• Gutes Zeugnis für das ETS
  • Die wichtigsten Länder bei neuinstallierter Windkraftleistung
  • Strom rutscht ab, CO2 und Gas steigen
  • 90 % der Planungen nicht mehr von Flugsicherung blockiert
  • Interne Lösung: Stadtwerke Wasserburg mit neuem Werkleiter
  • Stadt Essen gründet eigenen Wasserstoff-Beirat
  • Klima-Expertenrat drängt auf bessere Datenlage
  • Mit erfundenen Windparks Konzerne um Millionen gebracht
  • Enervie mit stabilem Ergebnis trotz 8 Mio. Euro Mindereinnahmen
  • Region Mittelrhein stellt auf H-Gas um
Enerige & Management > Bayern - Tiefengeothermie als Teil des künftigen Energiesystems
Bild: Fotolia.com, saschi79
BAYERN:
Tiefengeothermie als Teil des künftigen Energiesystems
Tiefengeothermie-Projekte spielen bei der Debatte über eine nachhaltige Produktion von Wärme, Kälte und Strom nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Das soll sich in Bayern ändern.
 
Das Molassebecken in Bayern ist der Hotspot der tiefengeothermischen Nutzung in Deutschland. In Südbayern sind laut der Geothermie-Allianz Bayern (GAB) derzeit 22 Anlagen in Betrieb. Die installierte tiefengeothermische Leistung beträgt für Wärme derzeit rund 296 MWth und für Strom 34 MWel. Trotzdem sind das lediglich rund 0,5 % an der gesamten Erzeugung in Bayern. Das geothermische Potenzial liegt dabei um ein Vielfaches höher, kann aber nicht ausgeschöpft werden - weder in Bayern noch in anderen Teilen Deutschlands.

Ein Grund: Die Tiefengeothermie ist eine Technologie, die immer noch viel Grundlagenarbeit benötigt, so die GAB. Es braucht vor allem eine weitere Erforschung des Untergrunds und die Weiterentwicklung der Pumpentechnologie. Trotzdem soll der Tiefengeothermie − geht es nach den Plänen des Freistaats Bayern − künftig eine wichtige Rolle zukommen. Mithilfe eines Masterplans Geothermie   plant Bayern, langfristig rund 25 % des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken. Dafür ist mehr Forschungsarbeit erforderlich.

Die GAB ist hierbei ein wichtiger Forschungsverbund für Bayern. Ihre Arbeit wird nun weitere vier Jahre vom Freistaat finanziell gefördert. Welche Schwerpunkte sie in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Kommunen in den nächsten Jahren setzt, hat die Allianz am 20. Mai im Webinar „4. Wissenstransfer Geothermie-Allianz Bayern“ vorgestellt.

Studien der GAB belegen, wie hoch das Potenzial der Geothermie in Bayern ist. Demnach entspricht das installierbare wirtschaftliche Potenzial in den besonders gut geeigneten Gebieten allein in Bayern einer Kapazität von 7,9 GWth (bei 2.000 Volllaststunden). Hierzu wäre jedoch der Bau von insgesamt rund 400 geothermischen Dubletten notwendig.

Laut Maximilian Keim von der TU München, der die Schwerpunkte der GAB beim Webinar vorstellte, soll der Fokus in den kommenden Jahren daher zum einem darauf liegen, Bohr- und Fündigkeitsrisiken weiter zu reduzieren, aber auch die Wirtschaftlichkeit der Anlagen selbst zu erhöhen, etwa durch eine intelligentere Einbindung in Netze.

