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Enerige & Management > Wasserstoff - Dorniger Weg zur EEG-Befreiung
Bild: Bild: EASAC
WASSERSTOFF:
Dorniger Weg zur EEG-Befreiung
Wasserstoffproduktion aus Ökostrom soll von der EEG-Umlage befreit werden, um ihn marktfähig zu machen. Die aktuellen Vorschläge der Bundesregierung sind aber heiß umstritten.
 
In einem Webinar der Bundestagsfraktion der Grünen diskutierten Juristen, Energieexperten und Politiker am 10. Dezember die vorliegenden Vorschläge zur Befreiung der Wasserstoffproduktion von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dabei wurden die vorliegenden Vorschläge der Bundesregierung als unzureichend oder sogar schädlich für den Klimaschutz bezeichnet.

Zwei Vorschläge der Bundesregierung

Die Bundesregierung schlägt aktuell zwei Instrumente zur Förderung von Wasserstoff vor. Der erste Vorschlag beinhaltet, die "Besondere Ausgleichsregelung", die schon für energieintensive Betriebe gilt, auf Wasserstoff-Elektrolyseure auszudehnen. Diese würden damit nur 15 % der üblichen EEG-Umlage zahlen.

Damit könne letztlich aber auch Kohlestrom in den Wasserstoff fließen, warnte Rechtsanwalt Max Pfeiffer. Das sei sogar noch deutlich klimaschädlicher als der herkömmliche graue Wasserstoff aus fossilem Erdgas, kritisierte auch Carolin Dähling, Referentin für Politik und Kommunikation von Greenpeace Energy.

Mit dem zweiten Vorschlag soll die Wasserstoffproduktion aus Grünstrom komplett von der EEG-Umlage befreit werden. Hier fehlt allerdings eine genaue Definition von Grünstrom, die in einer Rechtsverordnung später nachgereicht werden soll. "Genau hier entscheidet sich aber, ob der grün genannte Wasserstoff dem Klima tatsächlich nützt", sagte Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Fraktion. Es sei zwar sinnvoll, auf eine gemeinsame Definition in der EU zu dringen, es gebe aber noch keine Vorschläge dazu von der Bundesregierung.

Mängel der EEG-Novelle behindern auch Wasserstoff

Besonders fatal sei innerhalb der EEG-Novelle, die noch vor Weihnachten 2020 beschlossen werden soll, der zu gering angesetzte Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, kritisierte Nestle. Zudem fehlten ein konkreter regulatorischer Rahmen und wirksame Klimaschutzanreize. "Es ist zu befürchten, dass Wasserstoff zukünftig über den Zertifikatehandel grün angestrichen wird und Kohlekraftwerke zusätzliches CO2 für die Wasserstoffproduktion ausstoßen", warnte Nestle.

Aus Sicht des Energiedienstleisters Enertrag verwies der Leiter für Energiesysteme, Simon Müller, auf das Gasnetz, das bei entsprechendem rechtlichen Rahmen den Wasserstoff deutschlandweit verteilen könnte. Auch in Richtung der südlichen Bundesländer, in denen erneuerbare Stromerzeugung und Netzausbau noch verzögert seien. Auch eigneten sich die vorhandenen unterirdischen Kavernenspeicher für die Lagerung von Wasserstoff.

EEG behindert Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung

Ralph Schaper, Leiter Energiewirtschaft der Salzgitter AG, kritisierte die aktuellen Rahmenbedingungen der EEG-Umlage scharf. Sie verhindere den schnellen Ausbau erneuerbarer Erzeugung, weil auch für den selbst erzeugten und verbrauchten Ökostrom die EEG-Umlage von fast 7 Ct/kWh anfällt. Sein Unternehmen speise daher seinen Windstrom ins Netz ein, anstatt den benachbarten Elektrolyseur direkt damit zu betreiben. Da die erneuerbare Stromerzeugung inzwischen wettbewerbsfähig sei, plädierte er für den völligen Wegfall der EEG-Umlage.
 
Die Forderungen der Salzgitter Flachstahl AG zur Reform der EEG-Umlage. Zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken
Bild: Salzgitter AG

Carolin Dähling vom Ökostromanbieter Greenpeace Energy warb für eine
systemdienliche Einbindung dezentral verteilter Elektrolyseure. Diese sollten überschüssigen Strom aus Wind und Sonne zu Wasserstoff wandeln und damit speicherbar machen oder für Anwendungen in Verkehr und Wärmsektor bereitstellen. Sie verwies auf eine Studie vom Analyseinstitut Energy Brainpool, die für Wasserstoff aus diesem Überschussstrom die geringsten Kosten bei höchstem Klimaschutzbeitrag sieht.

Lücke zwischen Nachfrage und Erzeugung

Dafür seien aber die Ausbaupläne der Bundesregierung zu gering bemessen. Bis 2030 sollen Elektrolyse-Kapazitäten von 5.000 MW entstehen, die jährlich 15 bis 20 Mrd. kWh Wasserstoff produzieren könnten. Zugleich prognostiziere die Bundesregierung für die Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr und Wärme eine Nachfrage von 90 bis 110 Mrd. kWh Wasserstoff. Für die Schließung dieser Lücke gebe es nur vage Verweise auf Importe. So bestehe die Gefahr, dass sie mit Wasserstoff aus Erdgas, sogenanntem blauen Wasserstoff, gefüllt wird, was aber die Klimaschutzziele verfehle, warnte Dähling.
  Die Grünen wollen vom EEG Anreize, die Wasserstoff-Produktion dann hochzufahren, wenn der Strommix besonders CO2-arm ist, weil viel erneuerbare Erzeugung im Netz ist, die sonst abgeregelt werden muss. "Dafür sollte die EEG-Umlage abgesenkt werden, sobald viel Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar ist und die Preise an der Strombörse dadurch so niedrig sind, dass Kohlekraftwerke nicht mehr rentabel betrieben werden können“, sagte Nestle.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 10.12.2020, 16:47 Uhr

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