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Enerige & Management > Kleinwind - Der Kleinwind-Tüv in der Buckeligen Welt
Bild: Mellimage, Fotolia
KLEINWIND:
Der Kleinwind-Tüv in der Buckeligen Welt
Um Kleinwindkraftanlagen zu überprüfen, führt in Europa längst kein Weg mehr am einzigartigen Testfeld im niederösterreichischen Lichtenegg vorbei.
 
Es war vor fast genau zehn Jahren, als Kurt Leonhartsberger und seine Kollegen von der Technikum Wien GmbH mit ihren Forschungen im Kleinwindsektor begannen. Gemeinsam mit dem niederösterreichischen Energieversorger EVN, dem auf Windenergie spezialisieren Technologieberatungsunternehmen Solvento und der Energiewerkstatt e.V. bauten sie damals ein Testfeld in Lichtenegg etwa 100 Kilometer südwestlich von Wien auf. „Wir wollten die Qualität der seinerzeit auf dem Markt gängigen Anlagen untersuchen“, erinnert sich Leonhartsberger an die Anfänge in der sogenannten Buckligen Welt, dem Land der 1 000 Hügel im Südosten Niederösterreichs.

Das Ergebnis war wirklich ernüchternd: Von 14 Anlagen erbrachten nur fünf zufriedenstellende Ergebnisse. Alle anderen erwiesen sich als schlichtweg „minderwertig“. Bei den Untersuchungen fielen einige Rotoren sogar vom Mast.
Der ursprüngliche Plan sah vor, das Testfeld nach Abschluss der Untersuchungen wieder zu demontieren. „Das hätte das Ende der Kleinwindkraft in Österreich bedeutet. Was schade gewesen wäre, weil wir auch damals an die Entwicklung eines Kleinwindmarktes geglaubt haben“, erzählt Leonhartsberger. So entschlossen sich die Partner, das Testfeld weiterzuführen.

Heute gilt Lichtenegg als europaweit führende Mess- und Prüfeinrichtung für die ganz kleinen Windkraftanlagen und ist aus der Kleinwindbranche nicht mehr wegzudenken. Immer wieder werden Forschungsprojekte gestartet, um etwa Chancen und Risiken von Kleinwindanlagen in urbanen Bereichen auszuloten. Überdies ist in Lichtenegg ein breites Spektrum an Dienstleistungen entwickelt worden − von Schall- und Schwingungsmessungen bis zur Erstellung von Leistungskennlinien und zur Überprüfung der Netzverträglichkeit. „Alles in allem können wir so umfassende Qualitätsprüfungen gewährleisten“, betont der studierte Energietechniker Leonhartsberger.

Und dieses Know-how wird zunehmend nachgefragt. Kunden, die sich für Kleinwindkraftanlagen interessieren, verlangen immer häufiger eine Qualitätsbescheinigung aus Lichtenegg. Rund ein halbes Jahr lang wird im dortigen Energiepark jede Anlage auf ihre Betriebsfestigkeit überprüft. Die Hersteller müssen ihre Mini-Rotoren selbst aufbauen − einerseits, um ihren Kunden gegenüber zu dokumentieren, dass sie den Aufbau beherrschen, andererseits verbleiben so auftretende Probleme in ihrer Verantwortung. Die Kosten für die Testreihen sind mit monatlich 320 Euro übrigens überschaubar.

Das Testfeld ist gelebter Verbraucherschutz

Insgesamt sind im zurückliegenden Jahrzehnt mehr als zwei Dutzend Kleinwindanlagen auf dem Testfeld „gecheckt“ worden. „Wir haben mit unserem Testfeld sicherlich eine gewisse marktbereinigende Wirkung gehabt“, lautet Leonhartsbergers Zwischenbilanz zum bevorstehenden zehnjährigen Jubiläum in diesem Sommer, „denn was mit den Anlagen bei uns passiert, passiert auch beim Kunden.“ Bewähre sich eine kleine Windturbine auf dem Testfeld, könne der Kunde davon ausgehen, „ein ordentliches Produkt zu erwerben“.

