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Enerige & Management > Kleinwind - Hybridturm: In der Kombination liegt die Stärke
Bild: Sroka Stahl- und Anlagenbau
KLEINWIND:
Hybridturm: In der Kombination liegt die Stärke
Der Unternehmer Joachim Sroka will in diesem Sommer einen Hybridturm auf den Markt bringen, der auf einer Kleinwindanlage, mehreren Photovoltaikmodulen und einem Speicher basiert.
 
Das Western-Windrad mit dem mechanischen Pumpwerk liegt auf dem Boden im Garten von Joachim Sroka: „Ungefähr an gleicher Stelle plane ich einen Teich, der über das Pumpwerk den nötigen Sauerstoff zugeführt bekommt. Für den Wasserzulauf ist eine elektrische Pumpe vorgesehen, die mit dem Strom aus einer Kleinwindanlage versorgt werden soll.“

Nicht die einzige Baustelle, die der gebürtige Brandenburger auf seinem Grundstück in Kloster Lehnin (Landkreis Potsdam-Mittelmark) in Angriff nimmt. Für die Sommermonate plant Sroka den Aufbau eines Energieturms, einer Kombination aus einer Kleinwindanlage, mehreren Photovoltaikmodulen und einer Speichereinheit. Für ihn ist das ein Stück „gelebte Sektorkopplung“: „Damit wachsen endlich die dezentralen Technologien zusammen, die sich abhängig vom Wetter bestens ergänzen.“

In den zurückliegenden zwei Jahren hat er am Konzept seiner Hybridanlage getüftelt. Nach den vorliegenden Entwürfen soll der Energie-Tower einen 15 bis 25 Meter hohen Mast erhalten. Um diesen Mast herum sind auf einem speziellen Montagesystem mehrere Photovoltaikmodule angebracht, die es zusammen auf eine Leistung von etwa 5 kW Leistung bringen. Dass an der Spitze des Towers eine Kleinwindanlage mit ebenfalls 5 kW Leistung vorgesehen ist, versteht sich von selbst. Über die eingebaute Steuerungs- und Leistungselektronik schweigt sich Sroka aus: „Das basiert alles auf meinen Vorgaben.“ Kein Geheimnis macht „der bekennende Kleinwind-Überzeugungstäter“ aus den Preisvorstellungen für seinen Hybridturm: „Das läuft auf 30 000 Euro hinaus.“
 
Noch ist das herkömmliche Western-Rad im Garten von Joachim Sroka nicht aufgebaut
Bild: Ralf Köpke

Genauso offen betont Sroka, dass er für sich nicht in Anspruch nehme, der geistige Vater eines solchen regenerativen Energie-Towers zu sein. Wie wahr. Bereits vor gut fünf Jahren war die im schwedischen Malmö beheimatete Firma Innoventum AB mit einer ähnlichen Idee vorgeprescht. Die Skandinavier hatten eine futuristisch anmutende Holzkonstruktion in Form eines Giraffenhalses mit Solarmodulen und einer Kleinwindanlage präsentiert, die als Carport dienen sollte. Daneben gibt es noch eine „abgespeckte“ Version auf einem zwölf Meter hohen Holzturm, den Dali Power Tower, mit einer 5-kW-Kleinwindanlage und acht Solarmodulen mit zusammen knapp 2,2 kW Leistung − Kostenpunkt für die Hardware: rund 15 000 Euro.

Umzug in größere Gewerbehalle bereits erfolgt

Nach Berechnungen der Skandinavier soll der Hybridturm jährlich etwa 10 000 kWh Strom erzeugen. Ein kommerzieller Erfolg ist der Dali PowerTower heute nicht: „Wir haben bislang weltweit an die 20 Stück unter anderem in den USA, in China und Südamerika sowie auf den Philippinen verkauft“, sagte Julien Daligault, verantwortlich für die technischen Entwicklungen bei Innoventum, gegenüber E&M.
Joachim Sroka denkt da schon an andere Stückzahlen. Der Mann meint es ernst. Auch deshalb ist er vor wenigen Wochen mit seinem Unternehmen von Kloster Lehnin ins nahe Brandenburg an der Havel in eine neue, wesentlich größere Gewerbehalle umgezogen. Dass der Mittfünfziger vom Kleinwind-Virus befallen ist, hängt mit seinen Erfahrungen aus der Luftfahrt zusammen. Zu früheren Zeiten war er als technischer Offizier für die Wartung und Inbetriebnahme von Hubschraubern zuständig: „Wind gibt es immer und überall, diese Erkenntnis habe ich aus jenen Tagen mitgenommen.“

Bis er daraus einen „business case“, wie es heute so schön heißt, entwickeln konnte, dauerte es aber noch. Nach Stationen bei der Bundeswehr und im Hochbau machte sich Sroka in den 1990er-Jahren mit seiner Stahl- und Anlagenbau KG selbstständig, einem Unternehmen, das auch heute noch sechs Mitarbeiter beschäftigt. „Der Stahl- und Anlagenbau ernährt mich bis heute, von den Kleinwindanlagen allein hätte ich nie leben können.“
 
Modellzeichnung des von Joachim Sroka entwickelten Energie-Towers
Grafik: Sroka Kleinwindanlagen

Sroka selbst hat nie Kleinwindanlagen hergestellt. Im Fokus seiner Mitte des letzten Jahrzehnts begonnenen Aktivitäten standen immer die Planung, der Aufbau und die Wartung. „Dabei habe ich einen guten Marktüberblick bekommen“, sagt der Brandenburger, „ich weiß genau, welche Anlage was taugt oder nicht.“ Und mit seinem „zweiten Standbein“ ist Sroka nach eigenen Worten „gut rumgekommen“. Im Laufe der zurückliegenden Jahre baute er Kleinwindanlagen unter anderem in Frankreich, Norwegen und im Libanon auf. Bei nicht wenigen Projekten griff er auf den Vertikalachser der Envergate Energie AG aus der Schweiz zurück.

In Deutschland hat Sroka bis heute nur wenige Kleinwindanlagen in Betrieb genommen. Über das Warum will er nicht lange lamentieren, ihm ist nur ein Erlebnis im Kopf hängen geblieben: „Unmittelbar nach dem Gau in Fukushima im Frühjahr 2011 hatte es die New-Energy-Messe in Husum gegeben. Die Leute sind uns vier Tage lange die Bude eingelaufen. Kleinwind schien zum Renner zu werden.“ Augenzwickend stellt Sroka gegenüber E&M die Frage, wie viele Aufträge sich damals aus all den Anfragen ergeben hätten: „Kein einziger.“

Angesichts der Kostennachteile der kleineren Windmühlen liegt für ihn − abgesehen von wirklich geeigneten Standorten und wirtschaftlich Sinn machenden Einzelfällen − die Zukunft der Technologie nicht mehr allein in der reinen Windstromerzeugung. „Die Kilowattstunde Kleinwind wird immer teurer sein. Aber diese steht eben auch nachts und im Winterhalbjahr zur Verfügung, wo die Photovoltaik schwächelt. Deshalb macht für mich die Kombination aus Sonne, Wind und Speicher nicht nur Sinn, sondern drängt sich auf.“

Im Sommer will er die Pilotanlage des neuen Hybridturms auf seinem Grundstück aufgebaut haben. Neben dem Western-Rad, das sich dann auch drehen soll. „Wind und Sonne gibt es bei uns jedenfalls genug.“

 
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Dienstag, 14.05.2019, 15:08 Uhr