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Enerige & Management > Gasspeicher - Protze: "Stilllegung eines Gasspeichers ist unumkehrbar"
Bild: Fotolia.com, B Wylezich
GASSPEICHER:
Protze: "Stilllegung eines Gasspeichers ist unumkehrbar"
Bernd Protze, Geschäftsführer der VNG Gasspeicher GmbH (VGS) über das schwierige Geschäft mit Gasspeichern und Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit.
 
E&M: Herr Protze, Gasspeicher sind im letzten Jahr häufig als Garanten der Versorgungssicherheit gelobt worden. Hat sich das positiv auf Ihr Geschäft als Speicherbetreiber ausgewirkt?
 
Protze: Nein. Die Speicher sind zwar gut gefüllt, doch das Entgelt, das die Nutzer dafür zu zahlen bereit sind, ist so gering, dass wir Probleme haben, Speicher wirtschaftlich zu betreiben.
 
E&M: Die Speicherbranche klagt seit längerem über den Verfall des Sommer-Winter-Spreads, also der saisonalen Gaspreisunterschiede, die das Speichern früher lukrativ gemacht haben. Hat sich dieses Problem 2014 verschärft?
 
Protze: Ich denke nein. Die Entwicklung des Sommer-Winter-Spreads ist auch nur ein Teilaspekt der Gesamtproblematik. Das Speichergeschäft leidet vor allem darunter, dass die Speicherfunktion für den Handel die einzige ist, die vergütet wird und der Markt nicht bereit ist, für Versorgungssicherheit, also für einen Gasvorrat im Speicher, zu bezahlen. Jeder verlässt sich einfach darauf, dass immer genügend Gas da ist. Das Hauptproblem für die Speicherbetreiber ist der Zerfall der früheren Versorgungskette, in die auch Speicher als Bestandteile der Versorgungssicherheit integriert waren.
 
Bernd Protze rechnet damit, dass Speicherkapazitäten vom Markt verschwinden werden
Bild: VGS / Dirk Brzoska

E&M: Leidet die Gasspeicherbranche an Überkapazitäten?
 
Protze: Auch Überkapazitäten könnten ein Teil des Problems sein. Sie sind entstanden, weil die Nachfrage nach Speichern vor einigen Jahren sehr hoch war. Ich schätze, dass deshalb in den nächsten Jahren etwa zehn Prozent der Kapazitäten in Deutschland stillgelegt werden. Aber auch wenn Speicher vom Markt gehen, ist nicht damit zu rechnen, dass allein dadurch die Entgelte spürbar nach oben gehen.

„Konkrete Stilllegungsbeschlüsse sind noch nicht getroffen“

E&M: Was bedeutet die Stilllegung eines Speichers für die Versorgungssicherheit?
 
Protze: Die Stilllegung eines Gasspeichers ist ein nicht mehr umkehrbarer Prozess. Wenn er vom Markt genommen wurde, ist der Speicher nicht mehr nutzbar. Wenn die Politik dann eine Lücke im Hinblick auf die Versorgungssicherheit feststellt, wird es teuer, diese durch neue Speicher zu schließen.
 
E&M: Welche Speicher wird VGS stilllegen?
 
Protze: Konkrete Stilllegungsbeschlüsse sind noch nicht getroffen. Wir schauen uns nicht nur jede Investition genau an, sondern überprüfen auch jeden Speicherstandort auf Wirtschaftlichkeit. Grundsätzlich gilt dabei: Je kleiner ein Speicher ist, desto schwieriger ist es, ihn auskömmlich zu betreiben. Probleme haben auch Poren- und Aquiferspeicher, die nicht so flexibel sind.
 
E&M: VGS baut trotz der Probleme neue Speicherkapazitäten in Bernburg, Jemgum und Bad Lauchstädt auf. Wie passt das zu den Stilllegungserwägungen? Warum steigen Sie nicht aus den Neubauprojekten aus.
 
Gasspeicherbetreiber überprüfen derzeit verstärkt die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen
Bild VGS / Dirk Brzoska (2)

Protze: Der Bau eines Speichers dauert mehrere Jahre und diese Projekte wurden gestartet, als es für Speicherdienstleistungen noch ein auskömmliches Entgelt gab. Wir haben die Projekte aber ganz stark verlangsamt und prüfen auch diese eingehend auf ihre Wirtschaftlichkeit. Die Eiszeit im Speichergeschäft scheint länger zu dauern, als wir noch Anfang letzten Jahres gedacht haben.
 
