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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Setzermann: "Es ist Eile geboten, in den Strommarkt einzusteigen"
Bild: Jonas Rosenberger
ELEKTROFAHRZEUGE:
Setzermann: "Es ist Eile geboten, in den Strommarkt einzusteigen"
Ulrich Setzermann von Lumenaza sieht für Anbieter von Produkten rund um die E-Mobilität viel Potenzial und will mit flexiblen Tarifen die Kunden überzeugen.
 
E&M: Herr Setzermann, Lumenaza hat im vergangenen Herbst zusammen mit dem KfZ-Sachverständigen und Influencer Ove Kröger einen Stromtarif auf den Markt gebracht. Das ist sehr ungewöhnlich.

Setzermann: Wir ermöglichen jedem, der Zugang zu Kunden hat, Energieversorger zu werden. Das kann über eine White-Label-Lösung geschehen oder ein Co-Branding. Wir können das sehr schnell realisieren. Innerhalb von vier bis acht Wochen können wir einen Co-Branding-Tarif auf den Markt bringen. Wir kümmern uns um alles. Wir haben die Energieversorgerlizenz, wir machen das Bilanzkreismanagement und die Direktvermarktung und kümmern uns um die Kommunikations- und Wechselprozesse.

E&M: Der Tarif verspricht günstigen Grünstrom für Elektrofahrzeuge. Ist das überhaupt ein Geschäft angesichts der immer noch geringen Zulassungszahlen für E-Autos?

Setzermann: Die Zulassungszahlen zeigen dreistellige Wachstumsraten. Im Juli lag der Anteil der E-Autos bei den Neuzulassungen schon bei fünf Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch 1,5 Prozent. Der Markt wird weiterhin schnell wachsen. Bei diesem Tarif sind aber vor allem zwei Dinge wichtig: Zum einen basiert er auf dem Paragraf 14a EnWG. Das bedeutet, Nutzer, die ihr Fahrzeug netzdienlich laden, können in den Genuss reduzierter Netzentgelte kommen. Wenn man sich vor Augen führt, dass der Strombedarf eines E-Autos etwa mit dem Jahresverbrauch eines Haushalts vergleichbar ist, dann macht eine Ersparnis von 20 bis 25 Prozent durch reduzierte Netzentgelte schon eine Menge aus. Diesen Nutzen wollen wir sowohl für den Kunden als auch für den Netzbetreiber erschließen. Zum anderen wird der E-Mobilitätsmarkt schon bald hart umkämpft sein.
 
„Der Markt wird weiterhin schnell wachsen“
 
E&M: Gibt es überhaupt schon die Möglichkeiten, das Laden zu steuern?

Setzermann: Die Steuerung ist kein Problem. Der Kunde muss bei sich einen zusätzlichen Zähler und einen Rundsteuerempfänger installieren lassen. Es hakt jedoch ab und zu am dafür erforderlichen Platz im Zählerkasten. Dann muss der Kasten vergrößert werden. Das kostet natürlich Geld und schmälert leider die Ersparnis aus den reduzierten Netzentgelten.

E&M: Wird das Smart Meter Gateway Abhilfe schaffen?

Setzermann: Smart Meter Gateways sollen zwar einmal alle möglichen Geräte und Anlagen steuern, bis sie aber dafür zertifiziert sind, wird wohl noch mehr als ein Jahr vergehen. Man darf nicht vergessen, dass auch die intelligenten Messsysteme Kosten verursachen. Sie werden jedoch viele Anwendungsmöglichkeiten bieten und Grundlage für viele Geschäftsmodelle sein. Wir stehen hierzulande allerdings erst ganz am Anfang.

E&M: Dann ist doch keine Eile geboten, jetzt flexible Tarife anzubieten.