Vier Teilprojekte sollen bis 2024 weiter vorangetrieben werden:
  • Im Teilprojekt „effizient – Wärmewende durch intelligente Nutzung der Geothermie“ soll unter anderem an Konzepten der Trigeneration (Strom-Wärme-Kälte), Effizienzsteigerung von Kraftwerkskomponenten, wie etwa Sorptionskältemaschinen und Tauchkreiselpumpenmotoren sowie der intelligenten Wärmeverteilung geforscht werden.
  • Im Teilprojekt „regional – heimische Ressourcen flächendeckend fördern“ soll die Erkundung des Untergrundes in Nordbayern weiter vorangetrieben werden, um letztendlich einen optimalen Standort für ein petrothermales Pilotprojekt auszumachen. Erste 2-D-Messungen sind in Nordbayern bereits gemacht worden.
  • Im Teilprojekt „langfristig – die Thermalwasserproduktion nachhaltig gewährleisten“ steht der sichere und langfristige Betrieb von Geothermieanlagen im Vordergrund. Es soll unter anderem das Bohr- und Fündigkeitsrisiko weiter gesenkt werden.
  • Im Teilprojekt „sozial – Klimaschutz durch eine sichere Technologie“ soll durch die intensive Erforschung seismischer Ereignisse und deren Auswirkungen auf Gebäude, wichtige Erkenntnisse hin zu einer noch höheren Akzeptanz gewonnen werden. „Gerade die Akzeptanz ist ein wichtiger Punkt“, sagte Keim von TU München bei der Konferenz.
Die Geothermie-Allianz Bayern wurde 2015 ins Leben gerufen, unter anderem von der TU München, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität Bayreuth. Die Ludwig-Maximilian-Universität München ist mittlerweile ebenfalls Mitglied. Der Verbund begleitet seitdem die aktiven Geothermieprojekte wissenschaftlich.

In den vergangenen Jahren konnte mithilfe der GAB unter anderem der Untergrund in der Metropolregion München genauer untersucht werden. Forscher haben in Zusammenarbeit mit Unternehmen Betriebsstrategien für Geothermieanlagen entwickelt, die einen wirtschaftlichen Betrieb ermöglichen. Auch die Entwicklung von Monitoringtools ist vorangetrieben worden, um mehr Daten aus dem Untergrund zu erhalten. Die GAB hat ihre bisherigen Ergebnisse unter anderem in einer Broschüre zusammengefasst   .

Jedoch ist es besonders für die Tiefe Geothermie auch wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Daraufhin verwies kürzlich Erwin Knapek, Präsident des Bundesverbands Geothermie. Dazu gehöre eine an geologische Gegebenheiten angepasste bessere Bohrkostenförderung, zum Beispiel durch Entfall der Tiefenbeschränkung und Anhebung der maximalen Förderhöhe.

Wichtig ist nach Ansicht von Knapek auch eine Anhebung der Förderung mindestens auf KWKG-Niveau für den Ausbau von Wärmenetzen sowie die Etablierung einer Risikoabsicherung durch einen bundesweiten Wärmenetz-Transformationsfonds. Da Tiefe-Geothermie-Anlagen neben Wärme und Kälte auch Strom erzeugen, sollte die im EEG 2017 vorgesehene Degression den Besonderheiten der komplexeren Technologie angepasst werden. Aufgrund der aktuellen massiven Unterbrechung von Lieferketten sollte die Degression zudem ausgesetzt und ein Wärmebonus wieder eingeführt werden, so die weiteren Forderungen des Bundesverbandes Geothermie.
 
Die GAB hat ihre Ergebnisse in einer Broschüre zusammengefasst.
Zur Vollansicht bitte auf das PDF klicken
Quelle: TU München

 

 
Möchten Sie diese und weitere Nachrichten lesen?
 
 
Testen Sie E&M powernews
kostenlos und unverbindlich
  • Zwei Wochen kostenfreier Zugang
  • Zugang auf stündlich aktualisierte Nachrichten mit Prognose- und Marktdaten
  • + einmal täglich E&M daily
  • + zwei Ausgaben der Zeitung E&M
  • ohne automatische Verlängerung
 
Jetzt kostenlos testen
 
Login für Kunden
 

Kaufen Sie den Artikel
  • erhalten Sie sofort diesen redaktionellen Beitrag für nur € 8.93
 
JETZT ARTIKEL KAUFEN
Mehr zum Thema

 
Haben Sie Interesse an Content oder Mehrfachzugängen für Ihr Unternehmen?
 
Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Nutzung von E&M-Inhalten oder den verschiedenen Abonnement-Paketen haben.
Das E&M-Vertriebsteam freut sich unter Tel. 08152 / 93 11-77 oder unter  vertrieb@energie-und-management.de über Ihre Anfrage.
 
WEITERE INFORMATIONEN
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 22.05.2020, 15:53 Uhr