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Enerige & Management > Berater - Stadt- und Netzentwicklung enger verzahnen
Bild: Fotolia.com, jd-photodesign
BERATER:
Stadt- und Netzentwicklung enger verzahnen
Auf kommunale Energieversorger kommen nach Erkenntnissen von Unternehmensberatern neue Aufgaben zu, für die ihre lokale Kompetenz gefragt ist.
 
Viele Stadtwerke haben sich in den letzten Jahren besser als gedacht im Energiewettbewerb behauptet − doch nun stellt der Klimaschutz neue Anforderungen an kommunale Versorger. „Wir sehen am Energiemarkt einen Wechsel der Megatrends“, sagt Ben Schlemmermeier, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung LBD.

„Europäische Integration und Wettbewerb zum Wohle der Verbraucher verlieren als Themen an Bedeutung, lokale Umsetzung der Energiewende und Gestaltung kommunaler Lebensräume werden dagegen immer mehr zum Thema.“ Ein Paradigmenwechsel, der übrigens auch in der novellierten EU-Strombinnenmarktrichtlinie angelegt sei, die bis Jahresende in nationales Recht umzusetzen ist, meint Schlemmermeier.
 
Ben Schlemmermeier: „Stadtwerke und Kommunen brauchen ein neues Zusammenarbeitsmodell“
Bild: LBD

Stadtwerke sieht der Berater dabei in einer besonderen Rolle. Ihre künftige Aufgabe werde sein, viel stärker als bislang Kommunen bei deren Klimaschutzbemühungen zu unterstützen und den damit verbundenen Umbau mitzugestalten. Distanz zur Kommunalpolitik zu halten, sei dafür nicht mehr der richtige Weg. „Stadtwerke und Kommunen brauchen ein neues Zusammenarbeitsmodell“, so Schlemmermeiers These. Die Umsetzungskompetenz der Stadtwerke werde dringend gebraucht.
Konkret gehe es darum, dass Versorger ihre Infrastrukturentwicklung enger mit der Stadtentwicklung verzahnen. Stadtwerke und Städte müssten dafür erheblich intensiver als bisher Hand in Hand arbeiten. Als vordringliche Aufgaben der nächsten Jahre nennt der LBD-Chef die Schaffung der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, das strukturierte Angehen der Wärmewende und die Entwicklung integrierter Quartierlösungen.

Die Anforderungen seien grundsätzlich überall die gleichen − Infrastruktursysteme müssten aufgebaut respektive umgestaltet oder angepasst werden, um den Klimawandel zu bewältigen. Und alles müsse dennoch bezahlbar bleiben.
Das gelte für wachstumsstarke und wohlhabende Städte wie Düsseldorf, Hamburg, München oder Stuttgart ebenso wie für weniger prosperierende wie Gera oder Gelsenkirchen. Während auf der einen Seite Infrastrukturen fortentwickelt werden müssten, um weiteres Wachstum bewältigen zu können, seien am anderen Ende der Skala Anpassungen notwendig, um schrumpfende Kommunen zukunftsfähig zu gestalten.

Von Stadt zu Stadt unterschiedliche Klimaschutzambitionen

Deutliche Unterschiede gebe es allerdings bei den kommunalen Klimaschutzambitionen. Mit kleinen Veränderungsschritten sei der Klimawandel jedoch auf keinen Fall und nirgends mehr zu bewältigen, unterstreicht Schlemmermeier die „neue Dimension der Aufgabe“.

Als Beispiel für große Ambitionen nennt er Düsseldorf, das sich zum Ziel gesetzt hat, seine jährlichen CO2-Emissionen von aktuell über sechs Tonnen pro Einwohner bis 2035 auf zwei Tonnen zu reduzieren. Das sei ohne ein Verdrängen der großen Zahl von fossil betriebenen Autos durch Elektromobile nicht zu schaffen. Ladeinfrastruktur für diesen Wechsel bereitzustellen, sei Aufgabe von Stadtwerken.

