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Enerige & Management > Kernkraft - Schweizer Kernkraftwerke "unveräußerlich"
Bild: Fotolia.com, Thorsten Schier
KERNKRAFT:
Schweizer Kernkraftwerke "unveräußerlich"
Die Schweizer Kernkraftwerke produzieren ihren Strom doppelt so teuer wie der Markt notiert. Ein Dilema für die Betreiber deren Rettungsaktionen mangels Perspektive scheitern.
 
Starker Franken, hohe Produktionskosten, kein Zutritt zum EU-Markt. Die Lage der KKW-Eigentümer weckt Besorgnisse: Die „Sonntags-Zeitung“ zitierte am 6. November Alpiq-Aufsichtsratspräsidenten Jens Alder, der künftige Cashflow aus den KKW Gösgen und Leibstadt sei derart negativ, dass eine Abtretung die beste Option für den Konzern darstelle. Vergleichbar äußerte sich der Aufsichtsratspräsident der Axpo, Thomas Sieber, schreibt das Blatt unter Berufung auf vertrauliche Protokolle aus dem Parlamentsausschuss für Energie (UREK-NR), der im Mai tagte. Axpo und Alpiq sind mit Abstand die größten KKW-Eigentümer der Schweiz.
Unterdessen versucht Alpiq, seine unrentablen Anlagen loszuwerden. So winkte der französische KKW-Betreiber EDF eine Beteiligung ab, was plausibel erscheint. Die Akteure sind vielfältig über Kreuz verflochten und Eigentumsübereignungen nichts neues: Alpiq verfügt über Bezugsrechte aus KKW der EDF und den Franzosen wiederum gehört 25 % der Alpiq.
Für Alpiq ist die ständige Wertverminderung ein Problem: 2015 wiesen die KKW Leibstadt Jahreskosten von umgerechnet 55 Euro/MWh aus (Vorjahr 40 Euro) und Gösgen 47 Euro/MWh nach 31 Euro/MWh ein Jahr zuvor. In Alpiqs Büchern schlägt sich das Gesamtergebnis des KKW Leibstadt mit minus 118 Mio. Euro (2015) nieder und dasjenige von Gösgen mit 84 Mio. Euro. Neue Finanzmodelle und Nachschusspflichten dürften 2016 bei beiden KKW die Rechnung ins rote oder gar tiefrote kippen lassen. Dies, obwohl vor zwei Jahren die Abschreibung von 50 auf 60 Jahre Betriebszeit verlängert wurde.
Stromhändler werden im Terminhandel zudem berücksichtigen, dass die Schweiz nicht Teilnehmer am Strommarkt der EU ist. Im- und Exporte sind mit finanziellen und politischen Unsicherheiten behaftet. Problematisch ist auch die Gesellschafterstruktur der Kernkraftanlagen: Sie sind Gemeinschaftskraftwerke, schweizerisch Partnerkraftwerke. Die Partner sind verpflichtet, anteilsmäßig die Produktion zu Jahreskosten, inklusive geplante Gewinne des KKW, zu übernehmen. Im Konkursfall eines Partners müsste wahrscheinlich der Rest die Ausstände schultern.
Der Sozialdemokratische Energiepolitiker und AKW-Kritiker Rudolf Rechsteiner rechnet in einer jüngsten Branchenanalyse mit Betriebsverlusten der gesamten Flotte, also Leibstadt, Gösgen, Beznau I und II, (Mühleberg geht 2019 aus „wirtschaftlichen Gründen“ vom Netz), von 500 bis 600 Mio. Euro Defizit pro Jahr. Beim Stromkonzern Axpo, mit den bald fünfzigjährigen Anlagen auf der Beznau, dürfte das Problem akuter sein mit geschätzten Produktionskosten von 65 Euro/MWh.
Die wirtschaftliche Situation der Kernkraftwerke wird vor dem Hintergrund einer anstehenden Volksabstimmung über den Atomausstieg am 27. November geführt. Axpo wie Alpiq kündigten bereits Schadensersatzklagen im Umfang von 6 Mrd. Franken (5,56 Mrd. Euro) an, falls das Volksbegehren angenommen würde – nach den jüngsten Presseberichten ist aber unklar, wie man für etwas, was am Markt nichts wert ist, Schadensersatz fordern kann.

 
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Dienstag, 08.11.2016, 16:23 Uhr