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Enerige & Management > Stromnetz - Netze fit machen für Energiewende und Wasserstoff
Bild: Jonas Rosenberger
STROMNETZ:
Netze fit machen für Energiewende und Wasserstoff
Auf dem digitalen Handelsblatt-Energiegipfel stritten Netzbetreiber und Regulierer über den richtigen Weg zur Ertüchtigung der Netze für die dekarbonisierte Energiewelt der Zukunft.
 
Die Meinungen gingen weit auseinander, wie die Netze für die Energiewende ertüchtigt werden sollten. Auf dem Handelsblatt-Energiegipfel diskutierten Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende der Westenergie, und Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur aus ihrer jeweiligen Perspektive. Beim Dreiklang der Aufgaben waren sie sich noch einig, so müsse die Energieversorgung sicher, sauber im Sinne des Klimaschutzes und digital werden. Allerdings ergänzte Homann hier bereits "bezahlbar".

So war der größte Streitpunkt zwischen den Diskutanten auch das Geld. Reiche klagte, dass die anvisierte Abschmelzung der Eigenkapitalverzinsung die Netzbetreiber gänzlich unattraktiv für Investoren machen werde. "Laut dem Finanzanalysehaus Morgan Stanley ist unser Kapitalzins heute schon um ein Prozent niedriger als zum Beispiel für Investitionen in erneuerbare Stromerzeuger", sagte Reiche. Eine weitere Absenkung der Eingenkapitalverzinsung würde deshalb die Investitionsbereitschaft noch verschlechtern, befürchtet sie.

Homann konterte, dass die realen Kosten der Unternehmen über den Kapitalkostenabgleich erstattet würden, es ginge bei der Regulierung der Bundesnetzagentur nur um die Höhe der Rendite. Er sehe daher keinen Grund zu Klagen der Unternehmen. "Es gibt genug Kapital, ich sehe kein Problem mit der Verzinsung", sagte Homann. Sollte sich das in Zukunft ändern, werde man darauf reagieren. Auch bei den Opex-Kosten für den Betrieb und die qualifizierten Mitarbeiter würden die Unternehmen Wege finden, ihre Betriebskosten zu refinanzieren, sagte Homann.

Netzausbaukosten von 32 Mrd. Euro bis 2030

"Ohne Digitalisierung hat das Netz keine Resilienz gegen die hohe Volatilität von Erzeugung und Verbrauch in Zeiten von immer mehr Prosumern", umriss Reiche anstehende Aufgaben der Netzbetreiber. Eine aktuelle Studie berechnete die nötigen Netzausbaukosten bis 2030 mit 32 Mrd. Euro in den deutschen Verteilnetzen.

Nur damit sei die adäquate Reaktion auf die dezentrale und volatile Erzeugung durch die Energiewende möglich. "Investieren wir nicht in die Netze, fallen höhere Kosten für den Redispatch an", mahnte Reiche. Besonders die Intelligenz in den Netzen benötige mehr Investitionen, es nütze nichts, nur Kupfer zu verlegen.

Wasserstoff ins Erdgasnetz?

Beim Thema Wasserstoff zu Dekarbonisierung begrüßte Reiche die breite Einigkeit in der Politik über die Relevanz des Themas. "Wir müssen jetzt grünen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom von der EEG-Umlage befreien, um den Hochlauf der Produktion schnell anzukurbeln", sagte sie. Der Wasserstoff solle zuerst in den Gebieten eingesetzt werden, in denen auf anderem Wege keine Dekarbonisierung möglich sei. Differenzverträge (CfD) sollten Anreize für die Umstellung bei den Verbrauchern und Produzenten für den Einsatz von Wasserstoff schaffen. Sie plädierte zugleich dafür, Wasserstoff durch die Regulierung ins bestehende Gasnetz zu integrieren.

Homann stimmte zu, dass die Grundlagen für die Netzplanung vereinheitlicht werden sollten. Er widersprach aber zugleich der Forderung, die Regulatorik für Wasserstoff aus dem Erdgasnetz zu übernehmen. "Ich bin dafür, eigene Regelungen für Wasserstoff zu schaffen, hier ist die Politik gefragt", sagte er. Er lehnte auch eine regulatorische Planung eines Wasserstoffnetzes ab, denn dafür müsste staatliche Planung auch die künftigen Standorte von Elektrolyseuren festlegen. Man dürfe nicht wie beim Hochlauf der erneuerbaren Stromerzeuger den Fehler machen, die Transportlinien zu spät zu berücksichtigen, appellierte Homann.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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