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REGENERATIVE:
„Wir wollen der Porsche der Windenergie bleiben“
Wie Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, Vorstandschef des Windkraftanlagen-Herstellers REpower Systems AG, das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die Perspektiven seines Unternehmens sieht.
 

E&M: Der Bundestag hat am 2. April die Novelle des EEG beschlossen. Wie beurteilen Sie die Chancen für die Windkraft, die sich aus dem EEG ergeben?

Vahrenholt:
Nach einem monatelangen Hickhack zwischen dem Bundesumweltministerium und dem –wirtschaftsministerium hat es meines Erachtens einen vertretbaren Kompromiss gegeben, der die Chancen der Windkraft in den nächsten Jahren stabilisiert. Das neue EEG ist aber auch eine große Herausforderung für uns Hersteller: Für Neuanlagen gibt es eine jährliche Degression von zwei Prozent. Außerdem ist die Grundvergütung für Windstrom gesenkt worden. Das sind alles Beschneidungen, die keinem anderen Energieträger zugemutet werden.

E&M: Die Reaktionen der Windbranche auf das neue EEG sind eher verhalten ausgefallen. Positiv dürften für Sie allenfalls die erhöhten und verlängerten Vergütungen für Offshore-Windparks sein?

Vahrenholt:
Das stimmt. Diese neue Regelung bestärken unsere unternehmerischen Entscheidungen, von Beginn an auf große Anlagen gesetzt zu haben. Nur diese Turbinen machen auf See wirtschaftlich Sinn. Wir haben uns schon früh darauf eingestellt, dass die Maschinen offshore sowohl weit weg von der Küste als auch in großen Wassertiefen aufgestellt werden. Das EEG hilft den Investoren, ihre Rentabilität zu sichern. Nach wie vor sehe ich aber die größten Hemmnisse für die Offshore-Projekte in der Genehmigungspraxis sowie in der Ableitung des Stroms an Land. Wir gehen deshalb davon aus, dass der erste deutsche Offshorepark nicht vor 2006 in Betrieb geht.

E&M: Welche Entwicklung erwarten Sie für den deutschen Markt beim Ausbau an Land?

Vahrenholt:
Das Marktvolumen sinkt weiter. Ich gehe für dieses Jahr von einer neu installierten Kapazität von vielleicht 2 200 MW aus, nach rund 2 650 MW im Vorjahr. Dass es mit der Erhöhung des Referenzertragsfaktors im EEG eine Verkürzung der Laufzeitvergütung gibt, ist sicherlich alles andere als ein Marktimpuls, den wir hierzulande brauchen. Umso mehr setzen wir auf den Export.

E&M: Das ist nicht neu, das haben Sie bereits im vergangenen Jahr angekündigt und dann nur insgesamt fünf Anlagen nach Tschechien und Japan geliefert. Was kommt dieses Jahr definitiv?

Vahrenholt:
2004 ist für uns das Transformationsjahr. Viele Projekte werden in diesem Jahr vorbereitet, sodass wir 2005 voll durchstarten können. Dabei konzentrieren wir uns auf Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Großbritannien. In diesem Jahr wollen wir an die 50 Maschinen ins Ausland liefern und diese Zahl in den Folgejahren kontinuierlich ausbauen. Ich weiß, dass ich diese Zahl auch schon für 2003 angekündigt habe. Nicht nur wir, sondern auch andere Hersteller haben den französischen Markt viel zu optimistisch eingeschätzt. Ich bin mir sehr sicher, dass wir unsere Exportquote deutlich steigern werden: Länder wie Großbritannien oder Frankreich stehen bei der Windkraft-Nutzung heute da, wo Deutschland sich vielleicht 1993 befand.

E&M: Schwingt da auch nicht wieder zu viel Optimismus mit?

Vahrenholt:
Nein. Großbritannien ist mittlerweile ein Ölimport-Land. Die Regierung von Tony Blair hat das erkannt und ein ambitioniertes Förderprogramm für erneuerbare Energien aufgelegt. Im Jahr 2010 soll der Ökostromanteil bei zehn Prozent liegen, was nur mit einem massiven Ausbau der Windkraft möglich ist.