So gesehen ist der Energieforschungspark Lichtenegg, so die offizielle Bezeichnung, auch ein Stück gelebter Verbraucherschutz. „Wir haben ein erprobtes Testfeld, um neue Anlagen auf Herz und Nieren zu prüfen“, betont Florian Zimmer vom Verein Energiewerkstatt, einem der Testfeldgesellschafter, immer wieder auf Vorträgen, „das ist wichtig, um Konsumenten auch die Sicherheit zu geben, dass sie ein gutes Produkt kaufen.“ Sprich, der Kleinwind-TÜV macht Sinn!
 
Testfeldleiter Kurt Leonhartsberger: „Wir haben sicherlich eine gewisse marktbereinigende Wirkung gehabt“
Bild: FEEI/Ian Ehm

Trotzdem ist die Zahl der Österreicher, die sich bislang eine Kleinwindanlage gekauft haben, übersichtlich: Nach den Berechnungen und Statistiken des Lichtenegger Testfeldes gibt es in der Alpenrepublik derzeit rund 350 Kleinwindanlagen mit einer Leistung von zusammen gut 2 MW. Daher verwundert es auch nicht, dass die Firmen, die ihre Anlagen in Lichtenegg testen lassen, zu etwa 60 % aus dem Ausland kommen, darunter nicht zuletzt aus Deutschland. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Zurzeit lassen mit der Venturicon Windturbines GmbH und der Blue Power GmbH gleich zwei österreichische Unternehmen ihre Neuentwicklungen von den Lichteneggern prüfen.

Nach zehn Jahren Erfahrungen mit dem Testfeld warnt Kurt Leonhartsberger interessierte Laien und potenzielle Käufer davor, sich selbst die notwendigen Basiskenntnisse aneignen zu wollen, um die Leistungsfähigkeit von Kleinwindanlagen zu beurteilen: „Das ist wesentlich herausfordernder als bei Photovoltaikmodulen.“ Er verweist auf folgende Beispielrechnung: „Üblicherweise kommt ein Modul auf etwa 1 000 Volllaststunden pro Jahr, bei einer Fünf-Kilowatt-Anlage lässt sich so mit 5 000 Kilowattstunden Ertrag rechnen. Wenn ein Anbieter aber 10 000 Kilowattstunden Jahresertrag für die gleiche Anlage verspricht, ist Vorsicht geboten.“

Anders sieht das bei der Kleinwindkraft aus: „Manche Verkäufer gaukeln den Kunden vor, dass Kleinwindanlagen wie Großwindturbinen jährlich auf gut 2 300 Volllaststunden kommen“, erzählt der Testfeldleiter. Was allein schon wegen der niedrigeren Wirkungsgrade und der geringeren Windgeschwindigkeiten in Bodennähe nicht möglich sei. „In Lichtenegg erreichen wir manchmal 1 500 Volllaststunden, mit guten Anlagen sogar knapp 2 000“, sagt Leonhartsberger. Wobei nicht vergessen werden dürfe, dass das Testfeld auf gut 800 Meter Höhe liege. An einem durchschnittlichen Standort in Österreich wären die potenziellen Betreiber, so Leonhartsbergers Erfahrungen, gut beraten, von lediglich 1 000 Volllaststunden auszugehen. Das erspare spätere Enttäuschungen.

Potenziale für Kleinwindanlagen sieht Kurt Leonhartsberger nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt. In Wien beispielsweise sei die durchschnittliche Gebäudehöhe vergleichsweise gering, doch gebe es auch dort einige „herausragende“ Bauwerke: „Wenn dort Anlagen mit fünf bis zehn Kilowatt Leistung installiert werden könnten, ließe sich auf keinen Fall der Wiener Strombedarf decken, es wäre aber ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien.“

Was in anderen Städten bereits der Fall ist. Das prominenteste Beispiel, sagt Leonhartsberger, sei Paris: „Im Gerüst des Eiffelturms sind seit einigen Jahren zwei Kleinwindkraftanlagen verbaut, die ohne Klagen funktionieren.“

 
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Mittwoch, 19.06.2019, 08:25 Uhr