• Online die rheinland-pfälzischen Solarpotenziale entdecken
  • Lade-Algorithmus besteht Praxistest
  • Rolls-Royce Power Systems spürt wirtschaftliche Erholung
  • Klimaeffekt bei Elektrofahrzeugen "teuer erkauft"
  • Zweitwärmster je gemessener Juli in Europa
  • Nach der Flut klimagerechten Wiederaufbau starten
  • Pfalzsolar bringt App für private Solaranlagen auf den Markt
  • Deutsche Bahn fährt mit Wasserkraft aus Norwegen
  • Schäden durch Ransomware in zwei Jahren vervierfacht
  • Neues Projekthaus für Amprion im Bau
Enerige & Management > Studie - Stadtwerke-Abschied vom Vertrieb?
Bild: Fotolia.com, nmann77
STUDIE:
Stadtwerke-Abschied vom Vertrieb?
Die Stimmung bei den Stadtwerken ist mehrheitlich gut, die Erfolgserwartungen sind höher als vor zwei Jahren, wobei die Unternehmen in nächster Zeit starke Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle erwarten. Das zeigt die neueste Stadtwerkestudie der Unternehmensberatung Ernst & Young.
 
„Die Stimmungslage bei den Stadtwerken hat sich seit 2012 deutlich verbessert“, sagt Helmut Edelmann, Director Utilities bei der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY). Der Autor der Stadtwerkestudie 2014 hat für die zum elften Mal erscheinende Untersuchung wieder 100 Geschäftsführer und Vorstände aus der kommunalen Wirtschaft in Deutschland befragt.

Bei der erneut in Zusammenarbeit mit dem Energiebranchenverband BDEW, der gut 1 400 kommunal geprägte Versorger vertritt, erarbeiteten Studie ging es diesmal vor allem darum, wo sich die Stadtwerke im Zuge der Energiewende sehen und wo Veränderungen erforderlich sind.

Im Ergebnis habe sich klar bestätigt, dass die Unternehmen „die Energiewende konstruktiv gestalten wollen“, erklärte Hildegard Müller, Sprecherin der BDEW-Hauptgeschäftsführung, am 4. Juni bei der Vorpräsentation der Studie in Berlin. Stadtwerke sähen auch „große Chancen, neue Geschäftsfelder zu erschließen“, so die Verbandschefin weiter.

Ein wenig Wasser in den Wein goss Autor Edelmann. Ein Großteil der Unternehmen erwirtschafte zwar noch „vernünftige Renditen“, ein Drittel der Befragten habe aber zu kämpfen, so der Berater. „Es gibt einige, die deutliche Probleme haben.“ Diese reichten mitunter bis „nahe an die Zahlungsunfähigkeit“.

Insgesamt gesehen erwarten aber 69 Prozent der Befragten, dass 2014 für ihr Unternehmen ein gutes oder sogar sehr gutes Jahr wird – deutlich mehr als bei der Befragung vor zwei Jahren. Negativere Geschäftserwartungen haben dagegen Unternehmen, die sich in der konventionellen Stromerzeugung engagiert haben.

Risiken für konventionelle Stromerzeuger

Die konventionelle Erzeugung wird als risikoreichstes Geschäftsfeld eingeschätzt. Von Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind, gebe es teilweise „dramatische Signale“, so Edelmann. Auch der Erwerb von Strom- und Gaskonzessionen wird – dem Rekommunalisierungsboom zum Trotz – als eher riskant als aussichtsreich eingeschätzt.

Beim Vertrieb, einem der traditionellen Geschäftsfelder von Stadtwerken, sind sogar Absetzbewegungen erkennbar. „Wir erwarten, dass sich der eine oder andere vom Vertrieb trennt“, so der Studienautor. Teilweise könne das auch bedeuten, dass Unternehmen ihre Vertriebe in Kooperationen überführen.

BDEW-Chefin Müller äußerte sich allerdings überzeugt, dass der Strom- und Gasvertrieb weiter seine zentrale Bedeutung für Stadtwerke behalten werde. An diesem Punkt könnten kommunale Unternehmen ihre Nähe zu den Kunden besonders gut zur Geltung bringen. Die traditionellen Geschäfte sind offensichtlich generell nicht mehr tabu; 24 Prozent der befragten Manager erwarten die Trennung von alten Geschäftsfeldern.

Dass sich ihr gesamtes Geschäftsmodell bis 2018 aufgrund der Energiewende sehr stark oder stark verändern wird, glauben laut der Studie 43 Prozent der Befragten. Nur noch knapp jeder Vierte Geschäftsführer ist dagegen der Meinung, dass in den kommenden vier Jahren keine oder allenfalls kleine Korrekturen an bestehenden Strukturen erforderlich sein werden. Dass neue Geschäftsfelder erhebliche Beiträge zum künftigen Ergebnis leisten werden, erwarten 43 Prozent der Stadtwerke-Manager.

Erfolg mit Services und Telekommunikation

Ein generelles Erfolgsrezept für neue Geschäftsfelder gebe es nicht, ergänzte Gerd Lützeler, bei Ernst & Young für den Sektor Energiewirtschaft verantwortlich. Die Studie zeige aber, dass die Chancen auf ein gutes Geschäftsergebnis mit konkreten Zusatzleistungen (zum Beispiel Abrechnungs- und IT-Services) oder mit einem frühen Einstieg in den Betrieb virtueller Kraftwerke oder in die Themen Smart Grid und Smart Metering zunehmen. Auch die Telekommunikation biete gute Chancen für Stadtwerke, ihre Position im Energiemarkt zu sichern und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.

Müller ergänzte in diesem Punkt, dass 44 Prozent der Stadtwerke bis 2020 ein Viertel ihrer Umsätze im Bereich der erneuerbaren Energie erzielen wollten und ihren Strombedarf zur Hälfte mit grünem Strom decken wollten.

Die Kooperation als Hilfsmittel, sich im zunehmenden Wettbewerb und dem Druck auf das traditionelle Geschäft zu behaupten, scheint laut der Stadtwerkestudie noch einmal an Bedeutung zu gewinnen. Nur noch vier Prozent der befragten Stadtwerke-Manager sehen alleiniges Agieren als erfolgversprechenden Weg, 61 Prozent dagegen beurteilen eine horizontale Kooperation als gute Möglichkeit, voranzukommen. Die Mehrheit sei also der Auffassung, dass die Probleme der kommenden Jahre von den meisten Unternehmen nicht mehr im Alleingang zu bewältigen sind, deutete Edelmann die Befragungsergebnisse.

Als wesentliche Motive für Kooperationen sieht er neben Synergien den Zugewinn an Kompetenzen und guten Mitarbeitern, eine Stärkung der Position im Markt und bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Für besonders bemerkenswert hält Edelmann die gegenüber der Studie gewachsene Offenheit für branchenfremde Partner wie Finanzinvestoren und Anlagenhersteller als Kooperationspartner. Vor zwei Jahren zeigten sich drei Prozent der Geschäftsführer bereit für eine solche Zusammenarbeit, in diesem Jahr waren es bereits 14 Prozent.

Auf einen wesentlichen Punkt, der auch die häufig kritisierte mangelnde Innovationsfähigkeit von Stadtwerken positiv beeinflusst, wies Hildegard Müller hin: Wichtig sei, „dass die Politik die Stadtwerke nicht ausbremst, sondern durch einen klaren energiewirtschaftlichen Rahmen unterstützt“, so die BDEW-Chefin.

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 05.06.2014, 16:56 Uhr