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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Über Norwegen zum Münchener Ökostromziel
Bild: SWM
WINDKRAFT ONSHORE:
Über Norwegen zum Münchener Ökostromziel
Im Jahr 2025 soll die Ökostromproduktion der Stadtwerke München (SWM) rechnerisch den  gesamten Verbrauch der Stadt decken. Deshalb hat sich das Unternehmen nun in Norwegen eingekauft.
 
„Ich bin sehr zuversichtlich, mit diesem großen Schritt das 100-Prozent-Ziel zu erreichen“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke München, Florian Bieberbach, bei einem Pressegespräch in München. Das Ziel ist, eine eigene Ökostromversorgung bis 2025 aufzubauen, die dem jährlichen Strombedarf der Stadt München entspricht.

Der „große Schritt“ ist die im Januar vorgestellte Vereinbarung, Windparks mit dem norwegischen Energieunternehmen Troender Energi mit Sitz in Trondheim zu bauen – und auch zu betreiben. In einem Joint Venture sind Windanlagen mit einer Gesamtkapazität von 450 MW eingebracht. Dabei handelt es sich um vier bestehende Onshore-Windparks mit einer Leistung von 120 MW. Bis 2021 werden vier weitere Anlagen mit 330 MW an Land hinzugebaut. Die Stadtwerke München halten dabei 70 % der Anteile, Troender Energi 30 %. Die Investitionen in die Windparks belaufen sich laut einer Mitteilung auf eine Summe von 3 Mrd. norwegischer Kronen, umgerechnet etwa 300 Mio. Euro.

 „Es geht dort um Windparks im richtig großen Stil“, sagte Bieberbach. Die Gegend um Trondheim sei dünn besiedelt, weitgehend menschenleer und von karger Landschaft. „Dort kann man − anders als in Deutschland – sehr, sehr große Windparks bauen.“ Die Standorte an der Küste seien zudem windreich, deshalb könne zu sehr geringen Erzeugungskosten Strom aus Windenergie produziert werden.

Strategiewechsel wird weitergeführt 

Für die Stadtwerke bedeuten die Vorhaben in Norwegen eine Weiterführung des eingeläuteten Strategiewechsels bei Projekten mit erneuerbaren Energien. Früher kaufte das Unternehmen in erster Linie fertig errichtete Anlagen und überließ deren Betrieb externen Dienstleistern. Durch den Bau und den Betrieb der Windkraftanlagen wird nun die ganze Wertschöpfungskette bedient. So werden die Projekte lukrativer und werfen mehr Rendite ab. „Denn die Margen sind in den vergangenen Jahren nicht höher geworden“, sagte Christian Vogt, Leiter Beteiligungsmanagement der Stadtwerke.

In Norwegen gründeten die SWM mit Troender Energi deshalb ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen, „das die gesamte Wertschöpfungskette von Projektplanung, Bau, Betrieb und Wartung/Instandhaltung abdeckt“. An dem Unternehmen mit dem Namen Troender Energi Vind AS halten die Norweger mit 51 % die Mehrheit. Troender Energi selbst gehört 24 Städten und Gemeinden in der Region. Das Unternehmen beschäftigt rund 400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von umgerechnet 150 Mio. Euro im Jahr.

Für die acht Windparks mit rund 80 Anlagen wird eine jährliche Ökostrommenge von knapp 1,5 Mrd. kWh prognostiziert. 50 % davon werden fest an die Stromkunden der Troender Energi in der Region Trondheim abgegeben. „Ein Teil der Produktion ist also langfristig abgesichert“, sagte Bieberbach. Die übrigen 50 % werden frei vermarktet, wobei 70 % davon den Stadtwerken München zustehen. Die Stadtwerke wollen diesen Anteil an der Strombörse Nord Pool, aber auch über langfristige Stromverträge, sogenannte Power Purchase Agreements, kurz PPA, verkaufen.

