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Enerige & Management > Wirtschaft - Studie entwirft Klimaschutzweg für die Industrie
Bild: katjen / Shutterstock.com
WIRTSCHAFT:
Studie entwirft Klimaschutzweg für die Industrie
Agora Energiewende und das Wuppertal Institut schlagen langfristige Investitionen in der Stahl-, Chemie- und Zementindustrie als ein "Sofortprogramm" zum Klimaschutz vor.
 
Die Studie wurde am 25. November publiziert. Besonders in der Stahl-, Chemie und Zementindustrie wirken Investitionsentscheidungen über Jahrzehnte. Daher müssten sie schon heute klimasicher getroffen werden.

In den Gesprächen zu Erstellung der Studie sei deutlich geworden, dass die Industrie in den Startlöchern steht, die Herausforderung Klimaschutz offensiv anzugehen. Es fehle nur der Gestaltungswille der Politik, um innovative Instrumente umzusetzen. Die Technologien für eine klimaneutrale Produktion seien schon weit entwickelt, so das Fazit der Studie von Agora Energiewende und Wuppertal Institut.

Doch der großtechnischer Einsatz scheitere bislang an fehlenden politischen Rahmenbedingungen. Ein Sofortprogramm mit sieben Schritten soll daher die deutsche Industrie zum Vorreiter bei grünem Wasserstoff, Elektrifizierung und der Vermeidung von Prozessemissionen machen.

 
Schlüsseltechnologien zum Klimaschutz in der Industrie
Bild: Agora


Eine halbe Million Beschäftigte betroffen

Ohne eine dezidierte Klima- und Innovationspolitik für die Grundstoffindustrie drohe ein massiver Investitionsrückgang in diesem Wirtschaftszweig mit heute 550.000 Beschäftigten, warnen die Autoren der Studie. Investitionen in alte, CO2-intensive Technologien seien angesichts des Ziels der Klimaneutralität 2050 verfehlt. Für die CO2-neutralen Technologien müsse ein Business Case entstehen und mit weiteren Politikinstrumenten die notwendige Investitionssicherheit geschaffen werden.

„Zwischen 2020 und 2030 steht in der Industrie eine große Reinvestitionsphase an – dies ist eine große Chance für den Klimaschutz“, sagte Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts. So müssten in den kommenden zehn Jahren mehr als die Hälfte der energieintensiven Anlagen in der Stahlerzeugung und in der Chemieindustrie erneuert werden und fast ein Drittel in der Zementindustrie.

Mit einer Lebensdauer von mehr als 50 Jahren würden konventionelle Anlagen, die heute errichtet werden, bis weit nach 2050 große Mengen Treibhausgase freisetzen – was im Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung steht, Deutschland bis 2050 klimaneutral zu machen. Wegen der Sorge, dass ihre Anlagen deshalb nicht bis zum Ende ihrer Lebensdauer produzieren dürfen, scheue die Grundstoffindustrie derzeit vor Neuinvestitionen zurück.

20 % der deutschen Treibhausgase vermeidbar

Die energieintensive Grundstoffindustrie stößt gut ein Fünftel der Treibhausgase in Deutschland aus und muss ihre Emissionen damit bis 2050 um rund 180 Mio. t CO2 senken, um annähernd klimaneutral zu werden. Hierfür ist eine Trendumkehr notwendig, denn in den vergangenen zehn Jahren stagnierten die Emissionen. „Wir beobachten zwar Effizienzsteigerungen. Was aber zusätzlich nötig ist, sind Sprunginnovationen bei CO2-armen Schlüsseltechnologien“, sagte Patrick Graichen, Direktor der Agora Energiewende.

Allen voran nennt die Studie hier die stärkere Nutzung von Grünstrom und grünem Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Beides könne sowohl in der Stahl- als auch in der Chemieindustrie Kohle, Öl und Gas ersetzen. In der Zementindustrie sei aus heutiger Sicht die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) unausweichlich, da beim Brennen von Kalk in der Zementproduktion große Mengen an CO2 entstehen.

Aus zahlreichen Pilotprojekten müssten nun großindustrielle Anwendungen werden, forderte Graichen. „International winken hierdurch große Marktchancen für den deutschen Anlagenbau“, ergänzte er. Fischedick mahnte: „Es nutzt niemandem, wenn wir zwar grün werden, dabei aber auf dem Weltmarkt unsere gute Wettbewerbsposition verlieren und Industrieproduktion aufgrund des hochkompetitiven globalen Wettbewerbs ins Ausland abwandert.“

Die sieben Maßnahmen des Sofortprogramms
  • Staatliche Förderung klimafreundlicher Produktionsverfahren, sogenannte Carbon Contract for Difference (CfD), in den Sektoren Stahl, Chemie und Zement. Die Förderhöhe soll über Ausschreibungen ermittelt werden.
  • Einführung einer Klima-Umlage auf Endprodukte wie Stahl, Aluminium, Zement und Plastik, um die CfD-Förderung zu refinanzieren
  • Selbstverpflichtung des Bundes, bei größeren Bauprojekten klimafreundliche Materialien zu verwenden und klimafreundliche Fahrzeuge zu nutzen.
  • Quote für grünen Wasserstoff auf den Absatz von Erdgas: Sie soll zum Aufbau von Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff beitragen.
  • Einstieg in die Kreislaufwirtschaft, um langfristig Stoffkreisläufe zu schließen und so die Verbrennung von Abfall und den Einsatz neuer Rohstoffe zu vermindern.
  • Europäische Koordination durch Einführung dieser Instrumente auch auf EU-Ebene
  • Eintreten der Bundesregierung auf UN-Ebene für einen globalen CO2-Preis
Die Studie, eine juristischen Bewertung der Politikinstrumente und eine Darstellung der CO2-armen   Schlüsseltechnologien können bei der Agora-Energiewende heruntergeladen werden.

 
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Montag, 25.11.2019, 13:14 Uhr