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Enerige & Management > Vertrieb - Viel zu viele Stellschrauben bei der EEG-Umlage
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Viel zu viele Stellschrauben bei der EEG-Umlage
Die Annahme von Gutachtern beeinflussen maßgeblich die Berechnung der EEG-Umlage, der Obulus für das nächste Jahr hätte auch deutlich niedriger ausfallen können.
 
Die Kritik an der nur minimal gesenkten EEG-Umlage um 0,07 auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde für das kommende Jahr wächst. Möglich gewesen wäre ein Wert zwischen 5,4 und 5,8 ct/kWh berichteten über das dritte Oktoberwochenende übereinstimmend Spiegel und Handelsblatt. Beide Redaktionen beriefen sich auf „detaillierte Berechnungen“ aus Reihen der Strombranche. Durch die nicht ausgeschöpfte Reduktion müssten die Verbraucher jährlich bis zu zwei Mrd. Euro für ihren Strom berappen.

Dass die EEG-Umlage 2015 erstmals seit ihrer Einführung sinken würde, ist in Kreisen der Stromwirtschaft keine Überraschung. Seit Wochen wurde nur über die Höhe des Minus spekuliert. So ist der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) von einem Obulus in Höhe von 6 ct/kWh ausgegangen, beim Think Tank Agora Energiewende hatte der EEG-Rechner einen Wert von 5,86 Cent ausgespuckt. Auch Thomas Banning, Vorstandschef des Ökostromstromanbieters Naturstrom AG, ist von einer Abgabe deutlich unter sechs Cent ausgegangen: „Der Berechnung der EEG-Umlage liegen verschiedene Schätzungen zugrunde. Und diese Schätzungen sind zu hoch, wie schon im aktuellen Jahr deutlich wurde.“
In der Tat haben die Übertragungsnetzbetreiber bei der Berechnung der EEG-Umlage Spielraum, der entscheidend für einige Zehntelcent ist. Für die Festlegung der jüngsten Umlage haben die Gutachter Annahmen getroffen, die teilweise erheblich von den in der jüngsten EEG-Novelle festgelegten Ausbauzielen abweichen: So wird der Deckel für den Onshorewindausbau von 2 500 MW gleich um 664 MW getoppt, auf See rechnen die Experten mit 1 752 statt mit 1 100 MW. Auch bei der Biomasse liegt der wartete Zubau mit 115 MW, wenn auch nur leicht, über dem Ausbauziel von 100 MW. Diese scheinbar geringe Leistungszahl macht sich dennoch bei der Umlage deutlich bemerkbar, da die Biomasse mit ihren hohen Volllaststunden und hohe Einspeisevergütungen zu den Kostentreibern bei der EEG-Umlage zählt. Dagegen erwartet die ÜNB-Prognose bei der Photovoltaik statt der zulässigen 2 500 MW nur 1 698 MW, eine Zahl, die die Solarbranche wohl noch gar nicht richtig wahrgenommen hat. Ein Aufschrei aus ihren Reihen war bislang noch nicht zu vernehmen.

„Es sind genau solche Annahmen, die letztendlich darüber entscheiden, wie hoch die EEG-Umlage ausfällt“, sagt Christoph Podewils, Sprecher von Agora Energiewende, „es gibt eine Reihe von Stellschrauben, die sich beeinflussen lassen, in die eine oder andere Richtung.“ Agora Energiewende sei bei seiner Prognose beispielsweise von einem höheren Stromverbrauch und einer niedrigen Eigenstromerzeugung (EEG-Umlage befreit) ausgegangen.

Die Höhe der Liquiditätsreserve zählt zu den von Podewils erwähnten Stellschrauben. Die Übertragungsnetzbetreiber haben hier wie in den Vorjahren einen Wert von 10 Prozent der EEG-Umlage einkalkuliert, gesetzlich zulässig wäre auch eine geringere Liquiditätsreserve. „Dieser Wert ist viel zu hoch“, sagt BEE-Geschäftsführer Hermann Falk, „wir fordern eine schrittweise Absenkung auf siebeneinhalb und dann auf fünf Prozent.“ Der BEE geht für die kommenden Jahre davon aus, dass das EEG-Konto viel zu viel Geld ausweist: „Das fehlt der Bevölkerung an Kaufkraft.“

An Spekulationen, dass Bundeswirtschaftsminister Gabriel die hohe Milliardereserve auf dem EEG-Konto sehr gelegen kommt, versetzt ihn dieses Plus in die Lage, die Belastung bis zur kommenden Bundstagwahl 2017 publicityträchtig schrittweise zu reduzieren, will sich Falk nicht beteiligen: „Es bleibt bei unserer Forderung, dass die Berechnung für die EEG-Umlage auf ganz neue Füße gestellt werden muss.“ Der Ausbau der erneuerbaren Energien trage deutlich zur Senkung der Strompreise bei. „Das kommt bei den Verbrauchern nicht an, dieses Paradoxon gehört abgeschafft."

 
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Montag, 20.10.2014, 16:18 Uhr