• Gas: Preise geben weiter nach
  • Strom: Flaute hebt den Day Ahead über 50 Euro/MWh
  • Düsterer Radweg in Heidelberg als Testgebiet für Solarlaternen
  • Ubitricity und Ebee kooperieren
  • Cottbus als "Startrampe" für neue Power-to-X-Projekte
  • Dezentrale Gasmotoren unterstützten europäische Netzstabilität
  • Entschädigung kommt auf den Prüfstand
  • Berlins ehrgeizige E-Bus-Pläne - Frankfurt stellt allmählich um
  • Verbände fordern Carbon-Leakage-Verordnung nachzubessern
  • Energieversorger mehr denn je als Dienstleister gefragt
Enerige & Management > Europaeische Union - Regionale Bieterzonen sollen Offshore-Kooperation verbessern
Bild: Fotolia, kreatik
EUROPAEISCHE UNION:
Regionale Bieterzonen sollen Offshore-Kooperation verbessern
Die EU-Kommission will die Stromerzeugung vor den europäischen Küsten massiv ausbauen. Um den Widerstand vor Ort sollen sich die Mitgliedstaaten kümmern. 
 
Nach einer in Brüssel vorgelegten Offshore-Strategie soll die Kapazität der Windparks auf See bis 2030 von 12.000 auf 60.000 MW ausgebaut werden. Bis 2050 soll die Leistung 300.000 MW erreichen. Kraftwerke mit weiteren 40.000 MW sollen aus der Energie von Wellen und Gezeiten Strom erzeugen.

Die Nutzung erneuerbarer Energien in den Küstenregionen sei bereits heute eine „Erfolgsgeschichte“, sagte Kommissions-Vize-Präsident Frans Timmermans bei der Vorstellung der Strategie. „Wir wollen diese Chance weiter nutzen, um noch mehr saubere Energie zu erzeugen, um hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, für nachhaltiges Wachstum und um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“

Die Kommission gehe davon aus, dass bis 2050 etwa 800 Mrd. Euro investiert werden müssten, damit die genannten Ziele erreicht werden, überwiegend private Investitionen. Dieses Geld könne nur aufgebracht werden, wenn die Investoren sicher planen könnten, sagte Timmermans weiter. Die EU brauche dafür jetzt einen zuverlässigen Orientierungsrahmen, um noch bestehende Hürden zu überwinden.

Engere Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten

Im Mittelpunkt der Strategie steht eine engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten. Zwar geht man in Brüssel davon aus, dass Offshore-Windparks auch in Zukunft überwiegend als nationale Projekte durchgeführt werden. Auch dafür sei jedoch mehr Kooperation, etwa bei der Planung auf See nötig. Große Chancen sieht man in Brüssel aber auch in regionalen, grenzüberschreitenden Projekten vor der Küste. Die Kommission sieht ihre Aufgabe vor allem darin, diese Kooperation zu fördern. So sollen mit den Mitgliedsstaaten gemeinsame Ansätze für die Planung und nationale Gesetzgebung entwickelt werden. 

Für den Dialog der von Offshore-Projekten betroffenen Parteien (Gebietskörperschaften, Umweltschützer, Fischerei, Tourismus, Bürger etc.) will die Kommission Empfehlungen entwickeln, damit die Planung und Genehmigung von neuen Windparks möglichst schnell und reibungslos erfolgt.

Entscheidende Bedeutung hat nach Ansicht der Kommission die Netzplanung. Um Engpässe bei der Anbindung von Offshore-Anlagen zu überwinden, setzt sie insbesondere auf sogenannte Hybrid-Projekte. Dabei handelt es sich um Offshore-Windräder, die direkt an einen Interkonnektor angeschlossen sind. Für ein schnelles Wachstum (Scale-up) der Windkraft auf See seien solche Projekte unverzichtbar, heißt es in dem Papier der Kommission. Hybrid-Projekte müssen zwischen den Mitgliedsstaaten vereinbart werden. Dafür will die Kommission eine Art Standard-Vertrag entwickeln, um regelmäßig auftauchende Fragen wie die Aufteilung der Kosten und Erträge zu regeln.

Daraus soll eine regionale Netzplanung entwickelt werden. Das setze eine „strukturierte Kooperation zwischen Mitgliedsstaaten, Netzbetreibern und Regulierungsbehörden“ voraus. Ab 2022 könnten diese Aufgabe auch „Regionale Koordinierungszentren“ (RCC) übernehmen. In Brüssel denkt man in diesem Zusammenhang auch über die Bildung besonderer Offshore-Märkte (Bidding Zones) nach. Dies könne nötig sein, um den Offshore erzeugten Strom in den Elektrizitäts-Binnenmarkt zu integrieren, das heißt dorthin zu transportieren, wo er am dringendsten gebraucht werde.

Netzausbau ist das große Problem

Die Kommission sieht beim Ausbau der Offshore-Erzeugung vor allem das Problem eines adäquaten Netzausbaus. Ohne ausreichende Netzanbindung könne es zu Engpässen kommen. Die Anbindung an nur einen nationalen Markt würde bedeuten, dass die Erzeuger auf Einnahmen verzichten müssten. Mit höheren Einnahmen könnten dagegen die Netzbetreiber rechnen, wenn es zu Engpässen komme. Diesen Verteilungseffekten könnte man nach Ansicht der Kommission mit regionalen Bieter-Zonen entgegenwirken. 

Bei der Finanzierung der notwendigen Investitionen setzt die Kommission zwar in erster Linie auf die private Wirtschaft. Es stünden aber auch erhebliche öffentliche Mittel zur Verfügung, sowohl für direkte Investitionen, insbesondere in die Infrastruktur, als auch zur Verstärkung von privaten Investitionsanreizen. 

Im EU-Parlament wurde die Strategie der Kommission im Grundsatz begrüßt. Mit einem Ausbauziel von 60.000 MW bleibe die Kommission allerdings weit hinter dem zurück, was notwendig wäre, sagte die grüne Abgeordnete Jutta Paulus. Der Unionsabgeordnete Markus Pieper hält die Strategie dagegen für überaus ambitioniert. Gleichwohl sei sie ein „wichtiges Signal“ und biete gerade für Deutschland „interessante Zukunftsperspektiven“.

Der Bundesverband der Windparkbetreiber-Offshore und die Stiftung Offshore-Windenergie sehen in der Strategie der Kommission einen wichtigen Schritt für die Branche. „Auf nationaler Ebene sind die Herausforderungen der Windenergie auf See auf Dauer nicht lösbar“, sagt BWO-Geschäftsführer Stefan Timm. 

Das Strategiepapier   kann von der Website der EU-Kommission heruntergeladen werden. 
 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 20.11.2020, 10:38 Uhr