Um dies möglichst zielgenau zu erreichen, hält der LBD-Geschäftsführer auch für die Verteilnetzebene eine „strategische Netzentwicklungsplanung wie im Übertragungsnetz“ für erforderlich. Dabei gehe es darum, „Zukunftsszenarien für drei bis fünf Jahre“ zu entwerfen und so abzuklären, welchen Ausbaubedarf es für ein Stromverteilnetz gibt. Für Verteilnetzbetreiber mit mindestens 100.000 angeschlossenen Kunden soll dies mit der Umsetzung der EU-Strombinnenmarktrichtlinie ohnehin obligatorisch werden.

Der wichtigste Treiber für den Stromnetzausbau werde in den nächsten Jahren die Elektromobilität sein, sagt Schlemmermeier voraus. Sie werde zu einem enormen Kapazitätsbedarf in den kommunalen Verteilnetzen führen und müsse auf jeden Fall schon heute bei jeder Ausbaumaßnahme antizipiert werden.

Für Ausbaubedarf in Stromverteilnetzen werde aber auch der Wärmesektor sorgen, weil elektrische Wärmepumpen eine wichtige Funktion übernehmen sollen. Da es aber nicht möglich sein werde, die gesamte Wärmeversorgung mit Strom zu machen, erfordere der Wärmesektor weitergehende Maßnahmen wie Gebäudedämmung, den Einsatz synthetischer Gase und die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung.
Stadtwerke seien dabei besonders gefordert, „weil Gebäudesanierung, Effizienzverbesserungen und Infrastrukturentwicklung Hand in Hand gehen müssen“, so Schlemmermeier.

Mit zielgenauer Analytik machbare Handlungsoptionen identifizieren

Auch die integrierte Entwicklung neuer Wohnquartiere, bei der Elektromobilität, moderne Kommunikationssysteme, eine effiziente erneuerbare Energieversorgung und eine dezentrale Energieeinspeisung von vornherein einbezogen werden, erfordere eine enge Verzahnung mit der Stadt- und Infrastrukturentwicklung.

Unverzichtbar für eine strukturierte kommunale Wärmewende sei eine zielgenaue Analytik, die machbare Handlungsoptionen identifiziert. „Wir bieten Kommunen dafür an, die Gebäudestrukturen auf Basis von Geoinformationsdaten zu analysieren, daraus notwendige Anpassungen der Strom- und Wärmeinfrastrukturen zu berechnen und diese in eine Netzentwicklungsplanung auf Basis des lokalen Klimaschutzkonzepts zu überführen“, erläutert der LBD-Chef.

Bei der klimagerechten Umgestaltung kommunaler Lebensräume müssten aber auch die Bürger mitgenommen werden, mahnt Schlemmermeier. „Man braucht ein gemeinsames Zielbild.“ Alle Pläne und Umsetzungsschritte müssten „auf einer Plattform visualisiert werden, um sie den Bürgern zugänglich zu machen“.

Darüber hinaus seien Anreize durch eine umfangreiche Förderung von Klimaschutzmaßnahmen notwendig. „Wir werden gerade bei der Gebäudesanierung großes Geld in Fördermittel investieren müssen“, so der Berater. Auf der anderen Seite werde aber auch Ordnungsrecht erforderlich sein. Das Instrumentarium reiche von verbindlichen Bebauungsplänen und Fernwärmesatzungen bis hin zu Sanktionen für den Fall, dass ökonomisch vernünftige Dinge nicht umgesetzt werden.

Auch für die Stadtwerke soll sich das Engagement für die kommunale Lebensraumgestaltung lohnen, meint Schlemmermeier. Sie zeigten mit ihrem Einsatz nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern sollten damit durchaus auch ökonomische Interessen verbinden. Denn die Klimaschutzbemühungen schafften auch Geschäft für die kommunale Infrastruktur und das verbreitere die Asset Base. Die lokale Umsetzung der Energiewende ist eine anspruchsvolle Aufgabe − für Kommunen, Bürger und Stadtwerke.

 
LBD-Grafik Wärmenetzplanung
Grafik: LBD

 

 
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Dienstag, 19.05.2020, 10:19 Uhr