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Enerige & Management > Beteiligung - Kein Grund für westfälisches Understatement
Bild: Fotolia.com, bluedesign
BETEILIGUNG:
Kein Grund für westfälisches Understatement
In den zurückliegenden Jahren haben die Stadtwerke Soest durch neue Partnerschaften ihr Standing in Westfalen und im Münsterland deutlich verbessert.
 
„Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Dieser Spruch kommt Andre Dreißen nicht über die Lippen. Im Gegenteil. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Soest ist froh über die Lücke, die sich vor ihm beim Verlassen der Stadtwerkezentrale auftut. Gegenüber dem Haupteingang parkt der Kommunalversorger seine kleine Elektroflotte, die nach dem Motto „Heute Zukunft erfahren“ von Stadtwerkekunden und interessierten E-Mobilisten für kleines Geld stunden- oder tageweise ausgeliehen werden kann.

Dass an diesem Freitagmittag alle drei Fahrzeuge, darunter auch das neue Tesla Model 3, nicht auf ihren angestammten Parkplätzen stehen, wertet Dreißen als gutes Zeichen: „Mit solchen Angeboten wollen wir das Interesse an der Elektromobilität nutzen und uns natürlich als innovativer Energiedienstleister in Soest präsentieren.“

In der westfälischen Kreisstadt auf halbem Weg zwischen Dortmund und Paderborn hat sich in der Tat einiges getan. Weit über die Soester Börde hinaus sind diese Entwicklungen aber nicht gedrungen. Augenzwickend spricht Dreißen von „westfälischem Understatement“. Dabei ist der Mann als waschechtes Ruhrgebietskind, geboren in Wattenscheid, alles andere als auf den Mund gefallen.

Nach Stationen beim Beratungsunternehmen IDS Scheer und bei den Stadtwerken Greifswald, die er in den Jahren 2009 bis 2013 als Geschäftsführer managte, zog es den studierten Betriebswirt vor etwas mehr als fünf Jahren wieder in Heimatnähe.
Die Zwischenbilanz dieser fünf Jahre kann sich durchaus sehen lassen: Die Soester Stadtwerke sind mittlerweile Partner von gleich drei Kommunalversorgern in der Region, außerdem sind acht neue Tochtergesellschaften gegründet worden.

Räte wünschten einen Partner auf Augenhöhe
 
Der erste Schritt bei diesem Expansionskurs erfolgte 2015 mit der Gründung einer Vertriebsgesellschaft für Strom und Gas gemeinsam mit den heimischen Stadtwerken in Arnsberg. Der Kommunalversorger war bis dahin in der südwestfälischen Bezirksstadt vor allem für Wasser und Abwasser verantwortlich. Im November 2017 kam es dann zum Doppelschlag: Sowohl die Stadtwerke Schloß Holte-Stukenbrock (Anteil der Stadtwerke Soest: 45 %) als auch die Stadtwerke Rietberg-Langenberg (Anteil der SW Soest: 49,9 %) feierten ihren Marktstart. Dass sich die Soester Stadtwerke bei den beiden Neugründungen gegen etablierte, weitaus größere Anbieter durchsetzten, ist kein Geheimnis: „Die Räte in diesen Städten haben sich einen Partner auf Augenhöhe gewünscht“, sagt Dreißen.

Mit der Entwicklung des Beteiligungsportfolios ist der Stadtwerkechef bislang zufrieden. In Arnsberg konnten bereits über 10 000 neue Strom- und Gaskunden gewonnen werden. Rechnerisch jeder fünfte Haushalt in der Sauerlandkommune mit ihren etwa 73 000 Einwohnern wird mittlerweile von der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft der beiden Stadtwerke versorgt. Der Löwenanteil der Kunden stammt aus dem Arnsberger Stadtgebiet sowie aus den umliegenden Kommunen Ense, Sundern und Möhnesee. Nach bereits drei Jahren haben beide Partner profitabel gearbeitet. Neben den Haushaltskunden gewinnen die Soester auch zunehmend neue Gewerbe- und Industriekunden: „Die Region ist bekannt für ihre mittelständischen Hidden Champions“, sagt Dreißen.
 
Freuten sich bei Eröffnung des Langenberger Kundenzentrums (v. l. n .r.): Der Soester Stadtwerke-chef Andre Dreißen, Bürgermeisterin Susanne Mittag sowie den weiteren Festgästen Dieter Nowak, Andreas Sunder und Christoph Krein
Bild: Stadtwerke Rietberg-Langenberg

Nicht weniger zufrieden zeigt er sich über die Entwicklung bei den beiden neu gegründeten Stadtwerken. Mit bislang 2 900 Strom- und Gasverträgen liege man in Schloß Holte-Stukenbrock (SHS) „deutlich über Plan“. Zudem wurde die Wassersparte, die Beteiligung an der Westfalen-Weser-Energie-Gruppe und das örtliche Schwimmbad aus dem kommunalen Haushalt in die Stadtwerke Schloß Holte-Stukenbrock integriert. Und auch in Rietberg-Langenberg sei die Marke von 2 000 Versorgungsverträgen bereits überschritten worden. Dass die Soester mit ihren Beteiligungen an diesen Neugründungen nach anderthalb Jahren noch kein Geld verdienen, räumt Dreißen offen ein: „Das hat keiner erwartet, wird aber kommen.“ Wichtig für ihn sei, dass das „Grundvertrauen“ zwischen allen Beteiligten seit dem Gründungsprozess gewachsen ist: „Das Miteinander wächst im täglichen Geschäft, kommunale Zusammenarbeit macht Spaß.“

