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Enerige & Management > Wasserstoff - Norddeutsches Reallabor investiert 300 Mio. Euro in Wasserstoffintegration
Bild: iStock, Frank Harms
WASSERSTOFF:
Norddeutsches Reallabor investiert 300 Mio. Euro in Wasserstoffintegration
Das Norddeutsche Reallabor wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 52 Mio. Euro gefördert. Damit sollen Klimaschutzinnovationen aus der Forschung in die praktische Anwendung gelangen.
 
In einer virtuellen Auftaktveranstaltung mit Bundesminister Peter Altmaier (CDU) sowie Vertretern der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern startete am 14. März das Norddeutsche Reallabor (NRL). Sein Koordinator, Prof. Werner Beba, betonte die Kontinuität zum Schaufensterprojekt Intelligente Energienutzung (Sinteg) „NEW 4.0“. Darin erforschte Wege zur Sektorkopplung von erneuerbarem Strom zu Wasserstoff und Speicherung, Transport und Anwendung in Industrie, Gebäudewärme und Mobilität würden nun in die Praxis überführt.

Altmaier sagte bei der Übergabe der Förderung in Höhe von 52 Mio. Euro: „Wasserstoff ist ein klimafreundlicher Energieträger und deshalb zentral für eine erfolgreiche Energiewende.“ Die 50 beteiligten Unternehmen, Länder und wissenschaftlichen Einrichtungen würden insgesamt 300 Mio. Euro über fünf Jahre investieren. „Ziel ist es, Industrie, Verkehr und Wärmeversorgung auf Basis von grünem Wasserstoff konsequent zu verknüpfen und so große Mengen an Kohlendioxid einzusparen“, erläuterte Altmaier.
 
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beim Start des Norddeutschen Reallabors
Bild: NRL

Das Projekt solle beweisen, dass Klimaschutz und Stärkung der Wirtschaft zusammenpassen. Die im Projekt vertretenen nördlichen Bundesländer seien prädestiniert, weil sie bereits heute, vor allem dank Windkraftanlagen, 130 % ihres Strombedarfs erneuerbar herstellen, betonte Jan Philipp Albrecht, grüner Energieminister von Schleswig-Holstein. Im Bundesdurchschnitt stammt nur rund die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen.

Albrecht dankte der Bundesregierung für die Förderung, forderte aber zugleich, endlich erneuerbare Energie deutlich von Abgaben, Umlagen und Steuern zu entlasten, um sie auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig gegenüber fossiler wie Kohle, Erdöl und Erdgas zu machen. Dem schloss sich die Staatssekretärin im Energieministerium Mecklenburg-Vorpommerns an. Ina-Maria Ulbrich (SPD) erinnerte Bundesminister Altmaier an die überfälligen Versprechen zur Förderung der erneuerbaren Energieerzeugung und schlug Experimentierklauseln für die rechtlichen Rahmen vor.

Dekarbonisierung aller Sektoren durch Windstrom und Wasserstoff

Im Norddeutschen Reallabor erforschen die beteiligten Projektpartner, wie das Energiesystem vor Ort durch Verknüpfung von erneuerbarem Strom und Wasserstoff mit allen Formen des Energieverbrauchs dekarbonisiert werden kann. 500.000 Tonnen des Klimagases CO2 sollen dadurch jährlich eingespart werden, perspektivisch bis zu einer Million. Vier geografische Schwerpunkte in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden Konzepte für eine integrierte Sektorenkopplung mit Fokus auf Wasserstoff entwickeln und energieeffiziente Quartierslösungen im Wärmebereich ausarbeiten.

Beteiligt an dem Verbundvorhaben sind Partner, die die gesamte Energiewertschöpfungskette abbilden – von der Erzeugung über den Transport und die Speicherung bis zum Energieverbrauch. Dreh- und Angelpunkt ist Wasserstoff, der mittels erneuerbaren Stroms klimaneutral aus der Elektrolyse von Wasser gewonnen wird. In der Industrie soll dieser Wasserstoff beispielsweise Erdgas ersetzen und die mit der Erdgasverbrennung verbundenen Kohlendioxid-Emissionen vermeiden.
 
Transformation des Energiesystems für Klimaneutralität
(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Grafik: NRL

Abwärme in die Gebäudenetze

Auch im Bereich privater Haushalte soll die Umstellung des Gasverteilnetzes auf Wasserstoffbetrieb untersucht werden. Um die Wärmewende voranzubringen, wollen die Projektpartner auch die Abwärme einer Müllverbrennungs- sowie einer Industrieanlage nutzen, um sie in eine vorhandene Fernwärmeleitung einzuspeisen. Das Norddeutsche Reallabor baut auf dem Projekt Norddeutsche Energiewende (NEW 4.0) und dessen Demonstratoren, Infrastruktur und Systemkompetenz auf, das Teil des abgeschlossenen Schaufensters intelligente Energie (Sinteg) war.

Die Reallabore der Energiewende sind ein Förderinstrument im Rahmen des 7. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung. In den Reallaboren testen Experten innovative Energietechnologien unter bestehenden Marktbedingungen und im industriellen Maßstab. Damit soll der Schritt von der Technologieentwicklung zur Marktdurchdringung beschleunigt werden.

Weitere Informationen zum NRL   finden sich im Internet.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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