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NETZE:
Viele Schritte zum neuen Netz
Der Ausbau des Übertragungsnetzes in Deutschland hat eine neue gesetzliche Grundlage und bekommt in diesem Jahr eine veränderte Organisationsstruktur.
 

Weil der Netzausbau zur Einbindung der erneuerbaren Energien in das Stromnetz, und damit zur Verwirklichung der politisch vorgegebenen Energiewende nötig ist, wurde er auch gesetzlich neu geregelt. Ein Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) und ein Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) bilden heute den gesetzlichen Rahmen, der das Vorgehen beim Ausbau des Übertragungsnetzes festlegt. Die Bundesnetzagentur koordiniert die Ausbau-Planungen.

Viele der noch nach dem alten Gesetz geplanten Netzausbauprojekte hinken der Zeitplanung hinterher  Grafik: BDEW

Dem Bau einer neuen Leitung gehen insgesamt vier Planungsschritte voraus. Intensive Konsultationen der Beteiligten untereinander und die Einbindung der Öffentlichkeit in die Diskussion sollen dafür sorgen, dass der Netzausbau möglichst einvernehmlich vonstatten geht.

Die vier Schritte im Detail

Der erste planerische Schritt ist die Erstellung eines so genannten „Szenariorahmens" durch die vier Transportnetzbetreiber. In ihm entwickelten sie bis Sommer letzten Jahres insgesamt vier Szenarien, wie sich der bundesdeutsche Kraftwerkspark bis zum Jahr 2022 beziehungsweise in einem Fall bis zum Jahr 2032 entwickeln könnte (siehe Grafik). Der Szenariorahmen wurde anschließend mit der Netzagentur diskutiert und angepasst, die dann Ende letzten Jahres einen „genehmigten Szenariorahmen" erließ.

Auf dessen Basis berechnen jetzt die vier Übertragungsnetzbetreiber mithilfe eines einheitlichen Netzmodells und unter Berücksichtigung der regionalen Verteilung der Kraftwerke ihren Ausbaubedarf. Der wird dann in einem sogenannten Netzentwicklungsplan festgeschrieben, dessen Entwurf der Bundesnetzagentur Anfang Juni übergeben werden soll. Um herauszufinden, welche Ausbaumaßnahmen für die weitere Entwicklung unverzichtbar sind, prüft man, welche Leitungsprojekte in allen drei Szenarien des Szenariorahmens notwendig wären; diese will man realisieren. Der Netzentwicklungsplan soll dann bis Herbst 2012 öffentlich diskutiert und unter Berücksichtigung der Einwände der Netzagentur und der Öffentlichkeit angepasst werden. Außerdem wird er mit einem Umweltbericht ergänzt.

Aus dem Netzentwicklungsplan und dem dazugehörigen Umweltbericht entsteht ein Bundesbedarfsplan, der den Rang eines Bundesgesetzes hat und der vom Bundestag erlassen wird.

Aus dem gesetzlich festgeschriebenen Bundesbedarfsplan ermittelt anschließend die Netzagentur konkrete Trassenkorridore für die einzelnen Hochspannungsleitungen. Die bundesweit einheitliche Planung ersetzt das Raumordnungsverfahren in den einzelnen Ländern. Im Verlauf der weiteren Planung sind mehrere öffentliche Anhörungen vorgesehen. Dieser sogenannten Bundesfachplanung schließt sich eine Planfeststellung zur exakten Festlegung des Leitungsverlaufs an. In dieser will man dann unter öffentlicher Beteiligung einzelne Maststandorte oder die Verteilung von Freileitungs- und Kabelstrecken diskutieren und festlegen. Insgesamt sind in dem ganzen Planungsprozess sieben Konsultationen der Öffentlichkeit vorgesehen, was den Netzausbau transparent gestalten soll.

Während in den oben geschilderten Entscheidungsstufen die Netzausbaupläne abgearbeitet werden, die sich aus der Energiewende ergeben, läuft aktuell noch das Ausbauprogramm auf Basis des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) von 2009 und der Dena-Netzstudie. Hier sollen 24 Leitungsprojekte, die als vordringlich eingestuft waren, umgesetzt werden. Das Bild „Netzausbauprojekte bis 2015" zeigt, welche der Leitungen im Plan und welche verzögert sind.

