• Wuppertal wieder in der Gewinnzone
  • Schlüssel Spark funktioniert ohne Batterie
  • EWE mit Kurs auf Klimaneutralität
  • VNG Gründungsmitglied bei H2Global
  • Stadtwerke Krefeld ziehen erfreuliche Bilanz
  • Energiesparen durch Gebäudesanierung
  • Axpo steigert Gewinn im ersten Halbjahr
  • Thüga Smart Service in Freudenstadt aktiv
  • Umweltbundesamt warnt: Deutschland wird heißer und trockener
  • 9,36 Mio. Euro für Enapters Automatisierungspläne
Enerige & Management > Stadtwerke - Smart Watts geht in den Feldversuch
Bild: Fotolia.com, topae
STADTWERKE:
Smart Watts geht in den Feldversuch
Kunden der Stadtwerke Aachen testen modernste Technik zur Laststeuerung in Haushalten, berichtet Gerd Lengsdorf*.
 
Ortstermin in Aachen. Es geht um intelligenten Energieeinsatz. Hintergrund ist das starke Anwachsen von Strom aus Wind und Sonne, der die Netze aufgrund der schwankenden Einspeisung immer wieder vor stärkere Belastungen stellt. Ist zu wenig Kapazität im Netz, müssen Kraftwerke hochgefahren werden, um Verbrauchsspitzen – beispielsweise zur Mittagszeit – abzudecken. Steht zu viel Strom zur Verfügung, muss er im ungünstigsten Fall abgeregelt werden. Um dieses Ungleichgewicht abzubauen, liegt es nahe, Stromangebot und -nachfrage besser aufeinander abzustimmen.

Das war auch vor rund vier Jahren der Startschuss für das Projekt „Smart Watts – die intelligente Kilowattstunde“, das im Rahmen des E-Energy-Programms von der Bundesregierung gefördert wurde. Für die Umsetzung sind sechs Partner verantwortlich, darunter die Stadtwerke Aachen (Stawag) als Schnittstelle zu den Endverbrauchern und der Smart-Metering-Spezialist utilicount GmbH & Co. KG.
Sie entwickelten gemeinsam ein System, das in Privathaushalten Waschmaschine, Wäschetrockner, Geschirrspüler und Gefrierschrank abhängig vom Stromangebot steuert. Wesentliche Bestandteile sind dabei Steckdosen, die per Funk die Energiezufuhr regulieren, sowie ein Home-Automation-System, der EEBus, als zentrale Schalteinheit.

Dieses kommuniziert mit dem Stromzähler (Smart Meter) und via Router mit einem Tablet-PC, der mit einer externen Datenzentrale verbunden ist, die umfangreiche Informationen bereitstellt, unter anderem, wie sich der Strompreis in den nächsten 24 Stunden entwickelt.

Über eine spezielle App ist es jetzt ein Leichtes, Geräte zeitlich zu programmieren: Der Geschirrspüler startet dann um 2 Uhr nachts und der Gefrierschrank wird zwischen 18 und 22 Uhr um zwei Stufen zurückgefahren – abhängig davon, ob der Strom günstig oder teurer ist.

Hört sich kompliziert an? Ist es auch. Insgesamt hat es rund drei Jahre gedauert, bis das Zusammenspiel der Komponenten im Versuchslabor verlässlich funktionierte. Besondere Beachtung fand dabei der EEBus. Er schließt die technologische Lücke zwischen der Energieversorgung und dem Verbraucher durch ein modulares, offenes und auf Standards beruhendes Vernetzungskonzept.

In Alltagseinsatz sorgt der EEBus als Dolmetscher zwischen den Protokollen verschiedener Geräte für eine sichere und transparente Kommunikation und ermöglicht ein funktionsfähiges Smart Home. „Rückblickend müssen wir zugestehen, dass die Zusammenführung der unterschiedlichen Akteure zu einem Gesamtsystem sehr komplex war“, zieht Til Landwehrmann von der Kellendonk Elektronik GmbH ein erstes Fazit. Mit dem Smart-Watts-Projekt sei es aber gelungen, die Voraussetzung für den Einsatz von Smart-Energy-Konzepten in der Fläche zu schaffen. Die Technik könne einen wichtigen Beitrag zur Netzentlastung leisten.
 
