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Bild: Fotolia, bluedesign
KLIMASCHUTZ:
USA melden sich beim Klimaschutz zurück
Mit einem neuen Klimaschutzziel für 2030 und einem internationalen Gipfel sind die USA im Kampf gegen die Erderwärmung auf der globalen Bühne zurück. Die ersten Reaktionen drauf.
 
(dpa) − Bei einem Online-Klimagipfel mit 40 Staats- und Regierungschefs im Weißen Haus hat US-Präsident Joe Biden zu einem entschiedenem und schnellem Handeln auf, um die Klimakrise einzudämmen. „Die Zeichen sind unübersehbar. Die Wissenschaft ist nicht zu leugnen. Die Kosten des Nichtstuns werden immer höher“, mahnte Biden am 22. April, dem ersten Tag seines einberufenen Online-Klimagipfels.

Er rief zu einem gemeinsamen Kraftakt auf und sieht insbesondere die größten Volkswirtschaften der Welt in der Pflicht. Die USA selbst wollen bis zum Ende des Jahrzehnts ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005 mindestens halbieren: Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene soll die Verringerung 50 bis 52 % betragen. Er wirbt insbesondere für die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes. Die Energiewende, der Ausbau von Elektromobilität und Infrastrukturmaßnahmen könnten Millionen gut bezahlter Jobs bringen.

Mit dem neuen Klimaziel, das die US-Regierung ausgegeben hat, erfüllen die USA eine Vorgabe des Pariser Klimavertrags, in den Biden das Land als eine seiner ersten Amtshandlungen zurückgeführt hatte. Sein Amtsvorgänger Donald Trump war aus dem internationalen Abkommen ausgestiegen. Das Klimaabkommen sieht vor, dass die Vertragsstaaten ihre Klimaziele alle fünf Jahre nachbessern. 

Der von Biden ausgerichtete zweitägige Online-Klimagipfel soll die Dringlichkeit und den wirtschaftlichen Nutzen stärkerer Klimaschutzmaßnahmen unterstreichen. Experten sind sich einig, dass sich bis 2030 weltweit viel mehr tun muss, wenn die Erderwärmung, wie 2015 von knapp 200 Staaten in Paris vereinbart, deutlich unter zwei Grad bleiben soll. Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erwärmt, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. 

Antonio Guterres: „Die Welt ist auf Alarmstufe Rot“

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte eine globale Koalition für Treibhausgasneutralität bis Mitte des Jahrhunderts, an der „jedes Land, jede Region, jede Stadt, jedes Unternehmen und jede Branche“ beteiligt werden sollte. Es brauche Steuern auf den Ausstoß von CO2, Kohle und Öl dürften nicht mehr subventioniert werden, das Verbrennen von Kohle müsse in den Industrieländern bis 2030 auslaufen. „Wir sehen ständig steigende Meeresspiegel, sengende Temperaturen, verheerende tropische Wirbelstürme und epische Waldbrände“, so Guterres. „Wir brauchen einen grünen Planeten - aber die Welt ist auf Alarmstufe Rot. Wir stehen am Rande des Abgrunds.“ 

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte auf Bidens Gipfel zu, mit der internationalen Gemeinschaft, einschließlich den USA, zusammenzuarbeiten, um die Verpflichtungen nach dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Xi versprach eine Verringerung des Kohleverbrauchs seines Landes von 2025 an und eine strenge Kontrolle der Kohlekraftwerke. China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde sowie der größte Kohleverbraucher und Kohlendioxidproduzent − damit kommt ihm im Kampf gegen die Erderhitzung wie den USA eine entscheidende Rolle zu.

Reaktion aus Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte das neue Klimaziel der USA. Dies sei ein klares Bekenntnis im Kampf gegen die Erderwärmung und ein wichtiges Signal an die Weltgemeinschaft. Um die globalen Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen erreichen zu können, sei die Welt auf den Beitrag der Vereinigten Staaten angewiesen. 

Deutschland habe seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Referenzjahr 1990 um 40 % gesenkt, sagte Merkel. Diesen Weg werde das Land weiter beschreiten. Deutschland werde seinen Beitrag leisten, um das nun verbindliche EU-Ziel erreichen zu können. So hatte sich die Europäische Union hatte sich am Tag vor dem Klimagipfel offiziell zu einer Senkung der Treibhausgase um mindestens 55 % bis 2030 und eine Wirtschaft ohne neue Klimalasten bis 2050 verpflichtet. 

Großbritannien strebt eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 68 % unter den Wert von 1990 an. Bis 2035 sollen die Emissionen um 78 % im Vergleich zum Niveau der 1990er Jahre reduziert werden. Großbritannien habe gezeigt, dass es möglich sei, Emissionen zu verringern und trotzdem ein erhebliches Wirtschaftswachstum zu erreichen, sagte Regierungschef Boris Johnson bei dem Gipfel. Die Erholung von der Pandemie könne dafür genutzt werden, um in eine grünere Zukunft zu investieren. 

Japans Regierungschef Yoshihide Suga kündigte an, sein Land wolle die Emissionen bis zum Fiskaljahr 2030/2031 um 46 % im Vergleich zum Fiskaljahr 2013 verringern. Bislang war eine Senkung um nur 26 % vorgesehen. Kanada wiederum will das Niveau der Emissionen von 2005 bis 2030 um 40 bis 45 % senken, wie Premierminister Justin Trudeau zusagte. 

 
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Freitag, 23.04.2021, 11:18 Uhr