Investitionen in emissionsarme Technologien stimuliert und die richtigen Ressourcen an die richtige Stelle bringt“. Die Gaswirtschaft macht sich für einen Erfolg der Weltklimakonferenz stark, die Ende des Jahres ebenfalls in Paris stattfinden soll.
 
Es ist der Versuch, das Verbrennen von Erdgas, bei dem etwa halb so viel CO2 entsteht wie bei einem vergleichbaren Einsatz von Kohle, zum klimapolitischen Patentrezept umzudeuten. In den nächsten Jahren müsse die Energiewirtschaft „eine höhere Nachfrage nach Energie befriedigen und die CO2-Emissionen senken“. Dazu sei die Branche allerdings nur in der Lage, wenn die politischen Voraussetzungen stimmten, sagt Engie-Chef Gérard Mestrallet in seiner Eröffnungsrede. Die Erfahrung der Europäer mit dem Emissionshandel (ETS) habe gezeigt, dass er das wirksamste Instrument im Kampf gegen den Klimawandel sei.
 
Das System müsse deswegen dringend überholt werden: mit einem „anspruchsvollen Reduktionsziel von 40 Prozent“ und einer Reform, die Brüssel in die Lage versetze, für höhere Kohlenstoffpreise zu sorgen. Gemeint ist die Marktstabilisierungsreserve, die der Kommission ab 2019 für Eingriffe in das ETS zur Verfügung steht. Mestrallet und die anderen Chefs der europäischen Energiekonzerne hoffen, dass höhere CO2-Preise die Kohle, die als Energieträger auf dem Vormarsch ist, wieder zurückdrängt. Die Politiker sollen dafür die „richtigen Voraussetzungen“ schaffen.
 
Erdgas, so die Botschaft, ist nicht nur der fossile Brennstoff mit den geringsten CO2-Emissionen, sondern auch die flexibelste Ergänzung der erneuerbaren Energien, auf die man sich nicht zu 100 % verlassen kann, „der ideale Brennstoff für ein umweltfreundliches und zuverlässiges Energiesystem“, sagt Ben Van Beuren, der Chef von Royal Dutch Shell. Es sei allerdings nicht gegeben, dass Gas diese „natürliche Rolle, die es spielen sollte“ auch wirklich einnehme. Hier sei ein intensiver „Dialog mit der Politik“ dringend nötig.
 
Die Amerikaner halten eine globale Klimapolitik dagegen für entbehrlich. Sie haben den Brief der Europäer an Christiana Figueres nicht unterschrieben. Exxon-Mobil-Chef Rex Tillerson sieht seine Aufgabe darin, den Energiehunger der Welt zu stillen. Die USA hätten in den vergangenen Jahren gezeigt, dass man mehr Energie mit sinkenden Emissionen und „ohne zusätzliche Kosten für die Klimapolitik“ produzieren könne. Für die Zukunft komme es darauf an, neue Technologien zu entwickeln, mit denen neue Gas-Vorkommen ausgebeutet werden könnten. Die Europäer, meint Tillerson, sollten sich ein Beispiel an den USA nehmen. Dort habe eine „stabile und zuverlässige Politik“ dafür gesorgt, dass Amerika zum größten Erdgasproduzenten der Welt aufgestiegen sei. Die EU lasse ihre 20 Mrd. m3 Schiefergas dagegen ungenutzt herumliegen, weil „Deutschland und Frankreich das Fracking beschränkt haben“. Exxon Mobil sei bereit, diesen Schatz zu heben, wenn es sich die Europäer anders überlegten. „Die Regulierung muss Risiko und Rentabilität in ein vernünftiges Gleichgewicht bringen.“
 
Die Aussichten auf dem Gasmarkt sind das zweite große Thema in Paris. Der Verfall des Ölpreises im vergangenen Jahr hat die meisten Manager auf dem falschen Fuß erwischt. Die deutsche Wintershall etwa musste sich mit 15 % weniger Gewinn zufrieden geben. Jetzt versucht man wieder Tritt zu fassen. Ein ordentliches Unternehmen, sagt der neue Wintershall-Chef Mario Mehren tapfer, müsse auch bei niedrigen Preisen wirtschaftlich sein. Er hofft, dass sich der Ölpreis in diesem Jahr bei 60 bis 70 US-Dollar je Fass einpendelt und damit auch der Gaspreis stabilisiert.
 
Einig ist man sich in Paris, dass Gas weiter eine große Zukunft hat. Alleine die bekannten Schiefergas-Vorkommen deckten den globalen Verbrauch für 180 Jahre, sagt Chevron-Chef John S. Watson. Seine Firma hat im vergangenen Jahr 50 neue Förderstellen eingerichtet, neben den USA vor allem in Lateinamerika. Weil Schiefergas meistens als verflüssigtes Erdgas (LNG) vermarktet wird, rechnet Watson damit, dass immer mehr LNG auf den Markt kommt. Nach Schätzungen der IEA wächst der LNG-Markt in den nächsten Jahren um 4 % pro Jahr, doppelt so schnell wie der gesamte, globale Gasmarkt. Das führe zu transparenteren und effizienteren Verhältnissen, sagt Watson. Wintershall-Chef Mehren geht davon aus, dass in 25 Jahren die Hälfte des weltweit gehandelten Erdgases aus „unkonventioneller“ Förderung stammt.
 
Das bedeute aber auch, dass die andere Hälfte weiter über feste Leitungen geliefert werde, unterstreicht er auf seiner Pressekonferenz. Und da kämen die Europäer um Russland nicht herum. Klar ist, dass die Versorgungssicherheit der Industrieländer auch in den Zeiten von Schiefergas und LNG keine Selbstverständlichkeit ist. Für die Verbraucher entwickelt sich zwar ein Weltmarkt, auf dem Gas in Form von LNG überall und jederzeit erhältlich ist. Auf die Unternehmen kommen aber neue Risiken zu.
 
Total-Chef Patrick Pouyanné musste jüngst sein neues Verflüssigungsterminal im Jemen schließen und die Belegschaft evakuieren. Jetzt wartet er darauf, dass der Bürgerkrieg im Jemen vorbei ist. Angesichts der schwachen Preise will Total vorerst nicht mehr investieren. Pouyanné hat angekündigt, dass Beteiligungen und anderes Vermögen von Total im Wert von 10 Mrd. Euro verkauft werden sollen.

 
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Freitag, 05.06.2015, 11:37 Uhr