Ohnehin ist die Konstruktion bei den Stadtwerken Rietberg-Langenberg (Anteil Rietberg: 37,6 %, Anteil Langenberg: 12,5 %) nicht alltäglich. Beide Städte aus dem Kreis Gütersloh grenzen zwar aneinander, haben aber keine gemeinsame „energiewirtschaftliche Vergangenheit“. Mit gut 30 000 Einwohnern leben in Rietberg gut dreimal so viele Menschen wie in Langenberg. In beiden Städten hat der neu geschaffene Energieversorger Kundenbüros aufgebaut, um vor Ort Präsenz zu zeigen. Das Dreierbündnis ist jedenfalls mit hohen Vorschusslorbeeren an den Start gegangen. „Was wir da aufgebaut haben, ist eine gelungene Konstruktion. Wir sind schnell, unkompliziert und wir verstehen uns“, unterstrich die Langenberger Bürgermeisterin Susanne Mittag (UWG) bei der Eröffnung des neuen Kundenzentrums in ihrer Stadt.

Eigene Wohnungsbaugesellschaft mit der Stadt gegründet
 
Was Andre Dreißen bestätigt. Bevor er Ausschau nach weiteren Beteiligungen hält, will er erst einmal die vorhandenen Beteiligungen „optimieren“. Eine Vertriebskooperation mit der Gemeinde Ense, direkt angrenzend an Soest, könne er sich als nächstes Projekt gut vorstellen. Allerdings hat die kleine Kommune im Westen des Kreises Soest im vergangenen Dezember eine gemeinsame Netzgesellschaft mit Innogy gegründet.

Arbeit hat Stadtwerkechef Dreißen in Soest, einer ehemaligen Hansestadt, genug. Zu den von ihm gegründeten Tochtergesellschaften zählt auch eine Wohnungsbaugesellschaft mit Schwerpunkt sozialer Wohnungsbau, an der die Stadt selbst mit 49 % beteiligt ist. In einem ersten Projekt ist der Bau von 60 Wohneinheiten vorgesehen. „Die Kompetenzen dafür haben wir in unseren Planungsabteilungen zweifellos, zudem haben wir eine Tiefbausparte aufgebaut, die uns durch nun vorhandene, direkte Steuerungsmöglichkeiten auch weiterhilft“, sagt Dreißen. Einziger Nachteil: „Die Zeit, die mir für wirklich energiewirtschaftliche Aktivitäten bleibt, wird immer knapper.“

Denn es gilt sein Grundsatz, die Stadtwerke Soest als innovativen Dienstleister beim Bürger im Gespräch zu behalten. So hat der Kommunalversorger beispielsweise im vergangenen Herbst zusammen mit dem Telekommunikationsunternehmen Heli-Net ein kostenloses City-W-Lan in der Soester Innenstadt gestartet. Rund 2 000 User können gleichzeitig das kleine Netz nutzen, das die erste Belastungsprobe zur letztjährigen Allerheiligenkirmes gut überstanden hat und nun weiter ausgebaut wird.

Weit über die Stadtgrenzen von Soest hinaus ist das jüngste Projekt des westfälischen Kommunalversorgers angelegt. Zusammen mit der Rheinenergie aus Köln haben Experten der Stadtwerke Soest ein Portal als White-Label-Produkt entwickelt, über das Stadtwerke künftig Regionalstromtarife anbieten können. Das zu Jahresbeginn gestartete Regionalnachweisregister, das vom Umweltbundesamt betreut wird, macht diese neuen grünen Produkte möglich. Im Verlauf des Sommers sollen die ersten drei Pilotstadtwerke an den Markt gehen. „Als kleines Stadtwerk haben wir häufig von den Entwicklungen bei anderen Stadtwerken profitiert und diese für uns adaptiert. Vielleicht können wir dieses Mal der Stadtwerke-Community eine nützliche Lösung anbieten.“

Andre Dreißen verbindet durchaus einige Hoffnung mit dem neuen Portal, da sich über diese Plattform auch die regenerativen Kraftwerke einbinden lassen, die ab Anfang 2021 keine Vergütung mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz halten: „Wir haben schon heute Anfragen von Windkraftbetreibern auch außerhalb unserer Region, ob wir nicht künftig ihren Strom vermarkten wollen.“ Was den Bekanntheitsgrad der Stadtwerke Soest Stück für Stück erhöhen dürfte. Mit dem „westfälischen Understatement“ dürfte es dann vorbei sein.

 
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Montag, 13.05.2019, 08:41 Uhr