Setzermann: Es ist Eile geboten, in den Strommarkt einzusteigen und Angebote für E-Autonutzer zu machen. Denn wir sehen gerade, dass die Mineralölkonzerne nach und nach realisieren, dass sich ihr bisheriges Geschäft in ein paar Jahren vollständig aufgelöst haben wird. Und die Automobilkonzerne drängen ja ebenfalls in den Markt der etablierten und neuen Energieanbieter. Sie verkaufen Wallboxen und setzen auf Carsharing und andere Mobilitätskonzepte, sie investieren in Speicher und in die öffentliche Ladeinfrastruktur. Da wäre der logische nächste Schritt, in die Energieversorgung einzusteigen und eigene Tarife anzubieten. In diesem Zusammenhang sind wir auch überzeugt, dass ein Automobilkonzern unbedingt eine Strom-Community braucht.

E&M: Sie wollen Strom-Communities für Autohersteller aufbauen?

Setzermann: Ja, die ersten Gespräche waren sehr positiv. Man darf nicht vergessen, die E-Mobilität ist ein neuer Markt mit zusätzlichen Energiemengen, ganz im Gegensatz zum herkömmlichen Strommarkt, bei dem sich allenfalls die Marktanteile einzelner Player ändern, aber kaum das Volumen insgesamt.
 
Ulrich Setzermann: „Wir sind überzeugt, dass ein Automobilkonzern unbedingt eine Strom-Community braucht“
Bild: Lumenaza

E&M: Werden 20 bis 25 Prozent ausreichen, um die Kunden zur Flexibilität zu bewegen? Immerhin geben sie die Souveränität über ihr Fahrzeug auf.

Setzermann: Das ist sicher ein Knackpunkt. Aber wenn die vertragliche Gestaltung unkompliziert ist und das flexible Lademanagement einfach umgesetzt wird, nehmen die Kunden einen solchen Tarif an. Das sehen wir an dem E-Mobiltarif, den wir im vergangenen Herbst aufgelegt haben.

E&M: Letztlich müssen auch die Verteilnetzbetreiber mitspielen. Eine rechtsverbindliche Verordnung über abschaltbare Lasten gibt es ja noch nicht.

Setzermann: Das stimmt. Da fehlt noch der regulatorische Rahmen. Wenn ein Verteilnetzbetreiber der Meinung ist, dass in seinem Gebiet netzdienliches Laden nicht erforderlich ist, ist das eine Hürde für einen flexiblen Tarif mit reduzierten Netzentgelten. Ich habe aber bisher nur bei einem einzigen Netzbetreiber erlebt, dass er sich quergestellt hat.

E&M: Welche Rolle spielt das bidirektionale Laden?

Setzermann: Eine ganz wichtige Rolle. Und es stellt sich sowieso die Frage, warum man überhaupt einen stationären Speicher für zu Hause anschaffen soll, wenn man ihn mit der größten Anschaffung des Haushalts − das ist ja meist das Auto − automatisch dazubekommt. Aber im 14a EnWG ist das bidirektionale Laden noch gar kein Thema. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es bei der Neugestaltung des Paragrafen berücksichtigt wird, denn erst damit lässt sich dann das ganze Potenzial der E-Mobilität als Flexibilitätsoption ausschöpfen.

E&M: Für die Batterien bedeutet das wesentlich mehr Ladezyklen. Altern sie dann nicht früher?

Setzermann: Das galt tatsächlich für die Batterien früherer Generationen. Die Batterien, die Tesla derzeit in seinen Autos verbaut, sind auf eine Fahrleistung von 1,6 Millionen Kilometer ausgelegt. Die schaffen die zusätzlichen Ladezyklen für das bidirektionale Laden. Wir müssen uns auch von der Vorstellung verabschieden, dass die Fahrzeuge immer vollgeladen sein müssen. Zum einen schont man die Batterie, wenn man sie immer zwischen 20 und 80 Prozent Ladestand hält. Zum anderen kann man sicher oft auch mal 25 Prozent abgeben und hat immer noch 40 Prozent zur Verfügung, die für die Fahrt ins Büro und zurück vollkommen ausreichen. E&M
 
Zur Person

Ulrich Setzermann ist Principal Consultant bei Lumenaza und dort für die Produkte rund um die E-Mobilität verantwortlich.
 

 
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