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GASMARKT:
Rügge: "Gasflüsse in Europa haben sich verändert"
Peter Rügge, IT-Berater und Organisator der Oldenburger Gastage, über nationale und europäische Versuche, den Wettbewerb am Gasmarkt zu stärken.
 

E&M: Herr Dr. Rügge, die Bundesregierung möchte mit der novellierten Gasnetzzugangsverordnung dem Wettbewerb am Gasmarkt neuen Schwung verleihen. Braucht er den Schwung von dieser Seite?

Rügge: Natürlich. Die Entwicklung ging zwar schon in die richtige Richtung, doch die novellierte Verordnung, die zum Beispiel auf die weitere Zusammenlegung von Marktgebieten zielt, ist eine wichtige Voraussetzung für eine Weiterentwicklung des Wettbewerbs.

E&M: Bringt denn die neue Verordnung wirklich substanzielle Verbesserungen?

Peter Rügge: „Mit einem Anstieg der Liquidität an den Handelspunkten kann gerechnet werden"
Bild: cx4u

Rügge: Ja. Nach einer weiteren Zusammenlegung von Marktgebieten kann auf jeden Fall mit einem Anstieg der Liquidität an den Handelspunkten gerechnet werden. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Wettbewerb und erleichtert das Abschaffen von Reglementierungen gegenüber Gaslieferanten zum Beispiel an Marktgebietsgrenzen. Auch der erleichterte Anschluss von Speichern an das Netz ist eine wesentliche Voraussetzung für eine bessere Belieferung von Kunden in den Marktgebieten.

E&M: Wie wird sich die Marktgebietslandschaft in Deutschland entwickeln?

Rügge: Ich gehe davon aus, dass es zum 1. April nächsten Jahres zunächst wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben ein L-Gas- und zwei H-Gas-Marktgebiete und dann bis August 2013 zwei gemischte L-H-Gas-Marktgebiete geben wird.

„Nachbarländer haben eine wesentlich einfachere Struktur"

E&M: Sind denn die deutschen Marktgebiete überhaupt noch relevant, wenn man sieht, dass es auf EU-Ebene längst um europäische Regionalmärkte geht?

Rügge: Deutschland spielte mit seiner hierarchischen Unterteilung in verschiedene Transport-, Regional-, und Verteilnetze immer eine besondere Rolle in Europa. Nachbarländer wie die Niederlande, Belgien und Großbritannien haben eine wesentlich einfachere Struktur. Dort gibt es nur einen Transportnetzbetreiber und darunter die Verteilnetze. Die dort etablierten Entry-Exit-Modelle mit nur einem Marktgebiet vereinfachen den Netzzugang erheblich. Das, was der Gesetzgeber jetzt angestoßen hat, ist deshalb vollkommen richtig und Voraussetzung für die Angleichung auf europäischer Ebene.

E&M: Reicht die Neuregelung des Kapazitätsmanagements in der Gasnetzzugangsverordnung aus oder braucht man zusätzliche Kapazitäten, also neue Leitungen?

Rügge: Ich gehe davon aus, dass wir in Deutschland weitere Leitungsverbindungen haben werden. Das ergibt sich schon daraus, dass Deutschland als Gastransitland eine zentrale Rolle in Europa spielt. Die Gasflüsse in Europa haben sich erheblich verändert, zum Beispiel weil Großbritannien nicht mehr exportiert, sondern importieren muss. Für das Kapazitätsmanagement ist es auch nötig, dass die Regulierungsanreize den Netzausbau nicht behindern, sondern begünstigen.

„Nach wie vor hohe Kosten für Regelenergie"

E&M: Ist das Thema Regel- und Ausgleichsenergie inzwischen zufriedenstellend gelöst?

Rügge: Auch nach der Novellierung der Gasnetzzugangsverordnung gibt es noch Defizite beim Thema Netzkonto, bei der Zuordnung der Lastprofile und bei der Abrechnung der Mehr- und Mindermengen. Der Gesetzgeber hat zwar die Möglichkeiten erweitert, doch die Verteilnetzbetreiber werden nach wie vor durch hohe Kosten für Regelenergie belastet. Dieses Problem des immensen Regelenergiebedarfs muss demnächst pragmatisch angegangen werden. Die Branche braucht Regelungen, die es den ausspeisenden Netzbetreibern ermöglichen, ihre Kosten massiv zu reduzieren.

E&M: Welche Auswirkungen auf den Gasmarkt sind denn vom angekündigten Infrastrukturpaket der EU-Kommission zu erwarten?

Rügge: Die EU wird darin voraussichtlich Aussagen zur Netzausbauplanung für Fernleitungsnetzbetreiber treffen. Außerdem gehe ich davon aus, dass die Kommission den Netzbetreibern eine klare Orientierung geben wird, welche Rolle so genannte smart Grids in der Gasversorgung spielen sollen. Ziele dabei sind die Steuerung des Aufkommens und der Nachfrage, aber auch der möglichst effiziente Ressourceneinsatz. Smart Grids werden auch in der Gasversorgung eine umfassende Bedeutung erlangen, wenn der Nutzen für die Gaswirtschaft noch stärker herausgearbeitet und präzisiert wird.

E&M: Auch das Energiewirtschaftsgesetz muss novelliert werden. Welche wesentlichen Veränderungen hat die Gaswirtschaft zu erwarten?

Rügge: Zum einen geht es um die Ausgestaltung der Anreizregulierung, die eine ganze Fülle von Steuerungsmöglichkeiten bietet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Transportnetzbetreiber, deren Entgelte nach einem veränderten Kostenmodell reguliert werden. Darüber hinaus sind Fragen der Kapazitätsvergabe zu klären, die auch auf die Investitionen der Netzbetreiber wirken.

„Die Regulierung ist ein spürbarer Eingriff"

E&M: Die Transportnetzbetreiber klagen weiter darüber, dass die Anreizregulierung Investitionen unattraktiv macht. Wird sich die Politik davon zu einer Abmilderung der Regulierung drängen lassen?

Rügge: Ich kann die Klagen nachvollziehen. Die Regulierung ist für die Unternehmen ein spürbarer Eingriff. Die Bundesregierung muss aber sicherstellen, dass ihre infrastrukturellen Ziele nicht konterkariert werden durch ein falsches Anreizsystem. Ich gehe davon aus, der in der Anreizregulierung festgelegte und umstrittene Zinssatz für das Eigenkapital überarbeitet wird.

E&M: Auch das Thema Gasspeicher wird die Branche weiter beschäftigen. Das Speichergeschäft muss künftig laut EU-Vorgaben vom Netz- und Vertriebsgeschäft getrennt, also unbundelt werden. Ist das nur der erste Schritt zur Regulierung der Speicher?

Rügge: Es ist davon auszugehen, dass im Rahmen der Speicherzugangsverordnung auf europäischer Ebene der Speicherzugang erleichtert wird. Zum einen wird das eine Folge neuer Speicherprojekte sein - der Markt ist ja gerade vor allem in Norddeutschland am boomen - zum anderen müssen auch noch mehr Transparenz und vereinheitlichte Prozesse für den Speicherzugang geschaffen werden. Eine Regulierung würde einen derzeit sehr stark wachsenden Markt wieder schrumpfen lassen.


 
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Montag, 13.09.2010, 12:04 Uhr