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Enerige & Management > Stromnetz - Sichere Stromversorgung in unsicheren Zeiten
Hochsicherheitstrakt: Hauptschaltleitung der Transnet BW in Wendlingen bei Stuttgart. Bild: Transnet BW
STROMNETZ:
Sichere Stromversorgung in unsicheren Zeiten
Die Maßnahmen, die Stromnetz- und Kraftwerksbetreiber angesichts der Corona-Virus-Pandemie ergreifen, werden drastischer. Darüber reden wollen sie aber lieber nicht.
 
Zunächst machten Bilder von Wien-Energie-Mitarbeitern die Runde, wie sie sich zu dutzenden schon mal häuslich im Müllkraftwerk einrichten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und sich nicht außerhalb der Arbeitsstätte anzustecken. Im Betriebsgelände hatte man Wohncontainer aufgestellt und Reservesteuerungsanlagen aktiviert, Besprechungszimmer zu Schlafsälen umgestaltet, Kücheneinrichtungen installiert und Waschmaschinen angeschlossen.

Dann sorgte am Mittwoch Eon-Chef Johannes Teyssen bei der Bilanzpressekonferenz für Aufsehen, als er von mehreren hundert Mitarbeitern sprach, die man „kasernieren“ könne. Ein Konzernsprecher betonte auf E&M-Nachfrage, dass es so weit noch nicht sei. Von Wohncontainern sei man noch weit entfernt. Aber der Konzern halte beispielsweise nach Gasthöfen Ausschau, um dort Personal in der Nähe der Betriebsstätten unterzubringen. Und in den besonders sensiblen Leitwarten gebe es ohnehin Schlaf- und Versorgungsmöglichkeiten.

Besonders an einem aber will der Eon-Sprecher keinen Zweifel aufkommen lassen: Man nehme die Lage sehr ernst. „Die Stromversorgung gehört zum Kritischsten überhaupt. Davon hängt alles ab, auch die Krankenhäuser.“

Bei der Eon-Tochter Bayernwerk, die Teyssen mit dem Thema Feldbetten ins Spiel gebracht hatte, prüft man ebenfalls alternative Unterbringungsmöglichkeiten für Beschäftigte in Schlüsselfunktionen, etwa für das Netzleitstellenpersonal. Auch habe man Schichtsysteme umgesetzt, die gewährleisten, dass die Mitarbeiter der verschiedenen Gruppen nicht miteinander in Kontakt kommen, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Ein besonders sensibler Bereich der Stromversorgung sind grundsätzlich die Übertragungsnetze. Die Leitwarten von 50 Hertz, TransnetBW, Tennet und Amprion sind deshalb auch regelrechte Hochsicherheitstrakte. Es kommt niemand rein, der nicht direkt dort arbeitet, und auch gegen Angriffe von außen ist man gewappnet. Es gibt Reserveleitstände, die mit Personal besetzt werden können, das mit der anderen Gruppe keinen Kontakt hat und auch nicht mit Kollegen aus anderen Abteilungen. Eine „Kasernierung“ ist aber zumindest, wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte, bei Transnet BW noch kein Thema.

Netze auch bei sinkender Stromnachfrage stabil

„Wir haben uns entschieden, bei den Sicherheitsmaßnahmen nicht ins Detail zu gehen“, formuliert ein 50-Hertz-Sprecher mit Verweis auf die anderen Übertragungsnetzbetreiber. Nur so viel: Man passe die Sicherheitslage regelmäßig an und tue alles, um die Angestellten in den Leitwarten zu schützen. Obwohl die Arbeit dort sehr spezialisiert sei, gebe es einen ausreichenden Personalpuffer.
Wie es in einer offiziellen Stellungnahme der Übertragungsnetzbetreiber zur Corona-Situation heißt, habe man den Kontakt der Mitarbeiter eingeschränkt, ebenso den Zugang zu bestimmten Betriebsstätten. Mit dem Rückgang beim Strombedarf werde man ebenfalls fertig. Dieser werde keine Auswirkungen auf die Stabilität der Versorgung haben. Die Anpassung an kurzfristige Angebots- und Nachfrageveränderungen gehöre zum täglichen Geschäft der Systemführung: „Im Verbund stehen ausreichend Werkzeuge zur Verfügung, um diese möglichen Schwankungen auszugleichen.“

Bundesnetzagentur sieht Energiewirtschaft „bestmöglich vorbereitet“

Dass trotz der schwierigen Lage alles sicher läuft, bestätigt auch die Bundesnetzagentur. Man stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Netzbetreibern und Energieversorgern und lasse sich über die aktuelle Lage und die getroffenen Vorsorgemaßnahmen informieren. Die Unternehmen müssten wöchentlich berichten, bei aktuellen Entwicklungen sei eine sofortige Information vereinbart. „Nach unserer Einschätzung ist die Energiewirtschaft bestmöglich vorbereitet, die sichere Versorgung zu gewährleisten. Eine besondere Gefährdung der Strom- und Gasversorgung ist derzeit nicht erkennbar“, betonte ein Behördensprecher gegenüber E&M.

Bei der EnBW-Bilanzpressekonferenz am Donnerstag kam auch der Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux nicht darum herum, das Thema an den Anfang der Veranstaltung zu stellen. Dabei hob er die bereits Anfang Februar gegründete Corona-Task-Force hervor, in der alle relevanten Geschäfts- und Fachbereiche vertreten sind. Dort werde in enger Abstimmung mit Ministerien, Gesundheitsbehörden und Partnern die Situation tagesaktuell beurteilt und die Maßnahmen würden entsprechend angepasst.

Ziel sei es, alle Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen und gleichzeitig die Stabilität der kritischen Prozesse und Aufgaben sicherzustellen. „Was wir sehen ist eine hohe Qualität und Professionalität in den Teams“, würdigte Mastiaux die Leistung seiner Mitarbeiter unter erschwerten Bedingungen.

Auch wenn sich die Konzerne bei ihren Sicherheitsplanungen nicht in die Karten schauen lassen wollen, so gibt es doch Aussagen, die Schlussfolgerungen zulassen. „Im Rahmen unseres normalen Geschäftsbetriebes sind wir auf jeden Notfall in diesem Bereich vorbereitet, weit über die derzeitige Bedrohung durch Covid-19 hinaus“, heißt es in der erwähnten Stellungnahme der Übertragungsnetzbetreiber zur Corona-Epidemie. Die dürfte also in der Hierarchie der Szenarien, für die es Notfallpläne gibt, noch nicht ganz oben angesiedelt sein.

 
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Donnerstag, 26.03.2020, 16:51 Uhr