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Enerige & Management > Mobilität - VDE-Expertenumfrage plädiert für Technologiemix
Bild: ÖShutterstock, ModernNomads
MOBILITÄT:
VDE-Expertenumfrage plädiert für Technologiemix
Für seine Studie "Antriebsportfolio der Zukunft" hat der Elektrotechnik-Verband VDE die Sichtweisen von Mobilitätsexperten aus Politik und Wirtschaft zusammengebracht. 
 
Anlass für die Studie war laut dem VDE vor allem die Fragestellung, ob Politik und
Wirtschaft ähnliche Erwartungen an das Antriebsportfolio der Zukunft haben oder nicht? Zur Beantwortung dieser Frage hat der VDE die Einschätzungen von acht Meinungsführenden aus der Politik und 19 aus der Wirtschaft eingeholt.

Die Ergebnisse liegen nun in Form eines ersten Reports vor. Die Hauptbotschaft: Nur mit einem intelligenten Mix aus allen verfügbaren klimaneutralen Antriebstechnologien Batterie, Brennstoffzelle und E-Fuels kann das ambitionierte Klimaziel der EU „Zero Emission“ erfüllt werden.

Das Antriebsportfolio für 2030 und danach müsse ausgewogen sowie ökologisch sein und sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten. „Nur dann ist die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Transformation der Mobilität im Rahmen des klimapolitischen Zielkorridors möglich“, sagt Ralf Petri, Leiter des Geschäftsbereichs Mobility im VDE. Die Befragten aus Politik und Wirtschaft sprechen sich aus diesem Grund in den nächsten Jahren für den Einsatz der verschiedenen Antriebstechnologien hinsichtlich ihrer spezifischen Stärken aus: batterieelektrischer Antrieb im PKW, Batterie- und Brennstoffzellen-Antrieb im gewerblichen Güter- und Schwerlastverkehr (je nach Anwendungsfall) und E-Fuels als Nischen- bzw. Brückenantriebstechnologie für Bestandsfahrzeuge und Sondernutzungen wie Motorsport und Oldtimer. 

Batterieelektrischer Antrieb nutzt Energie am effizientesten

Vor allem im PKW sei der batterieelektrische Antrieb die beste Alternative zum Verbrennungsmotor. Zum einen ist die lokal CO2-neutrale Antriebstechnologie am weitesten verbreitet und eine grundlegende Stromnetz-Infrastruktur flächendeckend vorhanden. Eine weitere wesentliche Stärke liegt in der Effizienz, da sie im Vergleich zu den untersuchten Antriebstechnologien am wenigsten Primärenergie benötigt. Die größte Herausforderung liegt im Auf- und Ausbau einer bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur. Die Befragten rechnen mit großen Technologiesprüngen und einer deutlichen Steigerung der Energiedichte bei gleichzeitiger Senkung der Batteriekosten in den nächsten Jahren.

Im Gegensatz zur Batterie erwarten die Experten bei der Brennstoffzelle für die nächsten Jahre kaum große Technologiesprünge. Auch der größte Nachteil – ein hoher Primärenergiebedarf und damit geringer Wirkungsgrad – wird sich nicht wesentlich verändern lassen. Für den individuellen Personenverkehr wird die Brennstoffzelle deshalb in naher Zukunft nur einen kleinen Anteil am Antriebsportfolio ausmachen. Ganz anders im Schwerlast- und Langstreckengüterverkehr sowie in den Bereichen Schienenverkehr, Schiff- und Luftfahrt. Hier spielt die Wasserstoff-Brennstoffzelle ihre Stärken aus: hohe Energiedichte über weite Strecken. Wesentlich ist dabei, dass es sich um „grünen“ Wasserstoff handelt, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wurde.

Der Vorteil von strombasierten Kraftstoffen (E-Fuels) bestehe darin, dass sie in der bestehenden Infrastruktur von Pipelines, Tankwagen, Zapfsäulen und herkömmlichen Verbrennungsmotoren unkompliziert eingespeist und genutzt werden können. Allerdings benötigt die Erzeugung dieser E-Fuels im Durchschnitt die sechs- bis achtfache Menge an Primärenergie verglichen mit dem batterieelektrischen Antrieb. Entsprechend hoch sind auch die zu erwartenden Preise für E-Fuels. „Es ist denkbar, dass E-Fuels für einen Nischenmarkt von Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren relevant bleiben – dort, wo auch eine hohe Zahlungsbereitschaft vorhanden ist“, ergänzt Petri.

Die für die Studie befragten Expertinnen und Experten aus Politik und Wirtschaft formulieren fünf Handlungsempfehlungen:
  • Dialog zwischen Politik und Wirtschaft ausbauen und institutionalisieren
  • Infrastruktur mit Fokus auf Erzeugung, Verteilung und Bereitstellung von nachhaltig produziertem Strom und Wasserstoff gezielt fördern
  • regulatorische Hürden abbauen
  • Kapitalzugang für große Innovationsprojekte verbessern
  • Endkunden-Kommunikation und staatliche Vorbildfunktion optimieren
„Unsere Ziele erreichen wir nur, wenn sich alle Akteure zusammensetzen und gemeinschaftlich die Transformation der Mobilität angehen“, fasst Petri zusammen. Die Mobilität der Zukunft benötige ein lokales, CO2-neutrales Antriebsportfolio, das auf einem intelligenten Mix aller verfügbaren klimaneutralen Antriebstechnologien basiere.
 
Für jede Fahrzeugkategorie gibt es eine besonders geeignete Antriebstechnologie, zum Teil sind die Übergänge fließend
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Grafik: VDE
 

Peter Koller
Redakteur
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Montag, 03.05.2021, 09:00 Uhr

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