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Zufrieden mit der smarten Regelung
Die E-Energy-Projekte sind offiziell abgeschlossen, die Teilnehmer zeigen sich mit dem Erreichten zufrieden. Trotzdem ist noch unsicher, wie es mit der Entwicklung intelligenter Stromnetze in Deutschland weitergeht.
 
Die Stromnetze in Deutschland müssen zur Verwirklichung der Energiewende nicht nur ausgebaut, sondern auch intelligenter werden – so fasste Jürgen Becker, Staatssekretär im Umweltministerium in Berlin, auf dem Abschlusskongress die Ergebnisse der E-Energy-Projekte zusammen. In deren Rahmen hatten insgesamt sechs Modellregionen versucht, die Stromnachfrage in Haushalten und Gewerbe mit Hilfe von sehr viel Mess- und Steuertechnik und Software besser an die Stromproduktion anzupassen. Ergänzt wurde der technische Aufbau der intelligenten Stromnetze durch Arbeitskreise, die sich etwa über die nötigen Änderungen der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen Gedanken machten. Diese sogenannte Begleitforschung koordinierte B.A.U.M. Consult.
 
Ein wichtiges Ergebnis der Versuche ist, dass sich mit Smart Grids durch finanzielle Anreize bis zu 10 % des elektrischen Energieverbrauchs zeitlich verschieben lassen, um die Netze zu entlasten. In Gewerbebetrieben ist der Effekt mit bis zu 20 % deutlich größer. Klar ist auch, dass der technische und der finanzielle Aufwand dafür sehr groß sind. Beim Branchenverband BDEW ist man deswegen noch nicht überzeugt davon, dass intelligente Netze und die Ausstattung aller Haushalte mit elektronischen Zählern und mit Regelsoftware der richtige Weg sind. Die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller sah in Berlin auf der Abschlussveranstaltung einen Voll-Rollout elektronischer Messgeräte in Deutschland skeptisch. Erst die für das Frühjahr angekündigte Analyse von Kosten und Nutzen einer derartigen Maßnahme müsse zeigen, was sinnvoll ist, sagte sie.
 
Autonome Zellen haben Vorteile
 
Nach den Worten von Ludwig Karg, Leiter der E-Energy-Begleitforschung, haben die Projekte gezeigt, dass durch genauere Prognosen, durch Fahrpläne und durch ständige Messung des Verbrauchs die Einbindung erneuerbarer Energien in das Netz besser gelingen kann. Allerdings wird es „nicht das Smart Grid Deutschland geben“; unterschiedliche Netze und Anforderungen machen auch regional verschiedene Lösungen nötig, betonte er. Gezeigt habe sich in den Versuchen, das sich Systeme mit kleinen, sich selbst regelnden regionalen Zellen, wie sie in der Modellstadt Mannheim (moma) aufgebaut wurden, nicht nur in der Praxis realisieren lassen, sie haben laut Karg auch Vorteile bei Netzfehlern und bei der Schwarzstartfähigkeit. Als solche autonomen Zellen können auch intelligente Gebäude fungieren, sie helfen dann, die Komplexität des Gesamtsystems zu reduzieren, verdeutlichte Karg: „Man muss nicht jede einzelne Waschmaschine ansteuern.“
 
Festgestellt hat man während der Projekte, dass die Kunden unterschiedlich angesprochen und überzeugt werden müssen. Manchen reicht ein Anzeigegerät, um den Energieverbrauch zu verdeutlichen und die Hausbewohner zum Sparen anzuregen, für die meisten Kunden ist aber eine Automatisierung besser. Generell gilt, dass die Systeme an der Schnittstelle zum Kunden so einfach wie möglich gestaltet werden sollten – den Nutzer darf die Komplexität des Gesamtsystems nicht verwirren, und er darf auch nicht zu weit in das System eingreifen können.
 
Mit den Kunden haben die an den Tests Beteiligten ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Teilweise machten sie begeistert mit, berichtete etwa Tanja Schmedes, die für EWE das Projekt eTelligence betreute, teilweise musste aber auch wegen Vorbehalten und Informationsdefiziten auf Kundenseite ein großer Aufwand bei der Akquise betrieben werden, sagte Katharina Vera Boesche von B.A.U.M. Consult in Berlin. Und Hellmuth Frey, der für EnBW beim Projekt MeRegio dabei war, traf zunächst zwar ebenfalls auf begeisterte Kunden, doch nahm deren Interesse am Energieverbrauch nach der Anfangsphase ab, blieb dann aber auf einem niedrigeren Niveau konstant.
 
Technische Weiterentwicklung für den Massenmarkt
 
Große Schritte sind noch bei der technischen Weiterentwicklung von Steuerungstechnik und Software nötig, verdeutlichte etwa Jochen Kräusel, Smart-Grid-Experte bei ABB und Professor an der RWTH Aachen. Zwar funktionierte die Technik in den Pilotprojekten, doch muss sie für den Einsatz im Markt mit Massenkunden, Massendaten und unter tatsächlichen Marktgegebenheiten weiterentwickelt werden. Vieles sollte dann automatisch und ohne den Einsatz eines Servicetechnikers funktionieren, meinte Kreusel und gab sich zugleich entspannt: „Es muss aber auch nicht schon morgen fertig sein.“
 

Smart Meter waren ein wichtiger Bestandteil in den Smart-Energy-Projekten Bild: EnBW

Auch für Frieder Schmitt von MVV und sein Projekt moma ist die technische Entwicklung noch nicht zu Ende. Die zellularen Systeme haben sich in Mannheim zwar bewährt, für einen großflächigen Einsatz müssen sie sich aber möglichst einfach zu größeren Einheiten verbinden lassen, kaskadierbar sein, betonte er. 
 
Weil die ersten Ergebnisse für die Teilnehmer an dem Projekt ermutigend waren, und weil noch viel zu tun ist für die Entwicklung der intelligenten Netze, wollen auch viele der Beteiligten weitermachen. Beim RWE, das an dem Projekt E-DeMa mitgearbeitet hat, will man jetzt, aufbauend auf den Ergebnissen der Testphase, ein kommerzielles Angebot zur Lastverlagerung entwickeln und damit zuerst die Gewerbekunden ansprechen, berichtete Projektleiter Michael Laskowski – dies ist eine Kundengruppe, die beispielsweise auch MeRegio-Projektleiter Frey für die nahe Zukunft im Auge hat.
 
Beim BDEW hat man jetzt die Roadmap „Realistische Schritte zur Umsetzung von Smart Grids in Deutschland“ entwickelt, die unter anderem zehn konkrete Schritte für das weitere Vorgehen vorschlägt. Zu ihnen zählen etwa die Entwicklung eines konsistenten rechtlichen und regulatorischen Rahmens (der auch in E-Energy untersucht wurde), die weitere Förderung von Forschung und Entwicklung, die Erstellung von Standards und Normen (an denen ebenfalls schon gearbeitet wird) sowie Regelungen zur Abgrenzung und Interaktion von Markt und Netz. Bis Ende 2014, so Roger Kohlmann, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung, müssen diese Maßnahmen umgesetzt werden.
 
Wer ganz genau wissen will, wie die Projekte im Detail funktioniert haben und wo die Begleitforscher bei E-Energy noch Weiterentwicklungen für wichtig erachten, für den gibt es ab etwa Mitte des Jahres den offiziellen wissenschaftlichen Abschlussbericht zu dem Projekt.  

 
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Donnerstag, 14.02.2013, 09:14 Uhr