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Enerige & Management > Regenerative - Taft: „Unser Geschäft basiert auf drei Säulen“
Bild: Fotolia.com, Jürgen Fälchle
REGENERATIVE:
Taft: „Unser Geschäft basiert auf drei Säulen“
Matthias Taft, Vorsitzender der Geschäftsführung der BayWa r.e. renewable energy GmbH in München, über Wachstum in Europa und in den USA.
 
E&M: Herr Taft, welche Ziele verfolgt BayWa r.e. in den Hauptgeschäftsfeldern Photovoltaik und Windkraft?

Taft: Mit dem Handel von Solarmodulen sowie mit der Projektierung von Wind- und Solarparks wollen wir den Umsatz in den nächsten drei bis fünf Jahren, wenn möglich, verdoppeln. Wir haben eine ganz klare Internationalisierungsstrategie festgelegt und bestimmte Länder identifiziert, die für uns von Interesse sind. In Europa und in den USA bereiten wir derzeit Windparks mit etwa einem Gigawatt Gesamtleistung vor, die wir in einem Zeitraum von fünf Jahren abarbeiten wollen. Nordamerika ist für uns neben Europa der Markt der Zukunft. Wir rechnen damit, dass die Production-Tax-Credit-Regelung für die Windbranche rechtzeitig erneut verlängert wird. Denn in den USA sind regionale Energieversorger ebenso wie klassische Finanzinvestoren sehr daran interessiert, sich mit steuerlichen Vorteilen eine langfristige Rendite mit Windkraftprojekten zu sichern. Auf dem Photovoltaikmarkt sind wir bereits mit Focus Energy, einem der drei größten Systemhändler in Nordamerika, aktiv. Mit dem Erwerb von Martifer Solar USA im Juli haben wir nun den idealen Partner gefunden, um auch unsere Solar-Projektaktivitäten weiter voranzutreiben.

E&M: Wie wollen Sie dem schwächelnden Photovoltaik-Geschäft in Deutschland begegnen?

Taft: Im deutschen Photovoltaikhandel sind wir Moment gut positioniert. Wir wollen in diesem Bereich unsere Marktanteile weiter ausbauen und uns mittelfristig als Marktführer etablieren. Für die Wirtschaftlichkeit von kleinen und mittelgroßen Photovoltaikanlagen benötigt man heute die Eigenverbrauchskomponente. Zwar schmälert die mit der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eingeführte Belastung der Eigenstromerzeugung bei Anlagen über zehn Kilowatt Spitzenleistung mit zunächst 30 Prozent der EEG-Umlage die Attraktivität dieses Modells etwas. Trotzdem rechnen sich solche Anlagen. Hier kann mit geeigneten Speichersystemen der Eigenverbrauch weiter optimiert werden. Wir bieten Speichersysteme namhafter Hersteller an – mit steigendem Absatz. Zudem haben wir unser Produktportfolio für Solarsysteme zuletzt mit Wärmepumpen von Stiebel Eltron erweitert, die den Eigenverbrauchsanteil weiter erhöhen.
 
Matthias Taft: „Wir wollen im deutschen Photovoltaikhandel unsere Marktanteile weiter ausbauen und uns mittelfristig als Marktführer etablieren“
Bild: Edward Beierle

E&M: Auf welchen europäischen Märkten wollen sie das Windkraftgeschäft ankurbeln?

Taft: Das neue EEG bietet einen Korridor, der in den nächsten fünf bis zehn Jahren den Zubau von Onshore-Windkraftanlagen mit jährlich 2,5 bis 3 Gigawatt Gesamtleistung in Deutschland zulässt. Ein Stück von diesem Kuchen wollen wir abgreifen. Unser Ziel ist, jährlich zwischen 50 und 100 MW in Deutschland ans Netz zu bringen. In Hamburg und Salzgitter sind wir bereits mit Niederlassungen vertreten, denn die Musik im Windbereich spielt nach wie vor im Norden und der Mitte der Republik. Unser Schwerpunkt in Europa liegt momentan in Großbritannien sowie unter anderem auch in Frankreich und Italien. In Großbritannien gibt es bis Anfang 2017 noch ein attraktives Zertifikatesystem und speziell in Schottland sehr gute Onshore-Standorte. Hier ist die Zustimmung zur Windkraft nach wie vor groß, dafür muss man zum Teil lange auf den Netzanschluss warten. In Frankreich sind die Einspeisetarife, trotz der Kürzungen, an guten Standorten immer noch ausreichend. Allerdings hat der Gesetzgeber dort Windkraftgegnern die Möglichkeit eingeräumt, relativ einfach Widerspruch gegen eine Genehmigung einzulegen. Auch in Italien haben wir eine Reihe von Projekten in der Pipeline, die wir in den kommenden Jahren abarbeiten wollen. Mit einem ersten größeren Projekt mit rund 50 Megawatt, das einen Tarif im Ausschreibungsverfahren zugeteilt bekommen hat, starten wir noch in diesem Jahr. In Österreich haben wir bislang zwei Windparks errichtet, vier bis fünf weitere Projekte sind dort in der Entwicklung. Mit dem Erwerb des Mehrheitsanteils an dem schwedischen Projektentwickler HS Kraft AB im Mai haben wir unser Windkraft-Geschäft zudem nun auch auf Skandinavien ausgeweitet.

