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REGENERATIVE:
Reines Biogas auch für den Endkunden
In Burgrieden speist die Erdgas Südwest GmbH (ESW) seit Mitte Mai aufbereitetes Biogas ins Erdgasnetz ein. Während der Ettlinger Regionalversorger das Biomethan in Reinform sowie als Öko-Mischprodukt vermarktet, sammelt die Muttergesellschaft Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) technische Erfahrungen.
 

"Bei der Suche nach einem Biogaserzeuger wurden mit einer Vielzahl möglicher Kooperationspartner Vorverhandlungen geführt, da es sich als schwierig erwies, als Gasversorger von den Landwirten als Geschäftspartner anerkannt zu werden", beschreibt Jochen Fischer, kaufmännischer Geschäftsführer der ESW, die Anfänge des Biogas-Projektes. Inzwischen kooperiert das Versorgungsunternehmen mit der Bioenergie Laupheim GmbH, in der sich insgesamt 21 Landwirte aus dem Landkreis Biberach sowie die Gemeinde Burgrieden selbst zu einer Erzeugergemeinschaft zusammen geschlossen haben. Die Landwirte vergären in Eigenregie jährlich rund 20 000 t Biomasse, darunter Mais, Grasschnitt und Weizen.

Die geplante Gasmenge von 5,1 Mio. m3 pro Jahr verkauft die Erzeugergemeinschaft an die ESW, die das Rohgas mit einer Druckwechseladsorptions-Anlage auf Erdgasqualität aufbereitet. Als Gasnetzbetreiber konzentriert sich die ESW nicht nur auf die Einspeisung der jährlich etwa 2,8 Mio. m3 Biomethan in das Mitteldruck-Gasnetz, sondern auch auf die Einhaltung der erforderlichen Gasqualität, die Abrechnungsmessung und das Durchleitungsmanagement.

Mit der Erzeugergemeinschaft wurde laut Fischer ein Bezugsvertrag über 20 Jahre vereinbart - in diesem Zeitraum sollen sich die Kosten für das Pilotprojekt amortisieren. "Grundlage für die vertragliche Regelung ist ein Preissteigerungs-Szenario das von beiden Parteien akzeptiert wurde", erläutert Fischer. Der Preis für das Rohbiogas wurde mit einer jährlichen prozentualen Steigerung festgelegt und ist über Preisgleitklauseln an die Personal-, Maschinen- und Kraftstoffkosten gebunden.

Als Gasversorger mit einem Jahresabsatz von rund 3,6 TWh entschied sich die ESW, das eingespeiste Biomethan selbst zu vermarkten, statt es in KWK-Anlagen zu nutzen. Seit Mitte Juni bewirbt das Unternehmen im angestammten Versorgungsgebiet zwei neue Produkte. Dabei handelt es sich zum einen um ein Öko-Mischprodukt mit einem Biogas-Anteil von 20 % sowie - und das ist bundesweit bislang einmalig - um ein reines Biogas-Produkt.

Die ESW vertreibt laut Fischer deshalb Gas mit einem 20 prozentigen Bio-Anteil, weil die Kunden damit den Vorgaben des baden-württembergischen Gesetzes zur Nutzung erneuerbarer Wärmeenergie in Neubauten entsprechen können. Die Öko-Pflicht sieht vor, dass bei Wohngebäuden, für die ab Anfang April das Genehmigungsverfahren eingeleitet wird, der Wärmebedarf künftig zu mindestens 20 % mit erneuerbaren Energien gedeckt werden muss. "Das neue Wärmegesetz zwingt die Gasversorger geradezu in neue Geschäftsfelder zu investieren", betont der ESW-Geschäftsführer. Dabei sei das Misch-Produkt "natürlichgas bio20" für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt jährlich etwa um 120 Euro teurer als das Erdgas-Sonderprodukt "natürlichgas premium", das rund 85 % der ESW-Haushaltskunden beziehen. Die Zertifizierung der Produkte wurde von der TÜV Süd GmbH durchgeführt, die auch überwacht, dass ausreichend Biogas in das Erdgasnetz eingespeist wird.

Mit dem reinen Biogas-Produkt zielt die ESW laut Fischer auf "Kunden, die vorwiegend ökologisch ausgerichtet sind". Der Großteil des Ökogases soll zwar an Haushaltskunden im eigenen Versorgungsgebiet vertrieben werden, doch auch bei Industrie- und Gewerbekunden sowie bei Energieversorgern sieht Fischer Markt-Potenziale: "Die Nachfrage - auch von anderen Gasversorgern - ist so hoch, dass die Biomethan-Produktion für dieses Jahr praktisch schon komplett verkauft ist".

Daher will die Muttergesellschaft, der Karlsruher EnBW-Konzern ist mit 79 % an der ESW beteiligt, auch technisches Know-how für weitere Einspeise-Projekt sammeln. Damit die Biogaseinspeisung künftig möglichst klimaschonend geschieht, werden an der Anlage in Burgrieden eine Reihe von technischen Anwendungen getestet. Unter anderem stellte sich der Methan-Restgehalt des aus der Druckwechseladsorption abströmenden Schwachgases als Manko der eingesetzten Aufbereitungstechnik heraus. Das im CO2-Abgas enthaltene klimaschädliche Methan soll nicht in die Umwelt entweichen, sondern mit einem Flox-Brenner mit 140 kW thermischer Leistung energetisch genutzt werden. Das dabei angewendete Verfahren der flammlosen Oxidation soll ohne ein zusätzliches, fossiles Gas zur Verbrennung auskommen. "Die erzeugte Wärme wird zur Beheizung der Fermenter genutzt", , erklärt EnBW-Forscher Gerold Göttlicher. Zwar hat die Betreibergesellschaft in ein eigenes BHKW zur Fermenterheizung investiert, "doch das wird allein nicht ausreichen, denn auch die Fermenterbeheizung hat einen Lastgang", erklärt der EnBW-Forscher.

Voraussichtlich erst in den kommenden Wochen werden zudem zwei Capstone-Mikrogas-Turbinen mit jeweils 30 kW elektrischer Leistung in Betrieb genommen. "In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Institut für Energieforschung der Universität Karlsruhe wollen wir unter anderem die Zuverlässigkeit, die Energiebilanz und die Abgaswerte der Mikrogas-Turbinen im Betrieb mit Biogas sowie mit Erdgas erforschen", sagt Göttlicher. Die dabei erzeugte Wärme wird vorwiegend zu den Vergärungsbehältern geleitet. Die restliche Abwärme der Turbinen soll eine ORC-Anlage (Organic-Rankine-Cycle) des britischen Herstellers Freepower Ltd., mit 6 kW elektrischer Leistung antreiben. "Der Aufbau der Anlage zielt darauf ab, die Komponenten im Zusammenspiel zu testen", betont Göttlicher. Denn grundlegend für das Biogas-Projekt in Burgrieden ist neben dem wirtschaftlichen und technischen Erfolg, dass es die Basis für weitere Projekte des EnBW-Konzerns darstellt.


 
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Montag, 16.06.2008, 10:20 Uhr