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Enerige & Management > Stromnetz - Tennet wünscht sich mehr Rückhalt beim Netzausbau
Bild: Fotolia.com, lekcets
STROMNETZ:
Tennet wünscht sich mehr Rückhalt beim Netzausbau

Am 5. März stellte der Übertragungsnetzbetreiber Tennet den Stand seines Netzausbaus und innovative Lösungen in Berlin vor. Neben neuen Kabeln standen auch IT-Lösungen im Fokus.

 
Tennet, der Übertragungsnetzbetreiber für die Mitte Deutschlands von Nord bis Süd und für die Niederlande, stellte ihre aktuellen Projekte in einem „Technikdialog 2020“ vor. Auf einer ganzen Etage im Berliner Technikmuseum präsentierte das Unternehmen die neuesten Entwicklungen im Kabelbereich, darunter Drehstrom-Erdkabel und deren Einbindung ins Freileitungsnetz.

Gezeigt wurden auch die Gleichstromkabel, die für die Südlink- und Südostlink-Trassen vorgesehen sind. Sie sollen den Windstrom von See und aus den nördlichen Bundesländern in den Süden transportieren, wo es nach Abschaltung der Kernkraftwerke knapp wird.

Doch Tennet setze nicht nur auf Leitungsausbau, betonte die Vorstandvorsitzende Manon van Beek. Bereits umgesetzt werde der wetterabhängige Betrieb der vorhandenen Leitungen. Bis zu 80 % mehr Strom passt nämlich in Netz, wenn durch niedrigere Temperaturen und viel Wind die Leitungen gut gekühlt sind. Dafür werden Sensoren verbaut, Wetterprognosen erhoben und die Netze entsprechend gefahren.
 
Florian Martin mit Drehstrom-Erdkabel und Vorstandsvorsitzende Manon van Beek beim Technikdialog 2020
Bild: Tennet

Über den Stromsektor hinaus denken

Tim Meyerjürgens, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung, erläuterte im Interview mit E&M weitere Maßnahmen. So plant das Unternehmen durch ein Pilotprojekt mit zwei Speichern als „Netzbooster“ eine höhere Auslastung. Die beiden 100-MW-Speicher sollen dabei die nötige Sicherheit bieten, um das Netz ganzjährig höher auszulasten. Im Fall eines Leitungsausfalls sollen sie die Zeit überbrücken, bis Netzstabilisierungsmaßnahmen greifen. Im Innosys-Projekt werde zudem der automatisierte Netzbetrieb durch intelligente Logarithmen entwickelt, wie das Unternehmen auf dem Dialog vorstellte.

Meyerjürgens appellierte, dass nur ein systemisches Denken, das den Stromsektor mit allen anderen Energiebereichen verkoppelt, die Dekarbonisierung bewältigen könne. Tennet sei bereits dabei, Wasserstofferzeugung aus erneuerbarem Strom zu erproben. Von der Politik wünschte er sich mehr Rückhalt - auch gerade bei der Umsetzung des Netzausbaus vor Ort. „Wenn ein Landrat oder Abgeordneter bei den Bürgern umkippt und sich nicht mehr klar zu den Zielen der Energiewende bekennt, wirft uns das immer wieder weit zurück in der Akzeptanz“, beklagte Meyerjürgens.

Paneldiskussion der Energiepolitiker

In einer Paneldiskussion diskutierten drei Bundestagsmitglieder und Energiepolitiker ihrer Fraktionen, was für die Energiewende als nächstes getan werden müsste. Dabei gingen die Schwerpunktsetzungen weit auseinander. Mark Helfrich (CDU) sieht den Leitungsausbau ganz oben auf der Agenda: „Wir brauchen dringend die Hardware der Energiewende, sonst funktioniert das nicht. Ich würde sogar Maßnahmengesetze dafür in Erwägung ziehen, weil es einfach zu langsam vorwärts geht“.

Man müsse außerdem den bisher abgeregelten Strom nutzbar machen, indem Flexibilitäten erschlossen werden. „In Schleswig-Holstein könnte man 1,4 Millionen Haushalte mit dem heute noch abgeregelten Strom versorgen, wir untersuchen das gerade in einem der Schaufensterprojekte der Bundesregierung, wie das möglich ist“, ergänzte Helfrich. Zudem müssten aus seiner Sicht Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe vorangetrieben werden.

Ausbau der erneuerbaren Energie vorantreiben

Ingrid Nestle (MdB, Bündnis 90/Grüne) sagte: „Wir brauchen wieder einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung. Wir brauchen einfachere Regeln für die Strompreise, um Speicher sowohl physisch wie auch virtuell zu nutzen, um die fluktuierende Erzeugung aus erneuerbaren Quellen besser ins System zu integrieren.“ Als Drittes sei eine Kopplung von Wärme- und Stromversorgung nötig. Dafür sei Kraft-Wärme-Kopplung nicht die einzige Lösung, auch hier müssten erneuerbare Energiequellen erschlossen werden, mahnte Nestle.

Eher auf der Seite der Opposition war Johann Saathoff (SPD), als er verbindliche Ausbaupfade für die erneuerbaren Energieerzeuger forderte. Die im Koalitionsvertrag niedergelegten Ziele, im Jahr 2030 65 % des Stroms erneuerbar zu produzieren, müssten auch im EEG umgesetzt werden. Die von der CDU geforderten Abstandsregeln verhinderten aber weiteren Windanlagenausbau an Land, kritisierte Saathoff.

Beim Netzausbau war er sich mit seinem Koalitionskollegen einig und forderte mehr politische Unterstützung, um den Netzausbau zu beschleunigen. Dafür solle allerdings die Anreizregulierungsverordnung so verändert werden, dass Investitionen in Digitalisierung und intelligente Netzsteuerung ermöglicht werden. Schließlich sei Sektorkopplung, zum Beispiel über Wasserstoff, wichtig für den Erfolg der Energiewende, schloss Saathoff.

 
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Freitag, 06.03.2020, 12:51 Uhr