• Geschmolzene Atomträume
  • Esslingen startet gemeinschaftliches Solarprojekt
  • Gutes Zeugnis für das ETS
  • Die wichtigsten Länder bei neuinstallierter Windkraftleistung
  • Strom rutscht ab, CO2 und Gas steigen
  • 90 % der Planungen nicht mehr von Flugsicherung blockiert
  • Interne Lösung: Stadtwerke Wasserburg mit neuem Werkleiter
  • Stadt Essen gründet eigenen Wasserstoff-Beirat
  • Klima-Expertenrat drängt auf bessere Datenlage
  • Mit erfundenen Windparks Konzerne um Millionen gebracht
Enerige & Management > Bilanz - Steag vor spannenden Wochen
Bild: ldprod, Fotolia
BILANZ:
Steag vor spannenden Wochen
Trotz eines höheren Konzerngewinns für 2019 ist die Steag weiter im unruhigen Fahrwasser. Das Kohleausstiegsgesetz sowie der Verkaufsprozess werfen ihre Schatten voraus.
 
Eine (bilanzielle) Schwalbe macht noch keinen Sommer: Für das vergangene Geschäftsjahr konnte die Steag mit Sitz in der Revier-Stadt Essen, einen Konzerngewinn nach Steuern von knapp 132 Millionen Euro verbuchen, im Vergleich zum Vorjahreswert von 12,7 Mio. Euro eine satte Steigerung. Das Plus basiert aber vor allem auf Einmaleffekten. Vor allem eine Neubewertung des Steinkohlekraftwerkes Bergkamen östlich von Dortmund, bei dem die Steag als Miteigentümer im Herbst 2018 die restlichen Anteile von RWE übernommen hatte, machte sich positiv in der 2019-er Bilanz bemerkbar.

Dass die Steag als traditioneller Steinkohleverstromer zu Knapsen hat, lässt sich an anderen Zahlen ablesen: Da die eigenen Kraftwerke im vergangenen Jahr weitaus weniger gelaufen sind, sank der Konzernumsatz von 2,9 Mrd. Euro im Vorjahr auf 2,1 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr sahen die Planungen zwar ein Plus beim Umsatz auf 2,4 Mrd. Euro vor, infolge des Fehlens der „positiven Einmaleffekte“ beim Ebit aber bereits ein Minus von zehn Prozent gegenüber 2019. Diese Kalkulationen datieren aus der Zeit „vor Corona“.

Nunmehr geht die Steag-Geschäftsführung davon aus, „dass die ursprünglichen Planungen trotz bereits eingeleiteter ergebnissteigernder Maßnahmen nicht mehr erreicht werden können“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Angesichts der Corona-Pandemie verzichtete das Revier-Unternehmen auf eine Pressekonferenz, um die Bilanz vorzustellen. Stattdessen verschickte die Steag das Zahlenwerk im Anhang einer Rundmail.

Tempo bei der Diversifizierung

„Live“ hätte sich Joachim Rumstadt auf alle Fälle wortgewaltig gegen die unbestrittenen Nachteile für die Betreiber von Steinkohle-Kraftwerken im vorliegenden Entwurf für das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (so der offizielle Terminus) geäußert, das der Bundestag voraussichtlich im Sommer beschließen will. Danach sollen Braunkohlekraftwerke bis 2038 in Betrieb bleiben können, selbst jüngere Steinkohleblöcke sollen dagegen spätestens 2030 vom Netz gehen. Außerdem droht den Betreibern der Steinkohlekraftwerke, dass ihre Meiler ab dem Jahr 2026 abgeschaltet werden können – und zwar ganz ohne Entschädigungen.

Sollte sich an dem Gesetzentwurf, den mehrere Bundesländer im Bundesrat abgelehnt haben, nichts ändern, behält sich die Steag eine Klage vor. „Wir akzeptieren den gesellschaftlichen Willen und die politische Entscheidung zum Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland“, wird Rumstadt in der Unternehmensmitteilung zitiert, „aber wir können uns mit der aktuell geplanten gesetzlichen Umsetzung nicht einverstanden erklären.“

Sollten bei den Steag-Kraftwerken im Ruhrgebiet wirklich 2030 der Schalter umgelegt werden, ist zumindest die künftige Wärmeversorgung in großen Teilen des Ballungsraums gesichert. Nicht weit vom Block Herne 4, sozusagen das Herz der Fernwärmeschiene Ruhr, entsteht ein neues Gaskraftwerk mit dem internen Kürzel Herne 6. Um von den Fördergeldern aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz zu profitieren, muss diese neue GuD-Anlage (608 MW elektrische und 400 MW thermische Leistung) spätestens bis Ende 2022 in Betrieb sein.

Wie schon länger vereinbart, erhalten die sechs kommunalen Eigentümer der Steag aus Bochum, Dortmund, Duisburg, Dinslaken, Essen und Oberhausen trotz des im vergangenen Jahr höher ausgefallenen Gewinns eine Ausschüttung von 45 Mio. Euro - Geld, das die sogenannten KSBG-Gesellschafter ausschließlich für die Tilgung ihrer Kredite nutzen werden.
 
Die übrigen Millionen braucht die Steag dringend, um Akquisitionen für ihre Neuaufstellung zu finanzieren und voranzutreiben. So hat das Essener Unternehmen im vergangenen Jahr beispielsweise die Gildemeister Energy Solutions, ein 2007 gegründetes Tochterunternehmen, dessen Schwerpunkt auf der Projektierung von gewerblichen und industriellen Solarkraftwerken liegt, übernommen. Angesichts des vielleicht schon 2030 möglichen Aus für die klassische Steinkohleverstromung ist bei der Steag Tempo bei der Diversifizierung angesagt.
 
An Fahrt gewinnen dürften bis zur Sommerpause auch die Verhandlungen über den Verkauf der Steag. Grundsätzlich ist bereits geklärt, dass die Steag von fünf KSBG-Gesellschaftern (mit Ausnahme von Dortmund) die Anteile zurückkaufen wird. Offen ist dagegen noch der Verkaufswert. Deshalb dürfte es in den kommenden Wochen noch so manche heiße Verhandlungsrunde geben.
 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 29.04.2020, 17:30 Uhr