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GASMARKT:
Rügge: "Mehr- und Mindermengen nehmen gewaltige Ausmaße an"
Dr. Peter Rügge, Organisator der Oldenburger Gastage über Erfolgsaussichten der Regulierung in Deutschland und Europa.
 

E&M: Herr Dr. Rügge, die letzten zwei Gaswirtschaftsjahre begannen jeweils mit einem Paukenschlag der Bundesnetzagentur. Ist jetzt schon alles geregelt oder warum hat sich die Behörde in diesem Jahr zurückgehalten?

Rügge: Die eigentliche Zäsur für die Regulierung war die seit letztem Herbst gültige GaBi Gas zur Regelung des Bilanzausgleichs. Wesentlichen Fragen waren damit geklärt, die damit zusammenhängenden Prozesse, die von den Unternehmen noch umzusetzen sind, begrenzen den weiteren Handlungsspielraum der Behörde.

E&M: Sie hatten im letzten Jahr gesagt, die IT sei das Hauptthema bei der Umsetzung der GaBi Gas. Ist dieses Problem inzwischen behoben?

Rügge: Ich kann das nur aus Sicht unserer Beratungsaktivitäten beurteilen. Von daher weiß ich, dass die funktionalen Erweiterungen, die bei der IT notwendig waren, von der überwiegenden Zahl der Anbieter schon erledigt wurden. Andere Fragen, wie die richtige Abrechnung der zu viel oder zu wenig gelieferten Mengen im Rahmen des Bilanzausgleichs bringen jedoch neuen Schwung in die Diskussion. Das Thema der zählpunktscharfen, also auf jeden einzelnen Verbraucher gerichteten Abrechnung der Mehr- oder Mindermengen, wurde zwar zunächst vertagt, eine solche Abrechnung würde aber eine große Herausforderung an die IT-Systeme beziehungsweise deren Umstellung formulieren.

„Ausgleichsmengen in großem Umfang"

E&M: Was ist so schwierig an der Abrechnung?

Rügge: Viele Versorger stellen sich bei der Mehr- und Mindermengenbilanzierung inzwischen die Frage, warum Ausgleichsmengen in großem Umfang aufgelaufen sind. Dabei ist festzustellen, dass die Standardlastprofilverfahren nicht richtig respektive nicht durchgängig angewendet wurden. Sie können nur funktionieren, wenn valide Bilanzierungsdaten zur Verfügung stehen. Leider sind vielerorts diese Daten nicht korrekt, so dass die Mehr- oder Mindermengen gewaltige Ausmaße annehmen. Es gibt also deutlichen Handlungsbedarf zur Anpassung der Standardlastprofilverfahren. Wir erkennen aber auch Bedarf bei der Nachrüstung der leistungsgemessenen Kunden und der Netzkopplungspunkte.

E&M: Sehen Sie Möglichkeiten zur Vereinfachung des Bilanzausgleichs?

Rügge: Auf jeden Fall. Deutschland hat zunächst ein komplexes Verfahren ausgewählt, das noch komplexer würde, wenn es zählpunktscharf werden soll. Natürlich können IT-Systeme das, aber dazu ist ein entsprechender Aufwand erforderlich. Ich schlage vor, in Deutschland eine Diskussion darüber zu führen, die Verfahren der Netznutzungsabrechnung dramatisch zu vereinfachen. Beispiele dafür gibt es in Großbritannien und den Niederlanden. Beispielsweise sollte man sich auch hierzulande überlegen, ob nicht kapazitätsbezogene Flatrates für die Netznutzung möglich sind.

„Ein einheitlicher Binnenmarkt für Erdgas"

E&M: Bei der Neuregelung des Kapazitäts- und Engpassmanagements ist die Bundesnetzagentur noch nicht zu einem Ergebnis gekommen. Warum klemmt es in diesem Punkt?

