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Enerige & Management > Politik - SPD-Konzept für zukunftsfähiges Stromsystem
Bild: Fotolia.com, Tom-Hanisch
POLITIK:
SPD-Konzept für zukunftsfähiges Stromsystem
Mit einem „Fexibilitäts- und Speichergesetz“ wollen der für Energie designierte Minister im Kompetenzteam von Peer Steinbrück, Matthias Machnig, und die Energieexpertin Claudia Kemfert, in Hessen im Kompetenzteam, Hemmnisse für einen funktionierendes Stromsystem mit erneuerbaren Energien abbauen.
 
„Das Stromsystem der Zukunft wird wesentlich auf den fluktuierenden Technologien Wind und Photovoltaik als den kostengünstigsten Erneuerbaren-Technologien basieren und bedarf daher einer fundamentalen Neuordnung“, heißt es in dem Konzept für ein zukunftsfähiges Stromsystem, das Kemfert und Machnig am 5. September in Berlin vorgestellt haben. Die Bundesregierung habe, wenn sie die Integration der erneuerbaren Energien in das bestehende Stromsystem fordere, „die fundamentalen Herausforderungen der Energiewende nicht verstanden“, kritisieren Machnig und Kemfert. Es müsse darum gehen, die einzelnen Teilbereiche des Stromsystems, die bisher weitgehend separat voneinander agieren, intelligent zusammenzuführen.

Auf der einen Seite sollten dafür die fluktuierenden erneuerbaren Energien ihren Strom so bedarfsgerecht wie möglich produzieren, während auf der anderen Seite die fossilen Kraftwerke, die Stromnachfrage und die Speicher ihr Verhalten an die Wind- und Sonnensituation anpassen. Intelligente Stromnetze dienten als Mittler zwischen den verschiedenen Akteuren, heißt es dazu. Für die Erneuerbaren bedeute dies, systemdienliche Auslegung und Betrieb der Anlagen sowie verstärkte Übernahme von Systemdienstleistungen. Die fossilen Kraftwerke bräuchten eine schnell anpassbare flexible Fahrweise, der Must-Run-Sockel müsse reduziert werden.

Der Ausbau der Stromnetze sollte nicht bis zur letzten Kilowattstunde, sondern „optimiert im Sinne des Gesamtsystems“ erfolgen. Vonnöten sei außerdem die Flexibilisierung der Stromnachfrage durch aktives Lastmanagement und die Reduktion der Systemkosten durch Stromeffizienz. Dezentrale Speicher sollten systemdienlich ausgelegt und betrieben werden.

Reform von hemmenden Regelungen

Um dies möglichst schnell zur Anwendung zu bringen, schlagen Machnig und Kemfert ein Flexibilitäts- und Speichergesetz vor. Damit soll erstens eine Reform der Regelenergiemärkte erfolgen, unter anderem durch die Öffnung für kleinere Anbieter und für erneuerbaren Energien, tägliche Ausschreibung der Regelenergie und durch die Ergänzung des Leistungsmarktes durch einen „Markt für elektrische Arbeit“. Zweitens soll mehr Transparenz und Wettbewerb bei der Vergabe von Systemdienstleistungen wie etwa Blindleistung und Schwarzstartfähigkeit hergestellt werden.

Drittens sollen Hemmnisse beim Lastmanagement abgebaut werden durch „Reform von kontraproduktiven Regelungen für Industriekunden bei Netzentgeltausnahmen und Netzentgeltberechnungen, die Zulassung von Intermediären bei der negativen Regelenergievermarktung sowie den Abbau von Hemmnissen im Bereich der Umlagen und Abgaben für Power-to-Heat. Beim Eigenverbrauch sollen Entgelt- und Abgabebefreiungen so angepasst werden, dass die Anlagen ihre Produktion am Strompreissignal ausrichten.

Stromspeicher sollen durch das Gesetz als „Netzbetriebsmittel“ zur Verringerung des Must-Run etabliert werden, zum Beispiel Schwungmassenspeicher für Kurzschluss- und Blindleistung, Kondensatorspeicher für Blindleistung, Batteriespeicher für Regelleistung. Darüber hinaus solle es eine technologische Speicher-Offensive in einer Modellregion geben.

