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Enerige & Management > Wasserstoff - Hannover plant Aufbau einer eigenen Elektrolyseanlage
Bild: Shutterstock, Alexander Limbach
WASSERSTOFF:
Hannover plant Aufbau einer eigenen Elektrolyseanlage
Die niedersächsische Landeshauptstadt will am Klärwerk Herrenhausen Wasserstoff für Busse produzieren. Die Elektrolyse soll bis 2025 für elf Millionen Euro errichtet werden.
 
Der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung Hannover (ESH) will mittels eines Elektrolyse-Prozesses auf seinem Großklärwerk im Stadtteil Herrenhausen Wasserstoff herstellen. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 11 Mio. Euro nutzt alle bei diesem Vorgang entstehenden Produkte, um die eingesetzte Energie optimal zu verwenden.

Anstelle von Trinkwasser soll das gereinigte Abwasser für den Elektrolyse-Prozess genutzt werden. Hierzu laufen weitere Forschungsarbeiten in Zusammenarbeit mit der Leibniz-Universität. Neben dem Wasserstoff, der unter anderem als Treibstoff für Busse im öffentlichen Personennahverkehr sowie für Logistik-Fahrzeuge genutzt werden kann, entstehen bei der Elektrolyse als Nebenprodukte Sauerstoff und Abwärme. Die entstehende Wärme will Enercity durch Einspeisung ins Fernwärmenetz nutzen. Den Sauerstoff will die Stadtentwässerung im Klärwerksprozess einsetzen. 

Regelbetrieb der Elektrolyse soll 2025 starten

Für die Umsetzung dieses Vorhabens sollen Fördermittel aus der Wasserstoffförderung des Landes beziehungsweise der Technologieoffensive Wasserstoff des Bundes beantragt und eingesetzt werden. Darüber hinaus sei das Projekt so angelegt, dass sich die Zukunftsinvestitionen wirtschaftlich selbst tragen, teilt die Stadt Hannover mit. Im Falle einer Zuwendung ist geplant, die Produktionsstätte bis 2024 aufzubauen und spätestens im Jahr 2025 den Regelbetrieb zu starten.

„Wasserstofftechnologie und optimierte Energieeffizienz sind wichtige Bausteine klimaneutraler Mobilität und eines besseren Umgangs mit den Ressourcen“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). „Die innerstädtische Produktion von Wasserstoff bietet den großen Vorteil, dass der Energieträger auf kurzem Wege hier eingesetzt werden kann. Damit können wir eine regionale Energiewende vorantreiben", erläuterte er.

Verbundprojekt mit bundesweitem Modellcharakter

Auch Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD) zeigte sich begeistert von dem Projekt: „Das Vorhaben zeigt ideal, wie neben Wasserstoff auch der anfallende Sauerstoff genutzt werden kann. Das gibt es bisher nur in wenigen Vorhaben.“ Als Umweltminister freue ihn, dass so auch eine bessere Abwasserreinigung ermöglicht werde. Natürlich sei auch die Wasserstoffmobilität für den öffentlichen Nahverkehr und Nutzfahrzeuge vorbildlich.

„Besonders bemerkenswert an dem Projekt ist der Verbund aus Kommune, Forschung, Industrie und Wirtschaftsförderung", sagte Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne), Erste Stadträtin Wirtschafts- und Umweltdezernentin. Der Technologietransfer von leistungsfähigen Forschungseinrichtungen in Zusammenarbeit mit Partnern aus verschiedenen Branchen der Wirtschaft stärke den Wirtschaftsstandort Hannover.
 
Luftbild Klärwerk Herrenhausen
Bild: ESH

Klärwerk der Zukunft – vom Stromfresser zum Energieproduzenten

Die Reinigung von kommunalem Abwasser in konventionellen Kläranlagen verbraucht erhebliche Mengen an Energie, hauptsächlich für den elektrischen Antrieb von Gebläsen für die großen Belüfter, die Mikroorganismen mit Sauerstoff versorgen. Damit sind die Kläranlagen mit über 20 % des Gesamtverbrauchs einer städtischen Kommune der größte einzelne Stromverbraucher.

„Allein in Deutschland werden jährlich insgesamt rund 4,4 Mio. MWh Strom für die Abwasserreinigung verwendet“, erläutert Matthias Görn, Leiter der Stadtentwässerung Hannover. „Klärwerke der Zukunft können wichtige Impulse für die Energiewende in Deutschland leisten und neben sauberem Wasser klimaneutrale Energie liefern", sagte er.

Von 1 MW Leistung auf 17 MW steigern

Ab 2025 ist der Regelbetrieb geplant. Zu Beginn sollen täglich circa 400 Kilogramm Wasserstoff produziert werden. Damit könnten etwa 20 Busse am Tag befüllt werden. Das entspricht 150 Tonnen Wasserstoff im Jahr bei einer Elektrolyseleistung von 1 MW zu Beginn des Projektes. Im Falle positiver Ergebnisse plant die Stadtentwässerung Hannover die sukzessive Erweiterung auf bis zu 17 MW und somit bis zu etwa 2.500 Tonnen Wasserstoff im Jahr. Neben Bussen sollen Nutzfahrzeuge vor allem aus dem Bereich Logistik den Wasserstoff nutzen können.

Bei einer erfolgreichen Einbindung des Sauerstoffs in die Klärprozesse stellt das erarbeitete Konzept eine Blaupause für alle Kläranlagen mit gleichem Betriebsaufbau dar. Mit deutschlandweit mehr als 9.000 Klärwerken sei das potenziell erschließbare Geschäftsfeld enorm. Die Stadtentwässerung Hannover sowie die beteiligten Forschungsinstitute unterstützen einen Wissenstransfer an andere Entwässerungsbetriebe, Politik sowie Städte und Kommunen.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Donnerstag, 04.03.2021, 11:49 Uhr

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