Aus dem Labor in den Alltag
 
Was im Labor funktioniert, muss nun die Leistungsfähigkeit im Alltag beweisen. Anfang Dezember 2012 war es soweit. In Aachen begann der Rollout in 250 Haushalten. Einer der ersten war der der Familie Kanthak. „Da wir ohnehin schon zahlreiche Maßnahmen zum Energiesparen umgesetzt haben, hat uns das Projekt sehr interessiert“, sagt Sabrina Kanthak.

Mittlerweile ist die Technik gut drei Monate im Einsatz. „Das System läuft seit zwei Wochen stabil“, berichtet sie. „Anfangs gab es Störungen, die über den Tablet-PC und Warnlampen an den Steckern zu erkennen waren. Wir mussten dann das System runterfahren und neu starten.“

Eine Erste-Hilfe-Seite im Internet unterstützt das Beheben kleinerer Probleme. Als Ursachen für diese sehen Techniker auch bauliche Besonderheiten. „Wenn sich die Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses befindet und der Zähler im Keller angebracht ist, kann es eine Zeit dauern, bis eine stabile Datenübermittlung aufgebaut ist“, schildert Hauke Hinrichs, Projektleiter bei der Stawag, ein Beispiel.
 
Handfeste Vorteile für den Verbraucher gefragt
 
Damit aus der Versuchsanlage ein Serienprodukt werden kann, muss die Technik nicht nur stimmen, sondern auch Vorteile für die Kunden bringen. Zum Beispiel durch einen dynamischen Strompreis, der abhängig von Angebot und Nachfrage differiert. Ein solcher Unterschied wäre dann auch ein Anreiz, Waschmaschine oder Geschirrspüler so zu programmieren, dass sie dann laufen, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien im Netz hoch und der Strompreis niedrig ist.

„Derzeit fehlen dafür noch verbindliche Standards für die Abrechnung dynamischer Preise“, macht Hinrichs deutlich, woran es hapert. "Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Entwicklung schnell voranschreitet, und dann können wir von unseren Erfahrungen profitieren.“

Von nützlichen Erfahrungen berichtet auch Sabrina Kanthak. „Wir haben ein Gerät in unserem Haushalt entdeckt, das morgens viel zu früh anging und unnötig Strom verbrauchte. Jetzt ist es richtig eingestellt, und wir sparen einige Kilowattstunden.“
Der Betreuungsaufwand pro Haushalt liegt zu Beginn des Feldversuches bei ein bis zwei Stunden im Monat. Dennoch ist das Interesse groß. „Die positiven Berichte über Smart Watts haben dazu geführt, dass die Nachfrage die freien Plätze im Feldversuch überstieg“, heißt es bei der Stawag.
 
Neue Geschäftsfelder und neue Anwendungsbereiche
 
Wie geht es weiter? Der Versuch läuft, obwohl das E-Energy-Projekt bereits abgeschlossen ist, noch bis Ende des Jahres. Nach Aussage der Verantwortlichen geht es vor allem darum, belastbare Erfahrungen über einen längeren Zeitraum zu sammeln. Danach folgt eine detaillierte Auswertung.

„Für die Stawag kann das heißen, in weiteren Projekten marktfähige Kundenprodukte daraus abzuleiten“, blickt Hinrichs nach vorn. Ähnliche Pläne gibt es auch für den EEBus. Über den Verein EEBus ist man nachhaltig in der Normung aktiv und arbeitet daran, EEBus-fähige Produkte zu entwickeln und anzubieten.

Dass mit dem Projekt ein wichtiger Beitrag zur Reduzierung der Netzbelastung möglich ist, steht für die Stawag außer Frage. „Mit 250 Haushalten können wir nicht viel erreichen. Wenn aber 150 000 Haushalte in ganz Aachen ihren Verbrauch entsprechend steuern, kann damit der Bedarf an Regelenergie reduziert und in der Folge eine beachtliche Menge CO2 eingespart werden“, so eine Unternehmenssprecherin.

*Gerd Lengsdorf, Journalist, Bonn

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 08.04.2013, 14:41 Uhr