E&M: Die Baywa r.e. ist mit den Geschäftsfeldern Photovoltaik, Windkraft, Bioenergie und Geothermie breit aufgestellt. Wie sieht Ihre weitere Strategie aus?

Taft: Der Handel generiert gute Umsätze, aber nicht so hohe Gewinne wie das Segment Projektierung. In den Bereichen Projektierung und Services erwirtschaften wir zwar weniger Umsatz, dafür aber deutlich höhere Margen. Komplettiert werden unsere Geschäftsaktivitäten durch die Stromerlöse, die wir aus den temporär im Bestand gehaltenen Anlagen erwirtschaften. Wir sind finanziell in der Lage, Wind- und Solarparks erst dann an Investoren zu verkaufen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Unser Geschäft basiert also auf drei Säulen: Handel, Projektgeschäft und umfangreiche Service-Dienstleistungen. Das hat sich als gute Kombination erwiesen. Wenn wir allerdings feststellen, dass wir möglicherweise wir in einzelnen Geschäftsfeldern zu breit aufgestellt sind oder sich Rahmbedingungen in einzelnen Ländern deutlich verschlechter, werden wir auch Korrekturen vornehmen.
 
Ziel der Baywa r.e. ist, jährlich zwischen 50 und 100 MW in Deutschland ans Netz zu bringen
Bild: meraner-hauser.com


E&M: Aus welchen Ländern wird sich BayWa r.e. im Windkraft-Bereich voraussichtlich zurückziehen?

Taft: Grundsätzlich weist Osteuropa ein großes Potenzial auf, das aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen jedoch schwer zu erschließen ist. Chancen zur Finanzierung und Investoren findet man am ehesten noch in Polen, Kroatien und mit Einschränkungen in Rumänien. Aus Bulgarien und dem kleinteiligen slowakischen Markt haben wir uns aber komplett zurückgezogen.

Projektierung von Biogasanlagen künftig kein Schwerpunkt mehr

E&M: Bei der Bioenergie dürfte die Politik unfreiwillig dafür sorgen, dass Korrekturen notwendig werden …

Taft: Das novellierte EEG sorgt im Biogas-Bereich dafür, dass wir unsere Aktivitäten zwangsläufig zurückfahren beziehungsweise neu ausrichten müssen. Ende November 2013 war Spatenstich für eine Einspeiseanlage in Dessau. In Sachsen-Anhalt haben wir zudem Ende Juni in Staßfurt gemeinsam mit der Mannheimer MVV Energie mit dem Bau einer Biomethananlage begonnen. Die Bundesregierung setzt offensichtlich nicht auf Biomethan als flexible Systemenergie im Strommarkt, weil regional Überkapazitäten an konventionellen Kraftwerken zur Verfügung stehen. Die Projektierung von Neuanlagen wird künftig nicht der Schwerpunkt unserer Aktivitäten sein, dafür sehen wir im Bereich der Beratung, des Rohstoffmanagements und des Repowerings einen Bedarf.

E&M: Welche Rolle spielt künftig die tiefe Geothermie, die ungeschoren in der EEG-Novelle davongekommen ist?

Taft: In Dürrnhaar sowie in Kirchstockach, beide Standorte liegen südlich von München, haben wir in einem Joint Venture mit Hochtief zwei Erdwärmekraftwerke errichtet. Beide Anlagen laufen nach einigen Anlaufschwierigkeiten gut. Aber ich sehe hier keinen nennenswerten Markt mehr für uns. Die geothermische Stromerzeugung ist aufwendig und risikoreich, daher werden wir dieses Geschäftsfeld nicht mit eigenen Entwicklungen und Investitionen weiter verfolgen. Unsere Erfahrungen und unser Know-how geben wir aber gerne an andere Planer und Projektierer weiter.
 
 
Matthias Taft (47)
ist als Vorsitzender der Geschäftsführung der BayWa r.e. renewable energy GmbH in München für die Bereiche Projekte und Services zuständig. Der studierte Verfahrenstechniker und Wirtschaftsingenieur war bereits Vorstand der Projektgesellschaft RENERCO Renewable Energy Concepts AG, die 2009 vom BayWa-Konzern übernommen wurde. Seitdem wurden im Rahmen einer Wachstumsstrategie Firmen aus den Bereichen Solar- und Windenergie sowie Biogas akquiriert und die Internationalisierung vorangetrieben. Das Spektrum der Geschäftsaktivitäten von BayWa r.e. mit derzeit etwa 800 Mitarbeitern reicht inzwischen von der Projektentwicklung und -realisierung über den Photovoltaikhandel bis hin zu Beratungsdienstleistungen. Im Servicebereich bietet das Unternehmen technische Anlagenbetreuung inklusive Wartung an und übernimmt die kaufmännische Betriebsführung. Auch die Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien, der Handel mit Biomethan sowie der Vertrieb von Ökostrom und Ökogas an Privat- und Gewerbekunden gehören zum Leistungsspektrum. Die hundertprozentige BayWa-Tochter hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2013 von rund 441 Mio. Euro im Vorjahr auf knapp 486 Mio. Euro erhöht. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg von 32,5 auf 34,5 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Segment Energie - mit konventionellen Energieträgern wie Heizöl und Kraftstoffen - ging der Umsatz der BayWa AG von 3,7 auf 3,5 Mrd. Euro zurück, während das Ebit von 43,0 auf 45,1 Mio. Euro zulegte.

 
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Dienstag, 22.07.2014, 15:26 Uhr