Rügge: Die Abstimmung für ein effizientes Management der Kapazitäten muss auf die sich bildenden regionalen europäischen Märkte ausgerichtet sein. Darauf weisen die Aktivitäten der europäischen regionalen Gasmarktinitiativen hin. Die Tatsache, dass das Kapazitätsmanagement eigentlich kein deutsches Thema mehr ist, hat bei der Bundesnetzagentur sicherlich verzögernd gewirkt. Man darf bei dieser Frage nicht vergessen, dass das Ziel der europäischen Regulierer ein einheitlicher Binnenmarkt für Erdgas ist.

E&M: Bei der Reduzierung der Marktgebiete hat es zuletzt deutliche Fortschritte gegeben. Muss das Ziel je ein Marktgebiet für L- und H-Gas sein oder ist auch ein Wettbewerb zwischen Marktgebieten denkbar?

Rügge: Die signifikante Reduzierung der Marktgebiete in diesem Jahr ist auf jeden Fall ein Gewinn für die Liquidität im Markt. Die Abstimmung unter den Akteuren in den zusammengelegten Marktgebieten wird jedoch zunehmend komplexer - das darf man nicht aus den Augen verlieren. Das System muss handhabbar bleiben. Zwei H-Gas-Marktgebiete wären deshalb auch ein denkbares Modell.

„Der Speicher bringt die Marge"

E&M: Die Novellierung der Gasnetzzugangsverordnung steht weiter aus. Welche Punkte sind dabei am wichtigsten?

Rügge: Die Novellierung berührt relativ viele Themenbereiche. Viele Leitfäden zur Umsetzung der Gasnetzzugangsverordnung sind aktueller als die Verordnung. Bei den Standardlastprofilen zum Beispiel passen die verschiedenen Vorschriften nicht zueinander. Die bisherige Gasnetzugangsverordnung sagt aus, dass es reicht, zwei Lastprofilgruppen auszuweisen. Die Verfahren, die die Netzbetreiber anwenden, sehen aber eine wesentlich größere Anzahl vor. Auch weitere Vorschriften der GaBi Gas müssen passend integriert werden. Sinnvoll wäre es, Formulierungen zu treffen, die Veränderungen in der Zukunft zulassen. So muss auch berücksichtigt werden, dass sich die Bilanzkreisregime über die entstehenden regionalen europäischen Märkte noch einmal verändern können und dann auch nationale Verordnungen erneut überarbeitet werden müssen.

E&M: Müssen die Speicher reguliert werden?

Rügge: Ein Gasversorger, der in einem bundesweiten Liefermanagement tätig ist, braucht unbedingt Speicher. Der Speicher bringt die Marge. Die Gasveredelung kann nur sinnvoll eingesetzt werden, wenn es einen diskriminierungsfreien Speicherzugang gibt. Auch ein diskriminierungsfreies Speichergeschäft ist aber lukrativ. Eine sinnvolle Regulierung sollte das unternehmerische Handeln derer, die den Speicher gebaut haben und die Funktion der Speicher für die Versorgungssicherheit nicht behindern.

Oldenburger Gastage

Die Gastage, eine Kombination aus Fachmesse und Kongress, finden vom 1. bis 3. Dezember in der niedersächsischen Universitätsstadt Oldenburg statt. Mit dem Energiegespräch, an dem der EnBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis und EWE-Chef Werner Brinker teilnehmen, sowie einer Vielzahl an Themenvorträgen bieten die zum sechsten Mal veranstalteten Gastage den Versorgern, der Politik und der Wissenschaft erneut ein Forum für Diskussionen über die derzeitige Lage und künftige Herausforderungen für die Branche. Neben der Situation in Deutschland wird die Veranstaltung ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung in Europa und hier vor allem innerhalb der Gas-Regional-Initiative Nord-West legen. Schwerpunktland in diesem Jahr ist Norwegen.


 
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Montag, 12.10.2009, 10:04 Uhr