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Enerige & Management > Regenerative - Perspektiven für Erdgas und Biomethan
Bild: stockWERK / Fotolia
REGENERATIVE:
Perspektiven für Erdgas und Biomethan
Die Klimaschutzpläne der Bundesregierung werden viel kritisiert − die Erdgas- und Biomethanbranche erkennt darin durchaus auch Chancen.
 
Wie lassen sich in der Wärmeversorgung die Klimaziele 2030 erreichen und welche Möglichkeiten schafft das für Energieversorger? Wenn es nach dem im Oktober vorgestellten Klimaschutzpaket und dem vom Bundeswirtschaftsministerium vorgelegten Ergebnispapier zum Dialog Gas 2030 geht, können Erdgas- und Biomethan eine wichtige Rolle spielen.

Das Gas-2030-Papier stuft Erdgas und Biomethan als wichtige Energieträger für die Wärmeversorgung in den nächsten zehn Jahre ein: In einer Versorgung aus überwiegend fossil befeuerten Heizkesseln mit 25 Jahren Durchschnittsalter bestehe „ein kurzfristig nutzbares CO2-Minderungspotenzial durch die Umstellung auf effiziente, dezentrale Gastechnologien“, heißt es dort. Die zügige Substitution veralteter Öl- und Gasheizungen sei „ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der 2030-Ziele“. Es lohne sich, in den kommenden Jahren von alten Öl- und Gasheizungen auf klimafreundlichere Anlagen umzusteigen, heißt es im Klimaschutzpaket.

Dabei kann sich die Gasbranche im Zuge der Diskussionen um ein Verbot von Ölheizungen auch Hoffnungen darauf machen, dass Hausbesitzer von Öl- auf Gasheizungen umsteigen, weil das eine deutliche Verringerung der CO2-Emissionen verspricht. Ein großer Teil der bisher mit Öl beheizten Gebäude könnte relativ einfach an die Gasversorgung angeschlossen werden und viele Hausbesitzer dürften diese Möglichkeit nutzen.

Das würde Gasversorgern zumindest für die nächsten zehn Jahre einen stetigen Erdgasabsatz verheißen. Die Gasnachfrage werde sich voraussichtlich bis 2030 nicht substanziell verändern, so das Gas-2030-Papier. Einiges spreche sogar dafür, dass sie leicht ansteige.

Die Gasbranche begrüßte die von der Bundesregierung aufgezeigte Nutzungsperspektive für Gas. Insgesamt werde damit die Rolle von gasförmigen Energieträgern wie Erdgas und Wasserstoff für eine schnelle Senkung der Emissionen anerkannt, erklärte Timm Kehler, Vorstand des Lobbyverbands Zukunft Erdgas.

Gasbranche sieht operativen Spielraum und gute Marktchancen

Die Gasversorger wollen die damit verbundenen Chancen beim Schopf packen. „Wir ziehen aus dem Papier des Wirtschaftsministeriums den Schluss, dass wir unseren Kunden weiterhin effiziente Gasheizungen als attraktive Lösungen anbieten können“, sagt Gerhard Holtmeier. „Da sehe ich operativ einen erheblichen Spielraum und gute Marktchancen“, so der Vorstandschef des Berliner Energieversorgers Gasag.

„In ihrem kürzlich beschlossenen Klimapaket hat die Bundesregierung deutlich gemacht, dass sie im Heizungstausch einen entscheidenden Hebel zur CO2-Einsparung sieht“, stellte auch Kehler fest. Dafür müsse aber die steuerliche Abschreibung konkretisiert werden. Das ist bereits auf dem Weg. Das Bundeskabinett hat im Oktober den vom Finanzministerium vorgelegten Gesetzesentwurf zur Einführung einer steuerlichen Förderung energetischer Gebäudesanierungen gebilligt.

Ein „großes Potenzial zur Nutzung effizienter gasbasierter Systeme über ein Wärmenetz“ sieht das Gas-2030-Papier auch für Quartierlösungen mit Kraft-Wärme-Kopplung. Auch das findet Zustimmung in der Versorgerbranche.

„Es muss in der Öffentlichkeit noch deutlicher werden, dass die effiziente Wärmegewinnung aus Blockheizkraftwerken mit Nahwärmenetzen unter Berücksichtigung von Biogas sowie die Methanisierung aus PV- und Windstrom wichtige Bestandteile der Energiewende sein werden“, sagt Carsten Hoffmann, Vorstand der kommunalen GGEW.

Der Versorger aus dem südhessischen Bensheim will deshalb selbst stärker „mit innovativen Energiekonzepten und ganzheitlichen Lösungen für Wohnquartiere“ bei der Immobilienwirtschaft punkten. „Gas wird uns noch sehr lange begleiten als relativ CO2-armer fossiler Energieträger“, ist sich Hoffmann sicher.

Biogasrat bemängelt Benachteiligung von Biomethan

Auch für Biomethan sollen die Regierungspläne eine neue Perspektive eröffnen. Grundsätzlich könne Biomethan in bestehenden Infrastrukturen und Heizgeräten eingesetzt werden, heißt es im Erdgas-2030-Papier. Das ermögliche eine Treibhausgasreduktion „im Bestand“ bei geringem Investitionsbedarf.

Ein weiterer Vorteil von Biomethan sei, dass die Technologien entwickelt seien und Produktionskapazitäten bereits zur Verfügung stünden. Vor dem Hintergrund des Auslaufens der EEG-Förderung für Stromerzeugung aus Biogas in KWK-Anlagen müsse geprüft werden, ob und „wie dieses Potenzial für einen Wechsel zum Wärmemarkt genutzt werden kann“.

Der Biogasrat begrüßte das Papier aus dem Wirtschaftsministerium. Kritik übte der Verband der Biomethanbranche dagegen daran, dass die für das neue Gebäudeenergiegesetz vorgesehene Regelung, durch den Betrieb einer Brennwertheizung mit Biomethan die Pflicht zur Nutzung regenerativer Energien im Gebäudeneubau erfüllen zu können, wieder aus dem im Oktober vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf gestrichen worden sei. „Das ist ein Schlag gegen sozialverträglichen Klimaschutz im Wärmesektor“, sagte Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrats.

Auch der BDEW zeigte sich unzufrieden über die mangelhafte Berücksichtigung von Biomethan im Entwurf zum Gebäudeenergiegesetz. Es sei unverständlich, dass der Einsatz von Biomethan zur Wärmeerzeugung in städtischen, verdichteten Gebieten unwirtschaftlich ausgestaltet und damit praktisch verhindert werde, so der Verband.
Auf Kritik des Biogasrats und des DVGW stieß auch die Festlegung des sogenannten Primärenergiefaktors für Biomethan. Der Gesetzgeber setze die Primärenergiefaktoren für Biogas entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse nach wie vor zu hoch an, bemängelte der DVGW.

 
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Montag, 18.11.2019, 12:51 Uhr