Verteilnetzbedarf wird ermittelt

Der Ausbau der Hochspannungsnetze alleine reicht nicht, um künftig die elektrische Energie aus Windkraftwerken und Fotovoltaik aufnehmen zu können. Gerade die Fotovoltaik speist auf der Verteilnetzebene ein. Deswegen sind auch Mittel- und Niederspannungsnetze immer stärker belastet und müssen ausgebaut werden. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzt die Investitionen dafür auf rund 13 Mrd. Euro, den Ausbaubedarf auf 195 000 km - es kann aber auch viel mehr werden, je nachdem, welchem Zubau man ansetzt. Die Daten wurden im März letzten Jahres kurz nach dem Erdbeben in Japan aber noch vor dem Beschluss der deutschen Energiewende veröffentlicht. Neuere Daten soll jetzt eine Verteilnetzstudie liefern, die die  dena zusammen mit Partnern von Universitäten und Vertretern aus Politik und Wirtschaft erstellt. Die Untersuchung startete im Juli 2011 und soll im Dezember 2012 abgeschlossen sein.

Möglicherweise kann der Netzausbau auf der Verteilnetzebene durch die Entwicklung so genannter intelligenter Netze gebremst oder teilweise vermieden werden. Bei dem Konzept des Smart Grid versucht man, Stromerzeugung und -verbrauch dadurch besser in Einklang zu bringen, dass man den Verbrauch etwa über Preissignale steuert und an die Stromproduktion anpasst. Sechs derartige intelligente Netze wurden im Rahmen des E-Energy-Projektes aufgebaut und getestet, ein erster Zwischenbericht wurde im Februar veröffentlicht. Zwischen fünf und zehn Prozent des Stromverbrauchs ließen sich beispielsweise im Bereich der Modellstadt Mannheim (Projekt moma) zeitlich verschieben. In Cuxhaven (Projekt eTelligence) setzte man auf das Speicher- und Lastverschiebungs-Potenzial von Kühlhäusern und einem Schwimmbad und stellte fest, dass sich damit der Windstrom tatsächlich besser ins Netz integrieren lässt. 25 Prozent der Kühlkapazität können hier als Regelleistung eingesetzt werden. Generell gilt dabei: Je genauer die Prognose für die Stromproduktion aus Erneuerbaren ist, um so besser lassen sich diese in das Netz integrieren, heißt es in dem Zwischenbericht.

Bestätigt wurde bei E-Energy auch, dass die Speicher -und verschiedene Potenziale im gewerblichen Bereich größer und einfacher zu erschließen sind als in Haushalten. Im Gewerbe kann man mit Einsparpotenzialen bis zu 20 Prozent rechnen, im Haushalt schwankt der Wert zwischen fünf und maximal 10 Prozent. Zudem ist das Erschließen der Verschiebe-Potenziale im gewerblichen Bereich heute teilweise schon wirtschaftlich attraktiv.

Auch ein anderer technischer Trick könnte helfen, den Netzausbau, diesmal auf der Hochspannungsebene, etwas zu verlangsamen: Auf Vorschlag der Bundesnetzagentur werden Generatoren in stillgelegten Kraftwerken zur Blindleistungskompensation eingesetzt. Die Blindleistung ist in einem Wechselstromnetz der Leistungsanteil, der nicht in Maschinen genutzt werden kann, der aber trotzdem im Netz hin- und herpendelt und so Leitungen und Trafos belastet. Eine Kompensation soll die Blindleistung in der Region, in der sie besonders groß ist, möglichst auf Null bringen. Derzeit wird der Generator des stillgelegten Kernkraftwerks Biblis A so umgebaut, dass er die Blindleistung in seinem Netzgebiet ausgleichen kann. Weitere derartige Projekte gibt es noch nicht.

Noch nicht so richtig angekommen ist der Netzausbaubedarf bei den Herstellern von Netztechnik, bei Siemens, ABB und Alstom. Bei ABB rechnet man bestenfalls im nächsten Jahr mit einer Nachfrage für den Ausbau des Übertragungsnetzes. Bei elektrotechnischen Anlagen auf Verteilnetzebene beobachtet ABB bisher nur eine punktuelle Nachfrage.

Ähnlich stellt sich der Markt für Siemens dar. Auch dort registriert man vor allem, dass der Netzausbau in Deutschland sehr langsam vorangeht. Allerdings ist man zuversichtlich, dass im Übertragungsnetz-Bereich demnächst erste Bauprojekte ausgeschrieben werden. Alstom will sich zu dem Thema nicht äußern.


 
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Donnerstag, 16.02.2012, 10:04 Uhr