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Enerige & Management > Smart Meter - Wie erklär' ich es meinem Kunden?
Bild: Fotolia.com, unique3d
SMART METER:
Wie erklär' ich es meinem Kunden?
Wie die Letztverbraucher vom Smart Metering in Zukunft profitieren werden, ist noch nicht klar. Doch für die Messstellenbetreiber und solche, die es werden wollen, steht fest: Der Mehrwert liegt in den Daten.
 
Bisher hat der Kunde seinen Zähler überhaupt nicht wahrgenommen. Plötzlich sollen ihm aber aus der neuen Technologie Vorteile erwachsen. Wie das genau gehen soll, darüber müssen sich die Marktakteure intensiv Gedanken machen. Ideen gibt es, aber noch keine Patentlösung. Und es besteht augenscheinlich noch erhebliche Unsicherheit, wie man als Energieversorger dem Endverbraucher den verpflichtenden Einbau von intelligenten Zählern erklären soll.

Plötzlich eine Baustelle, wo vorher nicht gebaggert wurde

Dies wird angesichts der jüngsten Stellungnahmen von Verbänden zum Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende deutlich, zeigt sich aber auch in Diskussionen bei Konferenzen, wie etwa bei den diesjährigen Metering Days des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) in Fulda. Dort sprach Ulrich Wernekinck, Technischer Geschäftsführer von RWE Metering, von einer „schwierigen“ und „spannenden“ Aufgabe für die nächsten eineinhalb Jahre. Denn 2017 soll der Rollout intelligenter Messysteme in Deutschland beginnen. Dies sieht jedenfalls der Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums für das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vor, der am 21. September dieses Jahres offiziell veröffentlicht wurde. „Bisher hat der Kunde den Zähler gar nicht wahrgenommen und hat deshalb das gesamte System auch nicht hinterfragt“, sagte Wernekinck. Warum auch – wenn alles funktioniert. „Deshalb müssen wir sorgfältig darauf achten, dass wir Zähler einbauen, die einwandfrei funktionieren und dass der Kunde auch einen entsprechenden Mehrwert findet“, mahnte der RWE-Manager. Es war ihm anzumerken, dass so viel Aufhebens um die Messgeräte ihm nicht recht ist. So mancher Energieversorger scheint zu fürchten, plötzlich eine Baustelle zu haben, wo vorher gar nicht gebaggert wurde.

Die Antwort auf die Frage nach dem Mehrwert hatte Tim Karnhof, Leiter Smart Metering bei Trianel direkt parat: „Der Mehrwert liegt in den Daten.“ Bisher würden diese allerdings meist gesammelt und erst hinterher werde deren Wert untersucht. Er halte es jedoch für sinnvoll, Geschäftsmodelle zu entwickeln und dafür gezielt bestimmte Daten zu sammeln und aufzubereiten. „Mit Blick auf 2017 sollte der Vertrieb aber jetzt anfangen, etwas aus den Daten zu machen“, riet er. Der vorliegende Gesetzentwurf gebe auf jeden Fall ausreichend Planungssicherheit für diesen Schritt.

 
Geschäftsmodelle zu entwickeln und dazu entsprechende Daten zu sammeln, könnte sinnvoller sein, als Daten anzuhäufen und sich erst hinterher über deren Verwendung Gedanken zu machen
Bild: Siemens



Der Rollout von intelligenten Zählern bzw. Messsystemen, wie ihn sich die Bundesregierung vorstellt, soll ab 2017 bei allen Verbrauchern mit mehr als 10 000 kWh pro Jahr anlaufen. Ab 2020 kann dann der Messstellenbetreiber, „wenn er nutzenorientierte Kostendeckel einhält“, auch Kunden mit geringerem Verbrauch einbeziehen.

Auf den ersten Blick scheint es mit dem Mehrwert für den Haushaltskunden also noch gar nicht so eilig zu sein. Dieser Meinung ist auch Peter Heuell, Geschäftsführer von Landis+Gyr in Deutschland. Erst ab 2020 rücke der Haushaltskunde in den Fokus. Bis dahin erwartet Heuell „Innovationen von oben nach unten“. Aus den Ansätzen für die Großverbraucher ließen sich sicherlich Produkte für die Gruppen mit niedrigerem Verbrauch ableiten, mutmaßt der Chef des Messdienstleisters mit Sitz in Nürnberg.

Bevor sich die Vertriebsstrategen daran machen, etwas abzuleiten, macht es jedoch Sinn, sich den vergleichsweise leicht zu hebenden Potenzialen zuzuwenden. Was schon heute möglich ist, zeigt ein Blick nach Dresden. Neben den Gewerbetreibenden habe die Wohnungswirtschaft ein großes Interesse an Daten signalisiert, die zu anderen Zeiten als dem jährlich einmaligen Ablesedatum erhoben und bereitgestellt werden. Allerdings weist Ralf Schaff darauf hin, dass man nicht beim Strom aufhören dürfe. „Wir erfassen das gleiche Datenvolumen bei der Fernwärme. Auch dort nehmen wir monatliche Zählerstände auf“, erklärt der Gruppenleiter Zählstellen der Drewag Netz und fügt hinzu: „Der Mehrmedienansatz, wie er jetzt im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vorgesehen ist, entspricht genau unserer Strategie.“ Gerade Daten für die Bewirtschaftung von Liegenschaften seien gefragt. „Wir erschließen bei Bedarf alle Medien kommunikativ und stellen die Daten über eine Kundenschnittstelle zum Beispiel für die Gebäudeleittechnik zur Verfügung.“

