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Bild: Fotolia, alphaspirit
F&E:
Internet aus dem All für ländliche Regionen
Mithilfe von Satellitentechnik wollen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) weiße Flecken beim Breitbandausbau in Deutschland tilgen.
 
Von den technologischen Fortschritten in der Satellitenkommunikation versprechen sich die Forscher des DLR einen "Grundstein, um un- oder unterversorgte Haushalte und Gemeinden mit einem schnellen Internetanschluss auszustatten" − und das deutschlandweit, wie sie in einer Mitteilung ihres Hauses schreiben.

Sie möchten damit ein grundlegendes Problem an der Wurzel packen: den schleppenden Breitbandausbau in Deutschland insbesondere in ländlichen Regionen. Bis Mitte 2020 waren, so heißt es im "Bericht zum Breitbandatlas" des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, von den etwa 4,4 Mio. Haushalten in ländlichen Regionen 77,1 % mit Anschlüssen von mehr als 50 Megabit pro Sekunde (MBit/s) versorgt. Die restlichen 22,9 % müssen mit weit weniger auskommen. Zum Teil liegen die Anschlussgeschwindigkeiten bei nicht einmal 6 Mbit/s. Das Förderprogramm des Bundes soll diese Lücke bis 2025 schließen.

Wie Walther Pelzer, DLR-Vorstand und Leiter der Raumfahrtagentur im DLR, mitteilt, seien mithilfe moderner geostationärer Satelliten Datenraten von bis zu 100 Mbit/s im Download und 6 MBit/s im Upload möglich. Damit nicht genug: "Kommende Satellitengeneration und Konstellationen im niedrigen Erdorbit versprechen weiter steigende Datenraten", so Pelzer.

Weiße und grauen Flecken auslöschen

Mithilfe von Satelliten könne Einzel- und Randlagen, deren Erschließung per Glasfaser selbst mit Förderung nicht wirtschaftlich ist, schnell und kosteneffizient einen dauerhaft nutzbaren Breitband-Internetanschluss erhalten. Auch sogenannte "graue Flecken" könnten ausgelöscht werden, heißt es vonseiten des DLR.

Die Forscher beziehen sich dabei auf Orte, die bereits einen geförderten Ausbau erhalten haben − jedoch nur auf die damals maßgeblichen 50 MBit/s und häufig unter Weiternutzung der bereits existierender Kupferkabel. Letztere stoßen an ihre Grenzen, sobald zu viele Nutzer daran angeschlossen werden oder diese zu weit von den Verteilstationen entfernt wohnen.

Pelzer dazu: "Einzelne Haushalte und sogar ganze Gemeinde, die in den grauen Flecken zum Teil noch deutlich über 2025 hinaus auf einen Glasfaseranschluss warten müssen, können den Satelliten als Brückenlösung einsetzen". 
 
Mit moderner Satellitentechnik wären laut DLR deutschlandweit Datenraten von bis zu 100 Mbit/s im Download und 6 MBit/s im Upload möglich.
Grafik: DLR


Einsatz von Satelliten in 5G-Netzen

Auch beim neuen Mobilfunkstandart 5G kann die Weltraumtechnologie helfen, so das DLR. Ein Beispiel hierfür sei der sogenannten Backhaul. Er verbindet das Kernnetz des Anbieters mit den Rändern des Netzes, sprich den Funkmasten. In Mobilfunknetzen wird dieser Backhaul aktuell durch Glasfaseranschlüsse oder Richtfunktstrecken realisiert. 

"Wenn im Zuge des 5G-Ausbaus neue Funkmasten entstehen und bisher unterversorgte Gebiete einen leistungsfähigen Mobilfunk erhalten sollen, kann bei fehlender Glasfaseranbindung, der Backhaul über Satellit realisiert werden", so Pelzer. "Zusätzlich bieten Kommunikationssatelliten einen schnellen und kostengünstigen Weg auch bei existierendem Backhaul zusätzliche Kapazitäten für den Datentransfer zu und von den Funkmasten zu schaffen − zum Beispiel bei Großveranstaltungen." War der Einsatz von Satelliten in früheren Mobilfunknetzen technisch sehr anspruchsvoll, wird diese Möglichkeit durch die Aufnahme von Satelliten in den 5G-Standard im Netz der Zukunft ohne großen Aufwand möglich sein.Technische Details zur SatellitenkommunikationBei einem satellitengestützten Internetzugang besteht die Hardware zum Senden und Empfangen aus einer Parabolantenne, wie man sie für den TV-Empfang kennt, und einem speziellen Sende- und Empfangs-Modul mit Modem. Laut DLR-Vorstand Dr. Walther Pelzer würde diese Hardware für den Verbraucher mit Kosten von durchschnittlich einigen Hundert Euro zu Buche schlagen. "Die von Bundesminister Scheuer jetzt vorgeschlagene Gutschein-Lösung wäre geeignet, diese einmalig auftretenden Kosten für die Verbraucher aufzufangen", so Pelzer.

Er bezieht sich damit auf einen Vorschlag von Scheuer, Haushalten mit schlechter Internetverbindung einen Gutschein für einen Satellitenanschluss auszustellen. Dies würde bundesweit etwa 200.000 Haushalten kurzfristig eine schnellere Netzverbindung und so die "digitale Teilhabe" an Fernunterricht, Ausbildung zu Hause oder Homeoffice in der Corona-Krise ermöglichen. 

Laut Pelzer sei die einzig weitere Voraussetzung für deutschlandweit schnelles Internet freie Sicht Richtung Süden. Sollen mehrere Haushalte oder sogar ganze Gemeinden per Satellit erschlossen werden, wäre dies mithilfe einer zentralen Empfangsstation möglich. 


 
 

Davina Spohn
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Montag, 18.01.2021, 09:21 Uhr

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