E&M: Bleibt es bei Ihrem Ziel, bis Ende 2005 auf vier großen Windmärkten zu den Top Four der Hersteller zu zählen?

Vahrenholt:
Auf jeden Fall. In Deutschland, dem weltweit wichtigsten Markt, haben wir das schon geschafft. Gute Chancen sehe ich für uns in UK, Portugal und Italien. Schwieriger wird es wohl in Spanien.

E&M: Mit einem Marktanteil von 3,5 Prozent ist REpower mittlerweile – weltweit gesehen – die Nummer Sechs unter den Herstellern, was auch bedingt ist durch die Fusionen von Vestas mit NEG Micon oder der beiden spanischen Firmen Gamesa mit Made. Sind Sie mit einem Umsatz von 290 Millionen Euro aber nicht zu klein, um auf Dauer noch weiter nach vorne zu kommen?

Vahrenholt:
Der Konzentrationsprozess in der Windbranche wird sich weiter fortsetzen, kein Frage. In der Automobilbranche sehen wir aber, dass neben DaimlerChrysler und Toyota Firmen wir Porsche oder BMW auch gute Geschäfte machen. Unser Ziel ist es, der Porsche der Windenergie zu bleiben, d.h. wir bauen besonders zuverlässige und ertragreiche Windturbinen. Was andere Hersteller durch Kostendegression bei der Fertigung sparen, machen wir durch eine bessere Technologie wett.

E&M: Dennoch: Kommen Sie auf Dauer ohne einen finanzkräftigen Partner aus? Sind Sie aktuell auf Partnersuche?

Vahrenholt:
Warum sollte das der Fall sein?

E&M: Der amerikanische Pensionsfonds T. Rowe Price Associates aus Baltimore hat jüngst bekannt gegeben, mehr als fünf Prozent der REpower-Aktien zu halten. Das ist durchaus ein untrügerisches Indiz dafür, dass REpower ein interessantes Unternehmen ist. Und von einem Pensionsfonds bis zu einem Partner aus dem Maschinenbau oder der Energiewirtschaft ist es auch nicht mehr so weit.

Vahrenholt:
Dass T. Rowe Price sich Aktien von uns auf dem freien Markt besorgt hat, werte ich durchaus als Kompliment für uns. Solche Fondsverwaltungen investieren sehr weitsichtig. Der Fonds glaubt an uns.

E&M: Schön für REpower. Was ist aber mit einem möglichen Partner?

Vahrenholt:
Das Kapital ist für uns der  limitierende Faktor. Wir überprüfen derzeit verschiedene neue Möglichkeiten unseren Finanzierungsspielraum zu erweitern.

E&M: Wenn Sie auf das letzte Geschäftsjahr zurückblicken, müssen Sie ein lachendes und ein weinendes Auge haben. In Deutschland hat REpower seinen Marktanteil nennenswert ausbauen können, dennoch gab es einen Gewinneinbruch.

Vahrenholt:
Durch die von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement losgetretene Debatte um die Zukunft des EEG hat es eine riesige Verunsicherung auf den Kapitalmärkten gegeben. Das hat dazu geführt, dass wir im vierten für die gesamten Windbranche so wichtigen Quartal unsere Anlagen nur mit Margenverlusten platzieren konnten, die wehgetan haben. Große Sprünge bei den Margen wird es aber auch dieses Jahr nicht geben. Wir haben insofern noch Glück, dass gut 40 Prozent der bestellten Anlagen auf unsere Zwei-MW-Anlage entfällt. Bei dieser Maschine ist unsere Verdienstspanne etwas größer.

E&M: Wie wollen Sie in diesem Jahr auf dem deutschen Markt abschneiden?

Vahrenholt:
Unser Ziel ist es, wie im Vorjahr bei einem Marktanteil von rund elf Prozent zu landen. Damit bestätigen wir die Erfolge seit unserer Gründung und sind weiterhin die erfolgreichste Neugründung in der Windbranche der vergangenen fünf Jahre.


 
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Montag, 05.04.2004, 10:44 Uhr