E&M: Sie beklagen, dass Speicher nur ihre Dienste für das Handelsgeschäft vergütet bekommen, aber kein Entgelt für ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit.
 
Protze: Wir brauchen in Deutschland ein Modell, das ein faires Entgelt für den Beitrag des Speichers zur Versorgungssicherheit ermöglicht. Dazu müsste wie in anderen europäischen Ländern eine geordnete Vorratshaltung betrieben werden. Erforderlich wären staatliche Vorgaben zum Beispiel für Händler, welche
Gasmengen diese zur Absicherung ihrer Lieferungen als Reserve einspeichern müssen.
 
E&M: Speicher können auch für Netzbetreiber eine wichtige Funktion erfüllen.
 
Protze: Gastransporteure können bei hohem Gasverbrauch im Winter ihr Netz durch Leistung aus einem Gasspeicher stabilisieren. Das funktioniert aber nur, wenn auch das Gas im Speicher ist. Also sollten sich Fernleitungsnetzbetreiber eine Scheibe Gas in einen Speicher legen, um damit Schwankungen in ihren Netzen auszugleichen. Auch diese Dienstleistung muss aber fair vergütet werden.

„Wir brauchen volkswirtschaftlich sinnvolle Lösung für Vorratshaltung“

E&M: Die vielfach geforderte nationale Gasreserve würde den Speicherbetreibern ebenfalls Einnahmen verschaffen. Warum ist die Branche so strikt dagegen.
 
Protze: Ich bin nicht strikt dagegen. Die Speicherbetreiber sind nur nicht davon begeistert, die Hälfte der deutschen Speicherkapazitäten mit einer unbeweglichen Gasreserve zu belegen. Wir brauchen eine volkswirtschaftlich sinnvolle Lösung für die Vorratshaltung.
 
E&M: VGS hat im letzten Jahr ein virtuell-physisches Speicherprodukt aufgelegt. Mit Erfolg?
 
Protze: Wir haben erkannt, dass nicht nur andere Speicherbetreiber, sondern auch Händler, die am Virtuellen Handelspunkt Flexibilität anbieten, zu unseren Konkurrenten zählen. Dort wollen wir auch vertreten sein und haben deshalb unsere sogenannten Hub-Produkte aufgelegt. Besonders punkten können wir dadurch, dass das Gas zwar am Virtuellen Handelspunkt übergeben wird, wir es aber tatsächlich physisch speichern. Die Kunden nehmen das Produkt sehr gut an.
 
E&M: Wie groß ist der Spielraum für neue Speicherprodukte?
 
Protze: Der Spielraum ist groß, es werden weiter jedes Jahr neue Produkte kommen. Doch deren Lebensdauer wird manchmal auch nicht besonders lang sein. Wenn wir dazu kommen, dass Transporteure Speicherscheiben buchen, werden die das sicher nicht am Virtuellen Handelspunkt tun, sondern an klar definierten physischen Punkten. Es wird also unterschiedliche Produkte geben für Händler und für Kunden, die eine physische Aufgabe zu erfüllen haben.
 
E&M: VGS testet in Bad Lauchstädt die Speicherung von Wasserstoff in einem Gasspeicher. Wie wichtig ist die Wasserstoffoption für Gasspeicherbetreiber?
 
Protze: Alle neuen Technologien brauchen eine gewisse Vorlaufzeit. Wir beschäftigen uns deshalb ernsthaft damit und halten das auch für eine Zukunftsoption. In Gasspeichern können große Mengen Energie gelagert werden und Speicherung wird mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien immer wichtiger.
 
VNG Gasspeicher
ist mit nutzbaren Kapazitäten von 2,7 Mrd. m3 an mehreren, insbesondere im Osten Deutschlands gelegenen Standorten der drittgrößte nationale Gasspeicherbetreiber in Deutschland. Insgesamt bieten die Untergrund-Gasspeicher in Deutschland Platz für etwa 24 Mrd. m3 Erdgas. Die VNG Gasspeicher GmbH ist ein Tochterunternehmen der Leipziger
Verbundnetz Gas AG (VNG).

 
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Freitag, 30.01.2015, 09:58 Uhr