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Enerige & Management > Umfrage - Uneinige Weise
Bild: Fotolia.com, Bertold Werkmann
UMFRAGE:
Uneinige Weise
Die Ergebnisse der E&M-Leserbefragung zur Bundestagswahl zeigen, dass es auch unter den Unternehmen und Experten keine klaren Mehrheiten gibt, wie es weitergehen soll.
 
Es gibt keinen Königsweg aus dem Schlamassel in der Energiepolitik. Das ist wohl das wichtigste Ergebnis der E&M-Leserbefragung. Wir hatten im Sommer einen Querschnitt unserer Leser per Mail befragt, was politisch nach der Bundestagswahl geschehen soll und wird. Das Ergebnis: Die Unternehmen und Experten sind sich völlig uneinig. Beispielsweise in der Frage, ob es Sinn macht, die energiepolitischen Kompetenzen innerhalb der Bundesregierung in einem eigenen Ministerium zu vereinen. 44 Prozent plädieren für die Einrichtung eines Energieministeriums, 52 Prozent sind dagegen. Ähnlich das Meinungsbild bei der Frage nach der Partei mit der meisten Kompetenz in der Energiepolitik: 44 Prozent der Antworten sehen die CDU und CSU als beste Garanten für ein gutes Management der Energiepolitik, 42 Prozent unserer Leser plädieren dagegen für die Grünen. Deutlich weniger wird der SPD (zwölf Prozent) und der FDP zugetraut (sechs Prozent).

In Sachfragen keine klare Mehrheit für eine bestimmte Lösung

Nicht nur in den politischen Fragen gilt: Die Community der Energieunternehmen und der Energiefachleute ist völlig zerrissen. Auch in Sachfragen gibt es in kaum einem Punkt eine klare Mehrheit für eine bestimmte Lösung. Immerhin glaubt nur eine verschwindende Minderheit von sechs Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sich die für die Versorgungssicherheit notwendigen fossilen Kraftwerke ohne ein zusätzliches politisches Instrument sicherstellen lassen. Wie aber der notwendige Mechanismus zur Finanzierung der Bereithaltung von Kraftwerken aussehen soll, darüber gehen die Meinungen so wunderbar auseinander, als hätten sich die Befragten nach der Gaußschen Normalverteilung abgesprochen. 27 Prozent der Befragten plädieren für einen dezentral organisierten Leistungsmarkt nach dem Modell des Verbandes der kommunalen Unternehmen, in dem jeder Stromverbraucher seinen Leistungsbedarf für Stunden mit niedrigem Stromangebot selbst bestellen und bezahlen muss. 23 Prozent sehen die Lösung in einem fokussierten Kapazitätsmarkt nach dem Vorbild des Öko-Institutes, in dem nur stilllegungsgefährdete Bestandskraftwerke und flexible Neuanlagen gefördert würden. 17 Prozent plädieren für eine strategische Reserve, bei der die finanzierten Kraftwerke nicht am normalen Strommarkt teilnehmen und nur im Notfall einspringen dürfen. 14 Prozent sprechen sich für einen umfassenden Kapazitätsmarkt nach dem Modell des Energiewirtschaftlichen Institutes der Universität Köln aus. In diesem Modell könnten sowohl neue als auch alle bestehenden Kraftwerke von Zahlungen für das Bereithalten von Leistung profitieren.

Uneinigkeit auch in der Frage (bei der Mehrfachnennungen möglich waren), welches die dringlichste Aufgabe ist, die nach der Bundestagswahl in Angriff genommen werden muss: 56 Prozent forderten dringlich ein neues Marktdesign, 52 Prozent eine schnelle Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Ein klares Votum fiel allerdings zum Vorschlag der Altmaierschen Strompreisbremse: Ein einziger Befragter konnte sich dafür erwärmen. 98 Prozent sehen für die Durchsetzung dieses Vorschlags keine Notwendigkeit.

Gänzlich auseinander gehen die Meinungen, wie mit der Förderung erneuerbarer Energien künftig verfahren werden soll: 35 Prozent sprechen sich für eine Reduzierung der Fördersätze bei Beibehaltung des Modells der festen Einspeisevergütungen aus. 25 Prozent plädieren dafür, in dem Gesetz zusätzlich eine Mengenbegrenzung für die Förderung einzubauen. Nur zwölf Prozent wünschen sich die Umstellung auf ein Auktionsmodell und acht Prozent den Ersatz des Gesetzes durch ein Quotenmodell. Sechs Prozent fordern die ersatzlose Streichung. In diesem Punkt deutet sich also eine klare Mehrheit der Umfrageteilnehmer gegen einen völligen Systembruch an.

Kein klares Meinungsbild gibt es in der Frage, ob das Emissionshandelssystem in den kommenden Jahren zu einer signifikanten Verteuerung von Emissionszertifikaten führen wird. Die Preisschätzungen für das Recht, eine Tonne CO2 auszustoßen, liegen für das Jahr 2020 zwischen 0,1 und 70 Euro. Die meisten Befragten sehen eine Bandbreite zwischen zehn und 20 Euro als wahrscheinlich an. Einige gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 das Emissionshandelssystem abgeschafft ist.

Stochern im Nebel auch, was die Entwicklung des Börsenstrompreises bis zum Jahr 2020 angeht: Ein Großteil der Antwortenden sieht keinen deutlichen Anstieg des Großhandelspreises. Andere gehen davon aus, dass dann schon längst die Förderkosten für die Erneuerbaren in den Großhandelspreis integriert sind, der deshalb deutlich höher ausfallen wird.

In einer relativ geringen Bandbreite bewegen sich die Schätzungen für die EEG-Umlage im Jahr 2020. Die meisten Befragten gehen davon aus, dass sich diese zwischen fünf und zehn Cent je Kilowattstunde bewegen wird. Aber auch in diesem Punkt gibt es eine Minderheit, die vermutet, dass bis dahin die Förderung über einen anderen Mechanismus funktioniert und die Umlage abgeschafft ist.
Ein relativ klares Meinungsbild gibt es in der Frage, ob der Mangel an Kraftwerken in Süddeutschland eine Verlängerung der Laufzeiten einiger Kernkraftwerke verlangen wird: Nur 17 Prozent sehen eine Notwendigkeit dafür. 81 Prozent erwarten dagegen, dass alle Kernkraftwerke gemäß dem heutigen Ausstiegsfahrplan vom Netz gehen werden. Immerhin existiert also in diesem Punkt bei den Unternehmen und Experten eine klare Mehrheitsmeinung: Bei allem Durcheinander gilt eine nukleare Renaissance unter den 48 Energieunternehmen und -experten, die sich an der Umfrage beteiligt haben, als sehr unwahrscheinlich.

 
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Montag, 26.08.2013, 09:26 Uhr