Filialisten als mögliche Kundengruppe

Trianel-Manager Karnhof sieht auch Filialisten als eine Kundengruppe, die für Messstellenbetreiber künftig sehr interessant sein dürfte. Er denkt an die eine oder andere Schuhkette, nachdem er erfahren hat, dass ein Unternehmen der Branche mit rund 100 Filialen bisher mit nur einem Messwert pro Jahr zufrieden war. Der freiwillige Einbau von Smart Metern soll nun eine Vergleichbarkeit der Filialen ermöglichen. In die Kategorie mit 40 000 bis 90 000 kWh sortiert Karnhof auch Autohäuser ein, mit ihren Beleuchtungsvorgaben von Seiten der Hersteller. An der Zusammenarbeit mit den Kunden zeige sich deutlich, dass die Energiewende nur im Dialog mit den verschiedensten Playern wirklich zum Erfolg führen könne.

Ob die Stadtwerke weitere Kundengruppen jedoch schnell erschließen, ist die Frage. Synergien heben, Erfahrungen austauschen, eine gemeinsame IT-Infrastruktur ausbauen und nutzen – alles Argumente, die kommunale Unternehmen überzeugen sollen, in Netzwerken mitzuarbeiten. Die Trianel sieht sich mit ihrer Smart-Metering-Plattform jedenfalls gut aufgestellt. Zu den First Movern zu gehören, sei demnach kaum mit Risiken verbunden. Karnhof ist überzeugt, dass einen Wettbewerb um die Messstellenkunden geben wird: „Schneller als man denkt“. Daher rät er den Stadtwerken, sich jetzt mit entsprechenden Geschäftsmodellen zu beschäftigen.

Nach Ralf Schaffs Erfahrungen ist der Bedarf an detaillierteren Daten als einem Monatswert für Haushaltskunden allerdings uninteressant und nicht notwendig. Ein genereller Smart-Meter-Rollout sei aus dieser Perspektive nicht gerechtfertigt. Schon die Verbrauchsvisualisierung, wie sie auch im Gesetz gefordert sei, sei seiner Meinung nach überbewertet.

Der durchschnittliche Jahresstromverbrauch einer vierköpfigen Familie in Dresden liegt bei 2500 kWh. Einsparpotenziale sind also kein großes Thema für die Kunden. Dennoch hat die Drewag auch in diesem Segment den Zähler-Generationswechsel eingeleitet. Schaff ist sich allerdings bewusst, dass der Einbau nur Sinn macht, wenn er für die Prozessabläufe des Verteilnetzes und den Verbrauchernutzen einen Mehrwert bringt. Zusätzliche Kosten dürften für den Haushalt ohne eine Wertsteigerung nicht anfallen. Die „Zwangsbeglückung“ mit erhöhten Kosten für alle Kunden, wie sie die im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende vorgesehen Preisobergrenzen darstellen, seien „eher abzulehnen“. Die für den Verbraucher anfallenden Kosten müssten sich eher an den genutzten Funktionalitäten orientieren.

„Waschen in der Nacht“ oder sonstige Herausforderungen an das Gewohnheitstier in uns hält auch Karnhof für „Tinnef“. Er rechnet nicht damit, dass sich Haushaltskunden in signifikantem Umfang aus ihrer Komfortzone bewegen werden. Bei Gewerbekunden sieht er allerdings sehr wohl eine Bereitschaft zur Flexibilität. Beispielsweise in der Holztrocknung von Sägebetrieben lägen Verschiebepotenziale mit hohen Volumina. Dazu seien sie prozesstechnisch relativ leicht zu realisieren. „Um das erkennen zu können, muss ich aber erst einmal in der Lage sein, typische Verbrauchsstrukturen einzelner Branchen oder Gewerbebetriebe zu analysieren. Mit 96 Viertelstundenwerten pro Tag, kann ich eine Verbrauchsstruktur abbilden und abschätzen, ob es überhaupt eine Möglichkeit zur Lastverschiebung gibt“, so Karnhof.



Nicht ohne Not

Was Energieversorger ihren Endkunden als Mehrwert des Smart Meterings bieten, ist eine Sache. Eine andere ist die Kundenrolle der Stadtwerke selbst. Denn die Großen stehen bereit, die Kleinen beim Rollout zu begleiten. So können diese beispielsweise den Zertifizierungsaufwand reduzieren. „Arbeitsteilung“ nennen es die Energiekonzerne, die derzeit an verschiedenen Dienstleistungspaketen arbeiten und damit rechnen, dass vor allem kleinere Kommunale sich schwer tun werden, das Know-how und die Ressourcen aufzubauen, um als Messstellenbetreiber zertifiziert zu werden und aufzutreten zu können. Das Outsourcing kann einzelne Aktivitäten umfassen. Unter Umständen kann das Stadt- oder Gemeindewerk aber auch seine gesamte Grundzuständigkeit für intelligente Messsysteme im Wege einer Ausschreibung auf ein anderes Unternehmen übertragen. Dieses Ausstiegsszenario dürfte eher unwahrscheinlich sein. Denn in Zeiten, in denen Daten als das „neue Öl“ gehypt werden, ist der Zugang zum Treibstoff der digitalisierten Energiewirtschaft Gold wert. Schließlich ging auch keine Hand in die Höhe, als Tim Karnhof von Trianel bei den Metering Days des ZVEI in Fulda das Auditorium fragte, ob jemand von vornherein das Geschäftsmodell einem Dritten überlassen würde.

 
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Dienstag, 13.10.2015, 12:17 Uhr