PPA sollen bei der Stromvermarktung helfen
 
Angeboten werden kann und soll der Strom aus Norwegen über PPA auch deutschen Unternehmen. Stromverbindungen zwischen den Ländern seien vorhanden und würden weiter ausgebaut. In anderen Regionen wie in Skandinavien oder den USA sei es mittlerweile üblich, dass man größeren Gewerbe- und Industriekunden Strom aus einem Windpark direkt über PPA verkauft, so Bieberbach. Meistens würden die PPA noch ergänzt durch eine Ersatzlieferung, wenn gerade kein Wind weht.

In Deutschland sei das PPA-Modell allerdings noch wenig verbreitet. „Aber wir stellen fest, dass es bei Industrie und Gewerbekunden zunehmend auf Interesse stößt“, so der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung. Die Stadtwerke führten aktuell Gespräche mit Münchner Unternehmen, die Strom aus einem ihnen namentlich bekannten Windpark beziehen möchten.

Die Windparks mit Troender Energi in Mittelnorwegen sind nicht die einzigen der SWM in Norwegen. Seit Dezember 2018 haben die Münchner den Windpark Raskiftet mit 112 MW zu 60 % in ihrem im Portfolio. Das Gemeinschaftsprojekt mit den kommunalen norwegischen Energieversorgern Eidsiva Energi und Gudbrandsdal Energi liegt knapp 300 Kilometer südlich von Trondheim.

Um ihr Ziel bei der Erzeugung zu erreichen, brauchen die SWM weitere Anlagen. Bei künftigen Erneuerbaren-Projekten legen die Stadtwerke dabei nach wie vor den Schwerpunkt auf West- und Nordeuropa. Als kommunales Unternehmen lege man großen Wert auf Rechtssicherheit, sagte Bieberbach. Viele Staaten in Süd- und Osteuropa könnten dies nicht so leisten, wie es sich die Stadtwerke wünschten.
 
Der Offshore-Markt ist „überhitzt“

Keine Option ist für Bieberbach, sich aktuell an weiteren Windkraftanlagen im Meer zu beteiligen. Die Stadtwerke haben in den vergangenen Jahren drei Anteile an Meereswindfarmen in der deutschen Nordsee erworben und einen in der Irischen See. Er sehe eine gewisse „Überhitzung“ des Offshore-Windmarktes, sagte der Vorsitzende der SWM-Geschäftsführung, daher habe man entschieden, dort nicht mehr zu investieren. Es hätten sich vor allem internationale Fonds zu Bedingungen und Preisen engagiert, die aus Stadtwerkesicht „völlig aberwitzig waren“. Wenn sich einige Investoren dann „blutige Nasen geholt“ hätten und sich der Markt etwas beruhigt habe, dann könne man auch wieder über ein Engagement nachdenken, so Bieberbach.

Die Ausbauoffensive erneuerbarer Energien der Stadtwerke München geht zurück auf einen Stadtratsbeschluss vom 11. August 2009. „Ich habe ihn in meinem Büro hängen als Erinnerung“, sagte Bieberbach. Die Bürgervertreter haben damals das kommunale Unternehmen beauftragt, so viel Strom aus eigenen Erneuerbaren-Energien-Anlagen zu erzeugen, dass München damit als erste deutsche Großstadt bis zum Jahr 2025 rechnerisch zu 100 % mit Ökostrom versorgt werden kann. Zum damaligen Zeitpunkt lag der Anteil erneuerbarer Energien bei den SWM bei unter 5 %. „Das waren in erster Linie Wasserkraftwerke und das Windrad auf dem Müllberg.“

Seitdem hat sich das Unternehmen auf 57 % Ökostromanteil hochgearbeitet. Mit dem nun vorgestellten Projekt in Norwegen soll im Jahr 2021 der Ökostromanteil 71 % betragen. Dann sollen alle Erneuerbare-Anlagen der SWM rund 5,1 Mrd. kWh Ökostrom im Jahr erzeugen. Gleichwohl fehlen 29 %, „es müssen also noch ein paar große Projekte dazukommen“, sagte Bieberbach. Aber das Ziel sei in „in greifbarer Nähe“.

 
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Donnerstag, 21.02.2019, 08:31 Uhr