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Enerige & Management > Interview - Seele: „Zusammenarbeit mit Gazprom außerordentlich wichtig“
Bild: Fotolia.com, iQoncept
INTERVIEW:
Seele: „Zusammenarbeit mit Gazprom außerordentlich wichtig“
Dr. Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der Wintershall, über den Ausbau der Gasförderaktivitäten der BASF-Tochter in Russland und mögliche Auswirkungen der gegen das Land verhängten Sanktionen.
 
E&M: Herr Dr. Seele, Wintershall will sich im Gasgeschäft zum reinen E&P-Unternehmen wandeln und sich auf die Gasförderung konzentrieren. Was sind die Hauptgründe für die Trennung vom Gashandel?
 
Seele: Bei der Exploration und Produktion von Öl und Gas können wir unser umfangreiches technologisches und operatives Know-how einbringen. Deshalb konzentriert sich Wintershall auf ihre Stärken im Upstream-Geschäft. Wir wollen die Exploration und Produktion von Öl und Gas ausbauen – durch organisches Wachstum und gezielte Akquisitionen. Wir bauen Wintershall weiter zu einem führenden deutschen, international agierenden Rohstoffproduzenten aus. Wingas hingegen erhält beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung auf dem europäischen Gasmarkt.
 
Rainer Seele: „Wir arbeiten nach wie vor gemeinsam für den Erfolg unserer Projekte“
Bild: Wintershall

E&M: Sie verkaufen ihre bisherige Gashandelstochter Wingas an den Joint-Venture-Partner Gazprom. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie ihrem bewährten Partner da angesichts der momentan eher russlandfeindlichen Haltung in Europa möglicherweise keinen Gefallen tun?
 
Seele: Gazprom ist für Deutschland und Westeuropa seit Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner für die Versorgung mit Erdgas. So blickt unsere deutsch-russische Tochtergesellschaft Wingas auf 20 Jahre erfolgreiches Geschäft zurück. Das wird sich nicht ändern. Wir in Europa müssen uns klar sein, dass es keine einseitige Abhängigkeit gibt: Wir brauchen das russische Gas, um die zurückgehende heimische Produktion zu ersetzen und Russland braucht die Sicherheit einer langfristigen Gasabnahme. Gazprom und Wintershall sind davon überzeugt, dass der Austausch für beide Unternehmen von Vorteil ist.
 
E&M: Sie mussten den Abschluss des Wingas-Verkaufs im Juli verschieben. Welche Rolle hat dabei die Diskussion über Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine gespielt?

„Exploration und Produktion von Öl und Gas ausbauen“
 
Seele: Keine. BASF und Gazprom haben am 23. Dezember 2013 in Moskau den abschließenden Vertrag unterzeichnet, nachdem die Europäische Kommission der Transaktion bereits ohne Einschränkungen zugestimmt hatte. Die Arbeit zur Umstrukturierung und Vorbereitung der Assets der jeweiligen Parteien läuft planmäßig. Aber der komplexe juristische Unbundling-Prozess – die Gründung neuer Gesellschaften in Russland, in den Niederlanden und Deutschland – dauert länger. Daher erwarten wir die finale Umsetzung im vierten Quartal 2014 – mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. April 2013.
 
E&M: Wollten Sie mit der Veränderung des Wintershall-Vorstands im Juli ein Zeichen dafür setzen, dass das Geschäft unumkehrbar ist?
 
Seele: Nein. Strategie der Wintershall ist es, die Exploration und Produktion von Öl und Gas auszubauen. Um dieser strategischen Ausrichtung verstärkt Rechnung zu tragen, haben wir die Zuständigkeiten im Vorstand angepasst. Wir werden in Zukunft zwei Vorstände haben, welche die Explorations- und Produktionsaktivitäten gestalten. Mario Mehren übernimmt zusätzlich zum Russland-Geschäft die Schwerpunktregionen Südamerika und Nordafrika. Martin Bachmann steuert das europäische Kerngeschäft mit den Förderregionen Deutschland, Niederlande und Norwegen und wird die Entwicklungsregion Middle East aufbauen. Gerhard König wird weiter die Wingas führen und mit Abschluss des Austausches zur Gazprom-Gruppe wechseln.
 
E&M: Wintershall will im Tausch gegen Wingas von Gazprom weitere Anteile an Gasfeldern in Sibirien übernehmen und Aktivitäten in der Gasförderung ausbauen. Sind Ihre E&P-Aktivitäten in Russland von den jüngst beschlossenen Sanktionen betroffen?
 
Seele: Nein, wir haben die von der EU bis einschließlich 31. Juli 2014 verhängten Sanktionen weitestgehend überprüft und sehen derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen auf unser Geschäft.
 
E&M: Beeinträchtigen die jüngst beschlossenen Sanktionen die Zusammenarbeit zwischen Wintershall und Gazprom auf der Arbeitsebene?
 
Seele: Wir arbeiten nach wie vor gemeinsam für den Erfolg unserer Projekte. Daran wird sich auch nichts ändern. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Gazprom ist uns außerordentlich wichtig.


Rainer Seele
Der promovierte Chemiker Rainer Seele leitet seit 2009 die Wintershall Holding GmbH in Kassel. Dem Vorstand des Konzerns gehört er bereits seit 2002 an. Von 2002 bis 2009 war er Sprecher der Geschäftsführung der Wingas GmbH, der gemeinsamen Gashandelstochter von Wintershall und Gazprom. Die Sanktionen gegen Russland sieht er kritisch, „da wir der Überzeugung sind, dass sie nicht geeignet sind, die damit intendierten Ziele zu erreichen“, will sie aber mittragen, wie er Ende Juli erklärte.

 
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Montag, 11.08.2014, 13:58 Uhr