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Enerige & Management > Wasserstoff - Wasserstoffwirtschaft braucht mehr Erneuerbare
Illustration einer Wasserstoff-Produktion auf dem Meer in einem Windpark. Grafik Greenstat
WASSERSTOFF:
Wasserstoffwirtschaft braucht mehr Erneuerbare
Das Beratungshaus BET aus Aachen hat ein Impulspapier Wasserstoff vorgelegt, in dem eine Reihe von Anwendungsfeldern und der regulatorische Rahmen beleuchtet werden.
 
Die Autoren der Studie sehen vor allem in der Industrie für den Einsatz von Wasserstoff großes Potenzial. BET-Geschäftsführer Olaf Unruh hebt besonders die nicht energetische Verwendung in der Stahlproduktion und der Chemieindustrie hervor. Vielversprechende Anwendungsgebiete seien auch der Güterverkehr und der ÖPNV. Eher langfristig wirksam, aber ein durchaus wichtiges Element für die Klimaneutralstrategie Deutschlands, sei die saisonale Speicherung von Wasserstoff und anschließende Verstromung. Die dabei anfallende Wärme könne darüber hinaus in Wärmenetze eingespeist werden.

Die Studie wurde im Auftrag der Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen erstellt, und untersucht die Möglichkeiten, Wasserstoff als Energieträger künftig für die Wirtschaft in dem Bundesland, das Ende 2020 auch eine eigene Wasserstoffstrategie vorgestellt hat, nutzbar zu machen. Die grundlegenden Aussagen zu Einsatzmöglichkeiten und Regulierung lassen sich aber durchaus bundesweit übertragen.

Politischer Dialog über die Produktion von blauem Wasserstoff notwendig

Heute werde Wasserstoff als „grauer Wasserstoff“ noch hauptsächlich auf Basis fossiler Energieträger wie Erdgas und Erdöl hergestellt. Für eine Dekarbonisierung der Wirtschaft seien jedoch emissionsarme und emissionsfreie Erzeugungsverfahren entscheidend – allen voran die Elektrolyse mit regenerativ erzeugtem Strom („grüner Wasserstoff“). Um die bis 2030 in Deutschland geplanten Elektrolysekapazitäten von 5.000 MW zur Erzeugung von grünem Wasserstoff mit Strom zu versorgen, ist laut den Autoren das Äquivalent der Jahresproduktion von 3.000 Onshore-Windkraftanlagen mit jeweils 3 MW Leistung erforderlich. Allein in Nordrhein-Westfalen sollen 3.000 MW an Elektrolysekapazitäten bis 2030 entstehen. Entsprechend solle der Ausbau der erneuerbaren Erzeugungskapazitäten den durch die Wasserstoffproduktion bedingten zusätzlichen Bedarf an regenerativ erzeugtem Strom berücksichtigen. Deshalb müssten die Ausbauziele des EEG 2021 und der zugrunde liegende Strommengenpfad „deutlich“ erhöht werden.

Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass die nicht ganz emissionsfreien Herstellungsverfahren für einen schnellen Markthochlauf der Wasserstoffanwendungen notwendig sind. Vor diesem Hintergrund solle der kostengünstig verfügbare Wasserstoff, der als Nebenprodukt der chemischen Industrie anfalle, berücksichtig werden. Zudem mahnen sie einen ergebnisoffenen politischen und gesellschaftlichen Dialog über die Produktion von sogenanntem „blauen Wasserstoff“ an. Denn die große Mehrheit energiewirtschaftlicher Studien gehe davon aus, dass zur Erreichung der in Paris beschlossenen Klimaziele die Abspaltung und Speicherung beziehungsweise die Nutzung von Kohlenstoffdioxid erforderlich seien.

Keine getrennte Betrachtung von Erdgas- und Wasserstoffnetzen

Zu den Handlungsempfehlungen der Berater zählen auch die Überprüfung und Erweiterung der derzeitigen Einspeiseregelungen für Wasserstoff im Energiewirtschaftsgesetz und in der Gasnetzzugangsverordnung. Die im Gesetzentwurf zur EnWG-Novelle enthaltene getrennte Betrachtung von Erdgas- und Wasserstoffnetzen erhöhe den Bedarf an neuer Regulierung und führe zu Umstellungsaufwand bei den Netzbetreibern. „Alternativ sollte geprüft werden, ob nicht über eine Ausweitung des bestehenden und erprobten Regulierungsrahmens für Erdgasnetze auf Wasserstoff eine zügigere und einfachere Lösung erreicht werden kann“, heißt es in dem 33-seitigen Papier.

Insgesamt haben die Autoren zehn Handlungsfelder zur Unterstützung des Markthochlaufs von Wasserstoff identifiziert. Dazu gehören unter anderem noch der Aufbau internationaler Partnerschaften und Märkte, die Einrichtung transparenter Förderprogramme und die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren.

Das Impulspapier „Wasserstoff – Chancen für die Wirtschaft in NRW   “ steht auf der Internetseite von BET zum Download zur Verfügung.
 
 

Fritz Wilhelm
Stellvertretender Chefredakteur
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Dienstag, 27.04.2021, 16:10 Uhr

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