Systemdienlichere Auslegung von Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen

Laut dem Konzept soll eine kontinuierlichere Stromerzeugung der fluktuierenden erneuerbaren Energien erreicht werden: Windkraftanlagen sollen durch eine bessere Auslegung des Generator-Rotor-Verhältnisses auch in Schwachwindsituationen Strom produzieren können. Photovoltaik-Anlagen sollten künftig mehr in Ost-West-Richtung ausgerichtet sein, um die Mittags-Peaks zu mildern. Biogas-Anlagen sollten von ihrer Regelbarkeit Gebrauch machen und zum Ausgleich eingesetzt werden.

Die „vormarktliche Verknüpfung“ von Wind-, Solar-, Biogas-Anlagen und Speichern müsse angereizt werden. „Perspektivisch können PV-Großanlagen am Regelenergiemarkt die Eigenschaften bisheriger konventioneller Großkraftwerke ersetzen, wenn sie in virtuelle Kraftwerke eingebunden oder mit Speichern gekoppelt werden“, heißt es dazu. Machnig und Kemfert verweisen darauf, dass bereits heute große PV-Anlagen wichtige Systemdienstleistungen übernehmen und zum Beispiel durch die Einspeisung von Blindleistung zur lokalen Systemstabilisierung in Verteilnetzen beitragen. Durch einen „Markt zur Honorierung von Systemdienstleistungen" könne dies weiter ausgebaut werden.

Die Förderung von Offshore-Wind, der als „Systemstabilisator“ wirke und darüber hinaus aber auch regional- und strukturpolitisch große Chancen biete, sollte nach Ansicht von Machnig und Kemfert mehr unter industriepolitischen Aspekten gesehen und daher nicht primär über das EEG gefördert werden. „Dann wird es auch zu Entlastungen bei der EEG-Umlage kommen.“

Auch KWK-Anlagen müssen sich anpassen

Bei den konventionellen Kraftwerken muss laut dem Konzept durch ein neues Marktdesign für die zur Netzentlastung nötigen Flexibilitäten gesorgt werden. Mit modernen flexiblen Gaskraftwerken und – im kleinen Maßstab mit BHKW könne der Bedarf an konventionellen Must-Run-Kapazitäten „deutlich“ gesenkt werden. KWK-Anlagen müssten durch die Errichtung von Wärmespeichern ihre Stromproduktion an die Nachfrage anpassen, „das heißt, ihre Strom- und Wärmeproduktion in sonnen- und windarme Zeiten verlagern“.

Kleinere Erneuerbaren-Anlagen könnten durch Pooling an der Direktvermarktung teilnehmen und sollten auch in die Netzfernsteuerung integriert werden, damit eine Abregelung nicht nur bei drohender Netzüberlastung erfolgen könne, heißt es weiter. Es dürfe aber dabei nicht zu Einnahmeausfällen bei den Betreibern kommen. Bei den Netzen sei insgesamt die kommunikative Vernetzung und Steuerung sowie der Datenaustausch zwischen Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreibern zu erweitern und verbessern. Investitionen und Innovationen seien in der Anreizregulierung stärker zu berücksichtigen. Anreize müsse es auch zur größeren Verbreitung von Smart Metern geben.

Um das Demand-Side-Management zu befördern, fordern Kemfert und Machnig, dass die Potenzialprüfung zur Vermarktung flexibler Lasten „integraler Bestandteil jedes betrieblichen Energiemanagements“ werden müsse. „Energiemanagementsystem müssen zur Voraussetzung für die Gewährung von Privilegien werden“, heißt es weiter. Anreize für Nachtspeicheröfen sollen abgeschafft werden, „da diese eine umweltschädliche und uneffiziente Form der Lastverschiebung sind“. Schließlich soll die EU-Energieeffizienzrichtlinie „intelligent“ umgesetzt werden, da jede nicht benötigte Kilowattstunde die Kosten des Gesamtsystem senke.

 
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Freitag, 06.09.2013, 11:37 Uhr